Im Stadtteil Lichterfelde hat der Sturm einen großen Ast von einem Baum gerissen. Der Ast ist auf ein Auto gefallen. Foto: dpa/Wolfram Steinberg

Orkan Ignatz ist da! Mit Orkanböen von in der Spitze 160 km/h fegt er über Deutschland. Besonders ein Streifen in der Mitte der Republik ist betroffen, doch auch an den Rändern besteht Lebensgefahr! Das müssen Sie jetzt wissen.

Über Frankreich kam Sturm Ignatz nach Deutschland. In den frühen Donnerstagmorgenstunden wurden in Deutschland bereits heftige Böen gemessen. Auf dem Feldberg im Schwarzwald wurden 162 km/h registriert, auf dem Brocken immerhin 139 km/h. In Trier, auf dem Petriberg war der Sturm mit immerhin 115 km/h unterwegs. 

Ignatz fegt über Berlin: Frau in Prenzlauer Berg verletzt

In Berlin wurden bereits Windgeschwindigkeiten von 85 km/h gemessen. In Prenzlauer Berg wurde am Donnerstagvormittag eine Frau durch herabfallende Äste leicht verletzt. Zudem wurden Bäume vom  Sturm umgekippt. 

Das Sturmtief sorgte für einen Dauereinsatz bei der Feuerwehr. Sie bewältigte nach eigenen Angaben von 8.00 Uhr bis 19.00 Uhr insgesamt 372 wetterbedingte Einsätze. „Wir sind nahezu am Limit“, sagte ein Sprecher am Mittag.

Eine Frau wurde in Prenzlauer Berg durch einen herabfallenden Ast leicht verletzt. Auch gab es nach Angaben des Sprechers erhebliche Sachschäden an parkenden Autos. In Pankow fielen zwei Bäume in eine Hausfassade. 

Bei der S-Bahn kam es nach Angaben der Deutschen Bahn auf allen Linien zu Verspätungen und Ausfällen. Die Berliner Verkehrsbetriebe sprachen am Mittag von einer „relativ ruhigen“ Situation bei Bussen und U-Bahnen. Am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) gab es laut einer Sprecherin bis zum späten Nachmittag keine „signifikanten Verspätungen“ durch den Sturm.

Bahnmitarbeiter verletzt 

In Brandenburg zählte die Regionalleitstelle Nordost in Eberswalde bis zum Nachmittag 210 Einsätze in den Landkreisen Barnim, Oberhavel und Uckermark. In Templin (Uckermark) sei ein Regionalzug zum Stehen gekommen und ein Mitarbeiter habe Äste von den Schienen räumen wollen, teilte ein Sprecher mit. Der Mann sei dabei verletzt worden, Details dazu nannte der Sprecher nicht. 

Im Harz wurde zudem ein Mann verletzt nachdem er in seinem Auto von einem umgestürzten Baum erfasst wurde. Die Feuerwehr musste den Mann aus seinem Auto schneiden. Er kam schwer verletzt ins Krankenhaus. 

Auf der A61 in Rheinland-Pfalz wurde ein Lkw von einer Sturmböe erfasst. Der Anhänger schleuderte über die Fahrbahn. Die Autobahn war komplett gesperrt.

Auf der Rheinbrücke steht ein Lastwagen quer. Sturmböen sollen den Lkw umgeweht haben. dpa/Rene Priebe

Die Deutsche Bahn meldete inzwischen wie erwartet, erste Verzögerungen. Umgestürzte Bäume sorgen unter anderem in Schleswig-Holstein, aber auch in Brandenburg für Behinderungen. Im Spreewald zwischen Halbe und Lübbe fahren die Züge nur eingleisig, da ein Baum auf die Gleise gefallen war.

Lesen Sie auch: Netz statt Lumpen: So sexy zeigt sich die neue „Aschenbrödel“ auf Instagram >>

In Schleswig-Holstein musste ein Zug notbremsen, da ein Flachdach vom Wind auf die Strecke geweht wurde. Verletzte gab es nicht. Der Zug war aber zunächst nicht fahrbereit. Gegen Mittag teilte die Bahn zudem mit, dass der Fernverkehr in Nordrhein-Westfalen eingestellt werde. Am frühen Nachmittag wurde er wieder aufgenommen.

In Dresden wurde am Donnerstagmittag sogar der Straßenbahnverkehr eingestellt. Busse fuhren zwar weiter, konnten den Zeitplan wegen der Verkehrslage aber nicht einhalten.

In Rudersdorf in NRW ist die Bahnstrecke gesperrt. Bäume landeten auf den Oberleitungen. dpa/Kay-Helge Hercher

Strom in Thüringen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt weg

In Thüringen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt waren mehr als 50.000 Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten. Umgestürzte Bäume und herabfallende Äste haben am Donnerstag Stromleitungen beschädigt und so für einen Stromausfall gesorgt. Das bestätigte ein Sprecher der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom. Mitarbeiter seien im Einsatz, um die Versorgung wieder herzustellen.

Nicht nur Bäume stürzen um, auch Baugerüste wurden bereits in mehreren Städten umgeweht. Im München wurde ein Gerüst so umgeweht, dass es über einen Gehweg ragte. Die Feuerwehr musste das Gerüst nun erstmal sichern, um Gefahren für Leib und Leben abzuwehren. Auch in Würzburg und Ludwigsburg hielten Gerüste dem Wind nicht Stand.  Zudem wurden bereits Ziegel vom Dach des Dresdner Rathauses geweht. 

Ein Baugerüst im bayerischen Würzburg wurde vom Sturm umgeweht. dpa/Karl-Josef Hildenbrand

In der Nähe von Kiel, im Ort Schwentinental, hat ein Tornado schwere Schäden angerichtet. Feuerwehr-Einsatzleiter Kai Lässig berichtete, er habe den Rüssel des Wirbelsturms selbst gesehen. Der Sturm habe im Ort eine „Schneise der Verwüstung“ auf etwa 100 Metern Breite hinterlassen. Mehrere Häuser wurden dabei schwer beschädigt, Bäume seien umgestürzt und hätten Autos unter sich begraben. Erst vor wenigen Wochen hatte ein Tornado in Kiel gewütet, dabei wurden sieben Menschen verletzt.

Wetterdienst rät wegen Ignatz: Verlassen Sie Ihr Haus nicht! 

Der Sturm breitet sich vor allem über der Mitte Deutschlands in einem Streifen vom Saarland bis nach Sachsen aus. Doch auch an den Rändern kann es zu heftigen Sturmböen kommen. Auch in Berlin wird daher vor Ausflügen ins Freie gewarnt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h auch in der Hauptstadt zahlreiche herabfallende Äste und auch umfallende Bäume. Am Donnerstag sollte das Haus besser nicht verlassen werden. 

„Für Menschen, die sich in Parks und Grünanlagen aufhalten, besteht Lebensgefahr“, teilte das Bezirksamt Berlin-Mitte am Mittwoch mit. Viele Bäume seien aufgrund der langanhaltenden Trockenheit der vergangenen drei Jahre stark geschwächt. Äste könnten abbrechen, sogar ganze Bäume könnten umstürzen. Das Amt warnt darum dringend davor, am Donnerstag und Freitag öffentliche Grün- und Erholungsanlagen zu betreten.

In Schierke im Harz entfernen Arbeiter einen umgestürzten Baum von der Straße. dpa/Ole Spata

Der Zoo und der Tierpark Berlin kündigten an, am Donnerstag nicht zu öffnen und die Tiere in Häusern und Stallungen unterbringen. Das Aquarium soll regulär öffnen. „Aus Erfahrung wissen wir, dass solche Unwetterwarnungen keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden sollten“, teilte Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem mit. Sollte man von größeren Schäden verschont bleiben, würden Zoo und Tierpark ab dem Freitag wieder regulär öffnen.

Mehr Wetter und Klima-News gibt es hier >>>

Auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in Berlin-Brandenburg sprach eine Warnung aus. Spaziergänger sollten besonders vorsichtig sein oder die Parks gar nicht erst besuchen. Die Stiftung schloss nicht aus, die Anlagen je nach Wetterlage zu sperren.