Privatversicherte müssen viele Hürden nehmen, um eine Einladung zum Impfen zu bekommen. Foto: dpa

Die Freude war groß, als Katharina Becker (Name geändert) diese Nachricht las. Dass auch chronisch Kranke, die privat versichert und zwischen 18 und 70 Jahre alt sind, nun wie die gesetzlich Versicherten einen Termin für eine Corona-Schutzimpfung erhalten können. So teilte es jedenfalls die Senatsgesundheitsverwaltung am Mittwochnachmittag über die Medien mit. Betroffene mit Attest müssten nur die Impfhotline 030-9028-2200 anrufen, dort ihre persönlichen Daten hinterlassen, um dann die Impfeinladung zu erhalten. Sofort griff die 35-jährige Lehrerin, die an einem Herzfehler leidet und daher dringend den Schutz vor Corona benötigt, zum Telefon – und wurde Zeuge einer peinlichen Panne. Denn die Mitarbeiter der Impfhotline wiesen die Frau ab. Denn offenbar hatte keiner sie über den Start der neuen Impfregelung für Privatversicherte informiert.

„Eine Mitarbeiterin sagte, dass die Pressemitteilung viel zu früh herausgegangen sei“, sagte Becker dem Berliner KURIER. „Sie erklärte, dass eine Regelung für Privatversicherte noch in Planung ist, und man mir deshalb nicht weiter helfen könne. Es ist eine Katastrophe, wie die interne Kommunikation zwischen Gesundheitsverwaltung und den Mitarbeitern der Impfhotline offenbar abläuft.“

Bei der Hotline kannte keiner die Regelung

Die Lehrerin ist kein Einzelfall. Mehrere chronisch Kranke, die privat versichert sind, hätten am Mittwoch von Mitarbeitern der Impfhotline zu hören bekommen, dass sie keine Arbeitsanweisungen für diese Personengruppe erhalten hätten. Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) berichtete von Beschwerdeanrufe der Betroffenen, die Ähnliches wie die Lehrerin schilderten. „Sieben Versicherte teilten mit, dass sie gegen den Senat klagen wollen“, sagte PKV-Sprecher Stefan Reker. Über mögliche Klagen hatte zuerst die Berliner Morgenpost berichtet.

Ein KURIER-Anruf am Donnerstag bei der Hotline ergab, dass  Mitarbeiter am Vortag offenbar keine Kenntnis von der Regelung für die Privatversicherten hatten. „Wir wurden erst am Donnerstagmorgen gegen sieben Uhr informiert“, so eine Mitarbeiterin. Von diesem Zeitpunkt an habe man von den Betroffenen, die anriefen, die Personendaten abgefragt, die dann der Senatsverwaltung zur weiteren Bearbeitung zugeleitet werden. „In etwa sieben Tagen erhalten sie die Impfeinladung“, so die Mitarbeiterin.

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Auf Anfrage dieser Zeitung, wie es zu der Panne kommen konnte, erklärte ein Sprecher der Senatsgesundheitsverwaltung: Die entsprechenden Schulungen für die Hotline „seien angelaufen“. Der Sprecher des Verbandes der Privaten Krankenversicherungen kritisierte, dass der Senat mit dem jetzigen Verwirrspiel um das Impfen der Privatversicherten „vor allem viele seiner eigenen Mitarbeiter im Regen stehen lässt“. Denn zu den 400.000 Berlinern, die privat krankenversichert sind, gehören nicht nur Besserverdienende und Freiberufler, sondern auch Landesbeamte wie Lehrerin Katharina Becker, die sich nun wegen ihres Herzfehlers  gegen das Coronavirus impfen lassen wollte, so wie es die Priorisierungsliste des Bundes vorsieht.

Der PKV-Verband und der Deutsche Beamtenbund kritisieren, dass bei dem Impfregime des Senats schon einmal Privatversicherte durch das Raster fielen. Anfang des Monats, als sich chronisch kranke Berliner zwischen 65 und 70 Jahren impfen lassen durften. Um das Verfahren zu vereinfachen, veranlasste der Senat, dass die gesetzliche Kassenärztliche Vereinigung (KV) anhand ihrer Abrechnungsdaten die Impfeinladungen an über 600.000 Berliner verschickte. Der Senat vergaß dabei aber die Privatversicherten. „Denn die KV verfügt über deren Daten nicht“, so ein Beamtenbund-Sprecher. Um den Fehler auszubügeln, kam es nun zu der jetzigen Regelung, die auch die chronisch kranken Privatversicherten mit einbezieht. Die startete nun mit der  Hotline-Panne.