Die kleine Paula auf dem Arm ihrer Mutter Sarah Schäfer (31) vor dem Helios-Klinikum Berlin-Buch, wo sie behandelt wird. Foto: Bernd Friedel

Paula (2) jauchzt fröhlich während sie das Papier aufreißt. Als sie die Kindereisenbahn in ihren kleinen Händen hält, ist für einen kurzen Augenblick sämtliches Leid vergessen. Das Geschenk hat ihr der Berliner Verein Kolibri - Hilfe für krebskranke Kinder Deutschland e.V. gemacht. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter helfen auch in der Corona Krise, doch ihre Arbeit ist durch die Vorsichtsmaßnahmen nun deutlich erschwert.

Ehrenamtliche Mitarbeiter des Berliner Vereins Kolibri helfen krebskranken Kindern

Normalerweise besucht das Kolibri-Team die schwer kranken Kinder und ihre Eltern regelmäßig persönlich auf der Kinderonkologie im Helios-Klinikum Berlin-Buch. Doch ein Besuch auf der Station ist wegen der erhöhten Infektionsgefahr gerade nicht möglich. Deshalb helfen Andreas Landgraf und seine Kollegen auf andere Weise. „Wir haben uns entschieden, die Geschenkübergabe an Paula auf dem Klinik-Parkplatz zu machen“, sagt Kolibri-Sprecher Andreas Landgraf dem KURIER. Die restlichen Geschenke, die aus Spendengeldern finanziert werden, ein iPad, einen Laptop und zwei Fußballtrikots von Hertha und Juventus Turin, wollen sie mit der Post an die kleinen Patienten schicken. Viele werden derzeit nicht stationär behandelt, sondern nur ambulant.

„Es ist schön, dass der Verein die Kinder und ihre Familien so unterstützt. Das bedeutet uns sehr viel“, sagt Paulas Mutter Sarah Schäfer (31). Das kleine Mädchen und ihre Eltern machen sehr schwere Zeiten durch. Ende August vergangenen Jahres diagnostizierten die Ärzte aus dem Helios-Klinikum Berlin-Buch bei Paula aufgrund eines geschwollenen Lymphknotens unter ihrem Arm die niederschmetternde Diagnose Lymphrüsenkrebs. „In diesem Augenblick ist unser Leben komplett aus den Fugen geraten“, sagt die Mutter. Ihre Tochter bekam über mehrere Wochen schwere Chemotherapien und die Mutter wachte Tag und Nacht an ihrem Krankenbett.

Kleine Paula braucht eine lebensnotwendige Knochenmarktransplantation

Als sich das Kind allmählich wieder erholte, kam Anfang April der nächste Schock: Der Krebs kam zurück. Nur eine Knochenmarktransplantation kann der kleinen Paula noch das Leben retten, das doch gerade erst begonnen hat. „Als wir Paulas Mutter fragten, womit wir ihrer Tochter eine Freude machen konnten, erzählte sie uns von der Eisenbahn, die sich Paula schon so lange wünscht“, erzählt Landgraf. Doch die Arbeit von Kolibri geht weit über das Verteilen von Geschenken hinaus. Der Verein unterstützt auch Eltern finanziell, die wegen der zeitintensiven Pflege ihrer Kinder nicht arbeiten gehen können und in Notlagen geraten. Außerdem finden von Kolibri regelmäßig Kochkurse für Kinder und Theateraufführungen in der Klinik statt. Doch auch diese wichtigen Veranstaltungen, die die betroffenen Familien für kurze Zeit aus ihrem Alltag rausreißen und miteinander in Kontakt bringen, mussten vorerst abgesagt werden.

„Wir sind trotz allem immer telefonisch erreichbar und helfen, wo wir können“, sagt Landgraf. Er hat selbst ein inzwischen erwachsenes Kind, das damals an Krebs erkrankt war und weiß, in welcher seelisch belastenden Ausnahmesituation die Familien stecken. Damit der Verein www.kolibrihilft.de in diesen Momenten für Kinder und Eltern da sein kann, werden dringend Spenden benötigt. „Leider bekommen auch wir die Krise zu spüren und können auch verstehen, dass viele Menschen gerade mit ihrer eigenen Existenz zu kämpfen haben. Trotzdem sind wir sehr dankbar über jegliche Unterstützung“, so Landgraf. Unterstützung, die an Kinder wie Paula weiter gegeben wird und die sie so dringend verdienen. Paula möchte ihre Kindereisenbahn am liebsten nie wieder los lassen. „Das Geschenk bedeutet ihr sehr viel“, sagt ihre Mama. Es hat ihr ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.