Ein Polizeibeamter und zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes stehen vor einem Lokal. Der Bezirksbürgermeister von Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), will jetzt die Schließung von Fußballkneipen während der Champions League prüfen.  Foto: dpa/Paul Zinken

Der Jahrhundertsieg der Bayern gegen den FC Barcelona (8:2) könnte für Besitzer von Fußballkneipen ein böses Nachspiel haben. Mittes Bezirksbürgermeister will einige Berliner Sportbars zumindest während der Champions League schließen lassen. Er sieht darin einen neuen Corona-Hotspot! 

Stephan von Dassel (Grüne) will Fußballfans ins Abseits stellen. Mittes Bürgermeister spielt sich seit Tagen zum Corona-Sheriff der Stadt auf. Erst forderte er mehr Kontrollen in Kneipen und Bars, dann sogar ein Verkaufsverbot für Alkohol in Spätis. Zumindest die zweite Forderung war als Schnapsidee abgeschmettert worden. Sein Neuköllner Kollege Martin Hikel (SPD) verweist darauf, dass es gar nicht umsetzbar ist, in Berlin einen illegalen Alkoholhandel zu ahnden. FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja hält es sogar für Schikane gegenüber Späti-Besitzern. 

Doch der Feldzug des Corona-Sheriffs ist trotz Kritik noch nicht vorbei. Dassel stieß am Freitagabend die dichtgedrängte Fußball-Euphorie in einigen Kneipen an der Torstraße bitter auf. Da das Spiel zwischen Bayern und Barcelona nur beim Pay-TV-Sender Sky gezeigt wurde, waren einige Sportbars zum Teil randvoll. Nach dem Schlusspfiff machte von Dassel auf dem Kurznachrichtendienst Twitter deutlich: „Heute wieder zahlreiche Kontrollen rund um Mittes Partymeile. Nicht so voll und mehr Masken als bisher, aber trotzdem noch viele Mängel. Neuer Hotspot: Fußballkneipen - mehrere mussten geräumt werden. Für die nächsten Spieltage der Championsleague prüfen wir ein Öffnungsverbot.“

Stephan von Dassel, Bezirksbürgermeister des Berliner Bezirks Mitte.  Foto: Markus Wächter

Bei Monika Hermann (Grüne), Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg scheint der Vorschlag auf Wohlwollen zu stoßen. Sie teilte die Worte von Dassels kommentarlos. In Friedrichshain könnten Wirte im Simon-Dach-Kiez betroffen sein, in Kreuzberg die Fußballkneipen rund um das Kottbusser Tor und die Bergmannstraße. Für viele Betroffene sei ein Fußballverbot in Kneipen allerdings nur eine Option, wenn man mit den Wirten einen Kompromiss findet - wie zum Beispiel Public Viewing im Freien. 

Senat verschafft sich einen Überblick über Party-Hotspots

Der Senat will Probleme wie diese jetzt genauer analysieren. Zu viele Menschen, die angetrunken und dicht gedrängt in Parks oder vor Kneipen und Spätis sitzen, seien zu Corona-Zeiten ein Problem. Der Senat will sich jetzt einen offiziellen Überblick über die Party-Hotspots verschaffen. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hat die zwölf Bezirke um Unterstützung gebeten. Sie sollen Gegenden nennen, in denen verstärkt feiernde und Alkohol trinkende Gruppen die Abstands- und Hygieneregeln missachten. 

„Ich habe vorsorglich die Bezirke abgefragt, um einen Überblick über die Lage zu erhalten und damit möglichen Handlungsbedarf erkennen zu können“, erklärte Kalayci. Dassel bleibt trotz der unrealistischen Umsetzung seiner Forderung dabei, den sogenannten Außerhaus-Verkauf von Alkohol in Geschäften, Imbissen und Spätis zu verbieten, allerdings nur an besonderen Orten und zu bestimmten Zeiten. Vorbild sei für ihn Hamburg, wo der Verkauf von Alkohol zum Mitnehmen in Szenevierteln in den Wochenendnächten seit Juli verboten ist. Damit sollen die üblichen Massen-Partys auf der Straße eingeschränkt oder verhindert werden.

Nun ist Berlin aber nicht Hamburg. Laut Experten dürfte es schwierig werden, in der riesigen Party-Metropole Alkoholverbote durchzusetzen. Berliner und Touristen könnten sich Bier, Wein und Schnaps auch in Tankstellen oder Supermärkten besorgen. Auch für Nils Busch-Petersen, Geschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg ist sicher dass sich „die Leute ihren Stoff dann anderswo“ kaufen. 

Auch die geplante Verstärkung für die Ordnungsämter könne eine solche Mammut-Aufgabe im ganzen Stadtgebiet nicht stemmen. Von 550 Knöllchen-Verteilern sollen in den nächsten Tagen 240 Mitarbeiter als Corona-Kontrolleure eingesetzt werden. Ob das für die geplanten Vorhaben ausreicht, bleibt fraglich.