Lara Gryczynska (16) mit einem Foto ihres Welpen. Er kam aus dem illegalen Handel, war an Parvovirose erkrankt und starb.
Foto: Volkmar Otto

Weil sich während der Pandemie viele ein Haustier wünschten, boomt der illegale Handel mit Welpen. Millionen Tiere leiden darunter, werden krank und sterben. Am Dienstagabend stellten Tierschützer von „Vier Pfoten“ deshalb Kreuze und Kerzen am Brandenburger Tor auf, hielten eine Mahnwache ab. Zur Kundgebung kamen auch Berliner, die selbst Welpen von illegalen Händlern kauften. Und erzählten ihre Geschichten.

Lara Gryczynska (16) und ihre Mutter Karolina (42) stehen auf dem Pariser Platz, im Hintergrund Holzkreuze und Grabkerzen. Den beiden fällt es schwer, über das zu sprechen, was ihnen vor drei Jahren passierte. Lara hält ein Foto in den Händen, es zeigt einen Hundewelpen. Er ist klein, er ist niedlich – und er starb nur Tage, nachdem sie ihn zu sich holten..

Die Tierschützer von Vier Pfoten stellten Kreuze und Kerzen auf, um an Millionen Hunde zu erinnern, die den illegalen Händlern schon zum Opfer fielen. Foto: Volkmar Otto

Über eine Kleinanzeigenseite im Netz stießen sie auf eine Anzeige, verliebten sich in den Hund. „Wir vereinbarten einen Termin mit dem Händler, wurden zu einer Adresse gelotst und bekamen den Kleinen an der Tür“, sagt Karolina. Komisch kam ihnen das nicht vor. „Wir haben uns sofort verliebt.“ 400 Euro bezahlten sie für den Shih-Tzu-Welpen. Dazu gab es einen Impfausweis. „Aber wir merkten später, dass er gefälscht war, denn den Arzt, der darauf vermerkt war, gab es gar nicht.“

Sie verliebten sich sofort in den kleinen Welpen. Tage später war er tot

Zu Hause wollte der Welpe nicht spielen, wirkte schwach. „In der Nacht fing er an, sich zu übergeben, bekam Durchfall“, sagt Lara. Der Tierarzt stellte fest: Der Hund war an Parvovirose erkrankt, einer Krankheit, die durch Viren hervorgerufen wird. Drei Tage später verstarb der Hund, ein Schock für die Familie. „Wir haben eine Weile gebraucht, um uns davon zu erholen. Wir waren ja so verliebt in den Kleinen“, sagt Karolina.

Nico Groß (33), Katharina Heibel (36) und Hündin Luna (2) kamen auch zur Mahnwache. Luna stammt von einem illegalen Händler, überlebte nur knapp.
Foto: Volkmar Otto

Am Rand der Mahnwache stehen Nico Groß (33) und Katharina Heibel (36). Sie halten ein Transparent in die Höhe, „Todkrank aber überlebt“ steht darauf. Auch sie kauften einen Welpen, fielen auf einen Händler herein. Gleiche Geschichte: Kleinanzeigenseite im Netz, merkwürdige Adresse, Verkauf an der Tür. „Eigentlich wollten wir einen anderen Hund, aber dann kam die Frau mit einem Plastikkörbchen, in dem die Kleine saß. Wir mussten sie einfach mit nach Hause nehmen“, sagt Heibel. 200 Euro. Papiere gab es nicht. „Wir wurden einfach überrumpelt.“

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Zu Hause fing die junge Hündin an, sich zu kratzen. Später übergab sie sich, bekam Durchfall. Diagnose: Parvovirose. Für die Behandlung beim Tierarzt borgten die beiden sich Geld bei einer Freundin – 600 Euro kamen zusammen. „Nach drei Tagen konnten wir sie wieder abholen, danach zwei Monate Quarantäne. Wir wussten: Die Chance, dass sie überlebt, ist minimal.“ Doch Hündin Luna – so lautet ihr Name – schaffte es! „Heute geht es ihr gut. Wir sind froh, dass für sie kein Holzkreuz hier stehen muss.“

Tierschützer fordern: Die Politik muss den Handel besser überwachen

Zwei Geschichten – aber nur zwei von vielen. Es passiert jeden Tag, überall in Deutschland. „Ich bin zutiefst traurig, dass der illegale Welpenhandel nach wie vor boomt – vielleicht so sehr wie nie zuvor“, sagt Daniela Schneider, Heimtier-Expertin bei „Vier Pfoten“. Die Holzkreuze und Kerzen am Brandenburger Tor stünden stellvertretend für Millionen Opfer des illegalen Handels. „Welpen, die viel zu jung und krank aus osteuropäischen Vermehrerstationen nach Deutschland kamen und dann anonym auf Online-Plattformen weiterverkauft wurden.“

Am Mittwoch wollten die Tierschützer mehr als 110.000 Unterschriften an das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft übergeben – denn sie fordern, dass die Politik handelt. Daniela Schneider: „Wir brauchen eine zuverlässige Verifizierung von Tier-Verkäufern auf allen Online-Plattformen und eine sichere Rückverfolgbarkeit der Tiere. Eine Aufklärungskampagne des Bundes wird den Welpenhandel nicht stoppen – nur Gesetze können das.“