Die Musiker der Band Pankow, Andre Herzberg (l-r), Stefan Dohanetz, Jürgen Ehle, Andreas "Kulle" Dziuk und Andre Drechsler. Die Berliner Ost-Band Pankow war eine der beliebtesten Rockbands der achtziger Jahre. ZB

Keinen lassen die aktuellen Geschehnisse in der Ukraine kalt.  Auch in Berlin äußern sich in den sozialen Medien Künstler, Musiker, Menschen wie du und ich. Besonders eindringlich ist der Beitrag, den Pankow-Sänger André Herzberg auf Facebook postete.

Als Musiker in der DDR eckte er mit seinen Kollegen der Rockband Pankow immer wieder beim Regime an. Als deutscher Jude hat er einen unverstellten Blick auf die Vergangenheit seines Landes.

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„Ich habe eine Scheiß Angst, schon seit Tagen lese ich, noch mehr als sonst, hektisch, andauernd die Schlagzeilen. Der Krieg hat begonnen. Ich wohne in Berlin, 60 km weiter ist die polnische Grenze. Von da sind es etwa weitere 900 km, wohin die Russen in die Ukraine einmarschieren“, schreibt Herzberg in einem emotionalen Post.

André Herzberg: Der russische Bär eine Schreckensvision

Vor ein paar Tagen habe er einen Kollegen angerufen, der ursprünglich aus der jetzt umkämpften Ost–Provinz der Ukraine kam. Was sagt die Verwandtschaft? „Er übermittelte mir einen Witz von der typisch jüdischen Art, mit Angst umzugehen, doch leider nicht immer mit harmlosem Ausgang, wie ich weiß. Deshalb konnte er mich auch nicht beruhigen.“

„Der russische Bär mit roter Stern-Mütze ist für mich eine Schreckensvision, er ist unberechenbar, gewalttätig. Ich misstraue ihm lange. Er sagte, er will sein Revier schützen, was ihm nur niemand ernsthaft streitig macht. Dabei wird er schlicht sein Revier vergrößern. Wer sich ihm in den Weg stellt, wird niedergemacht. Jetzt lässt er die gewaltigen Muskeln spielen. Er brüllt so laut, dass es überall zu hören ist.“

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Woran messe er ein ein Imperium, fragt Herzberg. Hier das russische, dort das amerikanische. „Beide sind große Länder mit vielen multiethnischen Einwohnern, für mein Leben alles wichtige Einflüsse. Ich bin mit dem russischen Imperium aufgewachsen. Mit seinen Soldaten, seinen Büchern, seiner Musik, seinen Filmen. Später kamen auch die amerikanischen Einflüsse, abgesehen von den Soldaten, war der Einfluss auch stark. Woran messe ich die wahre Größe eines Imperiums? Ich messe sie an der Kraft, Souveränität, sich im Innern, mit sich selbst auseinander zu setzen, sich zu kritisieren, zu hinterfragen. Das kann der russische Bär nicht.“

Jeder Russe, der Russland kritisiert landet im Ausland

Jeder Russe, der Russland kritisiere, hinterfrage, lande früher oder später im Ausland oder schlimmer, er verliere sein Leben, so Herzberg. „So erging und ergeht es auch all den russischen Künstlern, die ich liebe, all den Intellektuellen, die sich wagten, Fragen zu stellen, zu kritisieren, unter dem Zaren, erst recht unter den Kommunisten. All diese zarten Erwägungen sind Makulatur angesichts von ein paar hundert Kilometern Entfernung vom Krieg. Ich habe eine Scheiß Angst.“