80 Arbeiter sind derzeit dabei, die Messehalle in ein Corona-Behandlungszentrum umzubauen. Am Sonnabend werden die ersten 220 Betten erwartet. Foto: dpa/dpa-Pool/Michael Kappeler

Eine Klinik für 1000 Corona-Infizierte – die soll auf dem Messegelände entstehen und noch im April eröffnet werden. Am Mittwoch war in Messehalle 26 Baustart.

Wulf Pankow ist seit einem Jahr im Ruhestand. Doch das Coronavirus hat den 67-Jährigen wieder auf den Plan gerufen. Als einstiger Chefarzt der Abteilung für Pneumologie am Vivantes-Klinikum Neukölln hat er sich freiwillig gemeldet. Er wird als Mediziner in dem neuen Corona-Behandlungszentrum arbeiten.

Pankow ist an diesem Mittwoch zusammen mit Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) und Projektleiter Albrecht Broemme beim offiziellen Baustart für die Klinik dabei, die in der Messehalle 26 an der Jafféstraße in Charlottenburg entsteht. Dort sollen Menschen behandelt werden, die sich mit Covid-19 infiziert haben.

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci und Berlins einstiger Feuerwehrchef Albrecht Broemme gaben den Startschuss für den Ausbau das Behandlungszentrums. Foto: dpa/dpa-Pool/Michael Kappeler

Es ist schwer vorstellbar, dass in der Messehalle 26 in wenigen Wochen Corona-Patienten behandelt und mit Sauerstoff versorgt werden können. Ursprünglich sollte in der Halle Platz für 1 000 Patienten sein. Doch nun ist klar, dass hier nur 500 Betten stehen werden. Doch an ihrem Plan, ein Zentrum für 1 000 Patienten zu bauen, hält Gesundheitsministerin Kalayci trotzdem fest. Man sei mit der Messe wegen einer zweiten Halle im Gespräch, sagt sie. Die könne man sehr schnell ebenfalls ausbauen. Zuvor war bekannt geworden, dass sich auch Hotels wie etwa das Estrel in Neukölln zur Aufnahme von Corona-Patienten zur Verfügung gestellt hätten. Doch man habe die Behandlung von Infizierten an einem Ort konzentrieren wollen, heißt es.

Messehallen als Reserveeinheit

Kalayci sagt, Berlin sei mit seinen 50 Krankenhäusern zwar gut auf die Coronakrise eingestellt. So werde die Anzahl der Intensivbetten allein an den regulären Kliniken demnächst um 1 000 verdoppelt. Doch man rüste sich und habe vorgesorgt. Völlig überfüllte Krankenhäuser wie in Italien oder Spanien soll es nach ihren Worten in Berlin nicht geben. Daher baue man die Kapazitäten aus und ein Behandlungszentrum auf.

Das nun entstehende „Corona-Behandlungszentrum Jafféstraße“ sei eine „Reserveeinheit“. Hier würden Menschen behandelt, die zwar beatmet, aber nicht intensivmedizinisch betreut werden müssten, sagt Albrecht Broemme, einst Feuerwehrchef von Berlin und Präsident des Technischen Hilfswerks. Und für die kein Platz in den Krankenhäusern mehr sei.

Ein Mann trägt Mundschutz auf der Baustelle des "Corona- Behandlungszenturm Jaffestraße". Foto: dpa/dpa-Pool/Michael Kappeler

Broemme sagt, es brauche Fantasie, sich eine Klinik in der leeren Halle vorzustellen. Nach seinen Worten entstünden sogenannte Cluster, also Versorgungseinheiten, die durch Fertigbauwände getrennt sind und in denen jeweils 16 oder 24 Betten stehen werden. In den 16-Betten-Einheiten werden Patienten untergebracht, die mit Sauerstoffgeräten beatmet werden müssen. Aber auch an den anderen Betten sei eine Sauerstoffversorgung vorgesehen, betont Broemme. „Bisher wissen wir, dass Sauerstoff den Infizierten hilft“, sagt der 66-Jährige.

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Die Versorgung mit Sauerstoff und auch Strom findet über Versorgungsstränge an der Decke statt. So wird verhindert, dass in jedem Raum Sauerstoffflaschen aufgestellt werden müssten. Auch einen Computertomografen werde es in einem strahlengeschützten Raum geben. „Schon in einer Woche wird es hier aussehen wie in einer Klinik“, verspricht der einstige Feuerwehrchef. So sollen am kommenden Sonnabend die ersten 220 Klinikbetten geliefert werden. „Ein Anfang“, sagt Broemme. Er findet es vor allem erstaunlich, was in Notfällen alles so gehe. So sei der Bau des Behandlungszentrums innerhalb nur eines Tages genehmigt worden.

500 Pflegekräfte für 500 Betten

Träger der neuen Corona-Klinik wird Vivantes sein, ein landeseigener Klinikkonzern. Sie habe nicht lange überlegen müssen, die Trägerschaft zu übernehmen, sagt Vivantes-Chefin Andrea Grebe.

Arbeiter bereiten auf der Baustelle des "Corona- Behandlungszenturm Jaffestraße" die Halle vor und installieren Licht, Strom und Sauerstoff-Versorgungseinrichtungen. Foto: dpa/dpa-Pool/Michael Kappeler

Auch beim Personal gibt es offenbar schon Fortschritte. Für die 500 Betten in Halle 26 sind 100 Ärzte und 500 Pflegekräfte vorgesehen. Insgesamt hätten sich bereits 550 Ärztinnen und Ärzte für den Einsatz im Corona-Behandlungszentrum gemeldet, sagt Ärztekammerpräsident Günther Jonitz. Darunter seien pensionierte und angehende Mediziner, Ärztinnen in Elternzeit, aber auch niedergelassene Ärzte, die zeitweise in dem neuen Corona-Behandlungszentrum arbeiten könnten.

Noch gibt es für die Eröffnung des Behandlungszentrums keinen Termin. Projektleiter Broemme sagt dazu: „Es wäre gut, wenn das noch im April sein wird. Noch besser wäre es aber, wenn wir keinen Patienten aufnehmen müssten.“