Seit dem 22. Februar gehen die ersten Schüler in den Berliner Grundschulen wieder zum Unterricht. Getestet werden sie aber noch nicht.  Foto: dpa

Mehr und mehr Schüler kommen in Berlin zurück in die Schulen. Die Öffnung, von den einen ersehnt, von den anderen gefürchtet, sollte von einem umfassenden Selbsttestprogramm für Lehrer und Schüler sowie Impfangeboten für Lehrer flankiert werden. Doch von einem flächendeckenden Einsatz der Tests für Schüler ist man weit entfernt. Kommende Woche starten endlich Tests für die älteren Schüler.

Steigende Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen

Wie nötig das umfassende Testen und Entdecken von Covid-Fällen an Schulen ist, zeigen aktuell steigende Inzidenzen bei den Jüngsten und Jugendlichen. Während die Zahl der Infizierten bei den Älteren seit der sechsten Kalenderwoche stetig sinkt – ein Erfolg der Impfkampagne – steigt im gleichen Zeitpunkt deutschlandweit sowohl bei kleinen Kindern als auch bei Jugendlichen die Zahl der positiv Getesteten wieder kontinuierlich an.

So lag bei den Fünf- bis Neunjährigen die 7-Tage-Inzidenz in der sechsten Kalenderwoche bei 37,3 – jetzt sind wir in dieser Altersgruppe bundesweit bei 72,5 Infizierten binnen sieben Tagen, gerechnet auf 100.000 Einwohner. Bei den Zehn- bis 14-Jährigen stieg im selben Zeitraum die Inzidenz von 38,1 auf 61,5. Bei den 15- bis 19-Jährigen kletterte die Zahl von 60,4 Mitte Februar auf einen Wert von 80,7.

Verband warnt vor weiteren Schulöffnungen

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung warnt daher vor weiteren Öffnungen der Schulen: „Die Vermutung, dass dies mit den vor drei Wochen begonnenen Schulöffnungen in unmittelbarem Zusammenhang steht, liegt nahe. Wir warnen davor, Schulöffnungen weiter voranzutreiben, solange die Ursachen hierfür nicht eindeutig geklärt sind und der aus den drei Säulen Impfen, Testen und von Hygienekonzepten bestehende Gesundheitsschutz ohne jegliche Einschränkung nicht umgesetzt werden kann.“ Der vereinbarte Mindestanspruch von einer Testung pro Woche sei „eine Lachnummer“, kritisierte Beckmann.

Keine flächendeckenden Selbsttests an Berliner Schulen

Und tatsächlich hakte es auch in Berlin bei der flächendeckenden Umsetzung von Schülertests. Zwar seien bereits Tausende Lehrer per Selbsttest untersucht worden, für die ersten Schüler starten die Tests aber erst Mitte der kommenden Woche, so ein Sprecher der Bildungsverwaltung gegenüber dem KURIER.

„Die Lieferungen sind jetzt gestartet, 500.000 Selbsttests von Siemens sollen bis nächsten Dienstag in 242 Berliner Schulen ankommen“, sagt Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). „Wir können mit diesen 500.000 zugelassenen Tests die öffentlichen Oberstufenzentren, also die beruflichen Schulen, bedienen und die 11. bis 13. Klassen an den öffentlichen und privaten Schulen.“ Jeder dieser Schüler erhalte gleich zehn Testportionen, so Scheeres. Es sei so kalkuliert, dass die Schüler sich zweimal pro Woche testen könnten. „Wenn die Tests Dienstag da sind, haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich schon testen zu können, bevor am Mittwoch der Wechselunterricht für die 10. bis 13. Klassen wieder losgeht.“

Die Jugendlichen könnten die Selbsttests in den Schulen abholen, sagt die Bildungssenatorin. Man starte mit den älteren Schülern, weil diese sich häufiger in der Stadt bewegten und mehr Kontakte hätten. Weitere Test-Lieferungen sollen am 19. und dem 24. März folgen.

In Berlin arbeitet man mit drei verschiedenen Tests, denen von Siemens, von Nal von Minden und einem weiteren von Roche, der schon eine Zulassung als Selbsttest hat. Es gebe bereits für alle drei Schaubilder, ab dem 15. März werde man außerdem eine Webseite mit Infos unter www.einfach-testen.berlin schalten. „Sobald die Genehmigung vom Bund da ist, den von Berlin bereits angeschafften Schnelltest von Nal von Minden auch als Selbsttest zu benutzen, können wir das weiter ausrollen“, kündigt Scheeres an. „Dann können sich die Lehrkräfte auch zu Hause testen und alle Jahrgänge der Schülerinnen und Schüler.“

Macht ein Schüler zu Hause einen Selbsttest, der positiv ausfällt, soll er das der Schule melden und muss dann in eines von vier dafür vorgesehenen Testzentren, die für PCR-Tests ausgelegt sind. Falle der Test positiv aus, gebe es eine Meldung ans Gesundheitsamt, und dann wird die Quarantäne ausgesprochen. Das gelte auch für Lehrkräfte, so Scheeres. „Die Schulen müssen außerdem dokumentieren, an wie viele Schüler in einer Klasse wie viele Tests ausgegeben worden sind“, sagte Scheeres. Mithilfe einer Datenbank können man dann weitere Bestellungen auslösen.

Die ersten Ergebnisse bei bisherigen Lehrer- und Erziehertests hätten sieben positive Tests ergeben, die sich aber im anschließendem PCR-Test doch als negativ erwiesen hätten. In der Woche darauf waren von 15.000 Schnelltests weitere sieben positiv. Die PCR-Testergebnisse dazu stehen noch aus, so Sprecher Martin Klesmann.

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Die Testung selber erfolgt dann im Vertrauensprinzip. Mit „Schulungen, Nachfragen und Appellen“ wolle man die Schüler zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den Tests bewegen.

Wie man verhindert, dass Schüler positive Ergebnisse verschweigen oder die Tests auf Ebay verkaufen, bleibt Sache der Lehrer. In Brandenburg, wo am Montag erste Schülertests stattfinden sollen, wird gleich klassenweise in der Schule getestet, zu diesem Vorgehen gab es bereits Kritik.

Zwei Millionen Tests für zwei Wochen

Um alle Berliner Schüler flächendecken zweimal wöchentlich zu testen, sind bei 369.841 Schülern an den allgemeinbildenden Schulen Berlins pro Woche 739.682 Tests nötig.

Dazu kommen die 83.411 Schülerinnen und Schüler an Berufsschulen, die 33.432 Lehrer, 1462 Referendare, 6788 Erzieher und Unterrichtshelfer – in Summe sind das knapp 500.000 Menschen. Bei zwei Tests in der Woche kann man sich ausrechnen, dass zwei Millionen Tests gerade mal für zwei Wochen reichen.

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