Die Dienstfahrzeuge deutscher Spitzenpolitiker stoßen noch immer zu viel Co2 aus. Foto: dpa/Robert Michael

Den dreckigsten Dienstwagen unter Deutschlands Spitzenpolitikern fährt immer noch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller. Das ergab der am Mittwoch veröffentlichte „Dienstwagen-Check“ der deutschen Umwelthilfe (DUH). Für den Check hat die DUH die Fahrzeuge von 240 Politikern der Landesregierungen, Bundesregierung und der Ministerien verglichen.

Bereits im vergangenen Jahr fuhr Müller das Auto mit dem höchsten Co2-Ausstoß. Im Gesamtbild nutzen Berlins Senatoren jedoch deutlich umweltfreundlichere Fahrzeuge als andere Landesregierungen. Nur Bremens Regierung ist mit einem geringeren Kohlendioxid-Ausstoß auf den Straßen unterwegs. Die in diesem Jahr eingeführte EU-Norm schreibt für neue Fahrzeuge einen Grenzwert von 95 Gramm pro Kilometer vor. Vorher waren es 130 Gramm.

Nichtsdestotrotz hat die DUH allen Landesregierungen eine „rote Karte“ erteilt. Denn der durchschnittliche CO2-Ausstoß des Senats liegt bei 196 Gramm pro Kilometer. Der Fuhrpark des Senats weist eine große Bandbreite auf. „In dieser Flotte gibt es den allerbesten und allerschlechtesten Dienstwagen“, sagte Barbara Metz, stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH. Den „Allerbesten“ fährt Umweltsenatorin Regine Günther.

Ihr moderner Tesla stößt nur 64 Gramm pro Kilometer aus, Müllers Mercedes nach Schätzung der DUH ganze 408. Einen neuen Dienstwagen hat Müller in diesem Jahr abgelehnt. „Technische Veränderungen haben den Regierenden Bürgermeister inzwischen dazu bewogen, den bisherigen Dienstwagen weiterzufahren. Da es sich um ein Sicherheitsfahrzeug und nicht um ein Serienfahrzeug handelt, ist es nicht möglich, zeitnah einen neuen Dienstwagen zu erhalten“, teilte ein Senatssprecher mit.

Verschlechtert hat sich die Bilanz des Kultursenators. Klaus Lederer fährt jetzt Diesel, 2019 war es ein weniger schmutziger Benziner. Nach Angaben eines Sprechers soll der Senator in den kommenden Wochen auf ein Hybridfahrzeug umsteigen.

DUH kritisiert Hybridfahrzeuge wegen geringer Reichweite

Doch genau an diesen fällt die Kritik der DUH besonders harsch aus. Die Fahrzeuge seien aufgrund der geringen elektrischen Reichweite meistens im Verbrennermodus unterwegs „Diese Angaben sind oft noch geringer als das, was die Hersteller angeben“ sagte Metz. Sie fordert deshalb, steuerliche Förderungen solcher Fahrzeuge einzustellen. Zudem will die DUH, dass mehr Autos mit normentsprechenden Abgaswerten produziert würden.

Die Unterschiede zwischen den Abgaswerten der Hersteller und den von der DUH geschätzten realen Werten nennt der Sprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA) als „nicht überraschend“. „Es ist klar, dass der Realverbrauch abweicht. Es kommt auf die Nutzungsprofile und Fahrweisen an“, kommentierte VDA-Sprecher Eckehart Rotter. Die Herstellerangaben wurden unter besonderen Bedingungen ermittelt. „Der Prüfzyklus wurde eingeführt, damit er wiederholbar ist“, erklärte Rotter.

Unter den Bundesministern ist Familienministerin Franziska Giffey mit dem schmutzigsten Dienstwagen unterwegs. Im saubersten Ministerwagen sitzt Bildungsministerin Anja Karliczek. Dennoch hat das gelistete Bundeskabinett (einige sind nicht gelistet) von der DUH aufgrund des hohen Co2-Ausstoßes die „rote Karte“ erhalten.