Oona Devi Liebich wurde im Film „Crazy“ bekannt. Foto: Berliner KURIER/Volkmar Otto

Im kultigen Jugendfilm „Crazy“ hatte sie an der Seite von Robert Stadlober ihren ersten großen Auftritt, begleitete eine ganze Generation Jugendlicher durch die Pubertät: Oona Devi Liebich. Die 36-Jährige lebt in Berlin, steht regelmäßig für das Fernsehen vor der Kamera. Im KURIER erzählt sie, wie sie heute über „Crazy“ denkt, welche Film-Themen ihr besonders am Herzen liegen – und warum sie gern mal einen DDR-Streifen drehen würde.

Rund 20 Jahre ist es her, dass der Jugend-Film „Crazy“ erschien – ein Streifen, der eine Generation Jugendlicher beim Aufwachsen begleitete, der noch heute Kult ist. „Ich bin noch heute dankbar, dass ich ein Teil dieses Projektes sein durfte“, sagt Oona Devi Liebich. „Ich kenne einige Leute, die sagen, ,Crazy‘ sei der Film ihr Jugend gewesen. Ich selbst hatte dafür überhaupt keinen Film, der meine Jugend definierte. Aber ich wurde durch die Dreharbeiten zu „Crazy“ sehr schnell erwachsen.“

In „Crazy“ geht es um den 16-jährigen Benjamin (Robert Stadlober), der halbseitig gelähmt ist und von seinen Eltern auf ein Internat geschickt wird. Dort findet er schnell einen besten Freund (Tom Schilling), doch beide verlieben sich in die Mitschülerin Malen, gespielt von Oona Devi Liebich. Für die Besetzung des Films gingen Talent-Scouts an Schulen auf die Suche nach jungen Gesichtern, entdeckten dabei auch die Berlinerin. Am Set fühlte sie sich sofort pudelwohl, erzählt sie. „Ich war 14 und kam zum ersten Mal mit den Abläufen beim Film in Kontakt. Die Kollegen waren super – und es faszinierte mich, so unterschiedliche Stimmungen zu spielen.“

Für die Schauspiel-Karriere schmiss sie das Abitur

Als das Projekt abgedreht war, ging sie weiter zur Schule, ließ immer wieder Film-Aufträge sausen. Doch kurz vor dem Abitur kam ein Angebot für die Hauptrolle in „Paule und Julia“ – Liebich brach die Schule ab. „Die Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut“, sagt sie. Viele Filme und Serien folgten, Liebich stand für den „Tatort“ vor der Kamera, war in „Danni Lowinski“ und bei „Rote Rosen“ zu sehen. Seit 2018 spielt sie in der Film-Reihe „Tonio und Julia“ die Familientherapeutin Julia Schindel, die nächsten Folgen laufen diesen und nächsten Sonntag (jeweils 20.15 Uhr, ZDF).

Vor allem die Folge „Mut zu leben“ ist der Berlinerin ein Anliegen – sie selbst schlug der Produktionsfirma das Thema vor. Es geht um ein Paar, das mit einer Fehlgeburt zu kämpfen hat. Liebich hat selbst zwei Kinder, fünf und 15 Jahre alt. Und musste in den Jahren zwischen ihnen zwei Fehlgeburten erleiden. „Ich finde, dass es ein Thema ist, das mehr an die Öffentlichkeit gelangen muss“, sagt sie. „Man muss darüber sprechen, denn für Betroffene ist es schwer, damit umzugehen.“

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Viele Frauen machen sich nach einer Fehlgeburt selbst Vorwürfe, suchen die Schuld bei sich und ihrem Körper. „Auch ich habe mich gefragt, was ich getan habe, ob ich nicht gut genug war. Aber solche Gedanken sind einfach Schwachsinn.“ Ihre Familie habe ihr dabei geholfen, mit dem Verlust umgehen zu können. Das Thema müsse noch mehr aus der Tabu-Zone geholt werden. „Es ist wichtig, dass man darüber spricht – und dass man Betroffenen die Möglichkeit gibt, sich bei ihren Kindern zu verabschieden.“ Beim Spielen der Episode sei sie immer wieder an ihre eigenen Grenzen gestoßen.

Oona Devi Liebich und Maximilian Grill spielen die Hauptrollen in „Tonio und Julia“. Foto: ZDF/Michael Marhoffer

„Mut zu leben“ ist die vorerst letzte Episode der Reihe. Was kommt danach? Liebich ist offen für neue Projekte, sagt sie. Nur ein Traum steht noch auf der Liste: „Ich würde gern an einem Film zur Geschichte der DDR mitwirken. Als ich noch in der Schule war, hatte ich schon ein Angebot, das ließ ich damals aber sausen.“ Der Wunsch entstand aus der eigenen Familiengeschichte: Ihr Vater habe, so erzählten es ihre Eltern, im Osten an Demonstrationen teilgenommen. „Aber die Stasi kreuzte auf, löste die Demonstration auf. Mein Vater hielt sich an einer Straßenlaterne fest, deshalb wurde er wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt festgenommen.“

Liebichs großer Traum: Ein Filmprojekt über die DDR

Liebichs Mutter war damals hochschwanger. „Er saß in Haft – und während dieser Zeit kam ich auf die Welt. Mein Vater konnte bei meiner Geburt nicht dabei sein, stattdessen bekam er morgens in seiner Zelle im Stasi-Gefängnis gesagt: Sie sind Vater geworden.“ Bekannte aus der BRD sorgten später dafür, dass er aus dem Knast freigekauft wurde, dass die Familie in den Westen übersiedeln konnte. „Damals war ich acht Monate alt. Ich habe keine Erinnerungen mehr an die Zeit, ich kenne nur die Bilder“, sagt Liebich. Eine Geschichte, die sich schon jetzt nach Filmstoff anhört. Liebich lächelt. „Aber die Rechte liegen bei mir.“