Paul K. vor Gericht: Einmal beim Berlin-Marathon falsch ausparken kostet 5400 Euro. Pressefoto Wagner

Die Läufer hatten rund 26 Kilometer in den Beinen, als plötzlich vor ihnen ein Auto auf die Marathon-Strecke rollte. Das dreiste Ausparken kam Paul K. (32) teuer zu stehen. Als Läufer-Schreck landete er vor Gericht. Angeklagt wegen Nötigung. Rückwärts war er am 26. September von einem Mittelstreifen in Friedenau aus einer Parklücke auf die Straße gefahren – obwohl die Strecke für Autos gesperrt war, obwohl ihn Ordner aufhalten wollten.

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Die Ausreden des Mercedes-Fahrers, der damals mit seiner Frau einen Freund besucht hatte: „Meine Frau war schwanger, es gab plötzlich Probleme, ich wollte schnell mit ihr in eine Klinik.“ Als er sein Auto am Morgen abgestellt hatte, sei noch nichts gesperrt gewesen.

Weil die Streckenposten ihm nicht halfen, rollte er „ganz langsam“ rückwärts auf die Strecke

Paul K. (Name geändert, keine Vorstrafen): „Weil vorn ein Baumstumpf war, blieb nur hinten.“ Er habe die Ordner geben, ihm zu helfen und die Strecke kurz zu öffnen. Sie lehnten ab. Er sei „ganz langsam“ rückwärts gerollt.

Der 47. Berlin-Marathon – 42.195 Meter lange Herausforderung quer durch die City. 25.000 Läufer waren am Start, 3000 Skater dazu noch Rollstuhlfahrer und Handbiker. Tausende Zuschauer, die applaudieren, Sambatrommeln, Musikbands. Und Ordner an der Strecke.

Geschockte Läufer schlugen auf das Auto

Mit K. aber war nicht zu reden. Jonathan (19), damals Streckenposten: „Er beschwerte sich.“ Sie boten an, einen Krankenwagen zu rufen. Er lehnte ab. Ordner warnten: „Gleich kommen die Läufer.“ Jonathan: „Er aber fuhr los.“

Die Läufer geschockt. Einige schlugen aus Protest aufs Auto. Alle konnten auf dem Südwestkorso rechtzeitig ausweichen. Die Staatsanwältin: „Fuhren Sie denn danach gleich in ein Krankenhaus?“ Kaufmann K. kleinlaut: „Nein, erst zu meiner Mutter, sie hat fünf Kinder und Erfahrung.“

Der Richter: „Sie fahren in die Läufermenge hinein – welche Ängste mögen Sie ausgelöst haben! Chaos und Panik hätten ausbrechen können.“ K. habe sich darauf verlassen, dass die Läufer ausweichen, habe beharrlich ein Verbot ignoriert. Urteil: Wegen Nötigung 5400 Euro Strafe und sechs Monate Führerschein-Sperre.