Ein Trabi der DDR steckt in einer Hausmauer fest. Bei vielen echten Unglücken in der DDR war die Stasi stets zur Stelle. imago

Großbrände, ein Zugunglück, ein Brückeneinsturz. Eine Fernseh-Doku widmet sich einem wenig beachteten Thema der DDR-Geschichte: Wie kam es zu diesen Mega-Unfällen, und wie ging man damit um? Augenzeugen aus Berlin und der ehemaligen Republik berichten, es gibt Archivmaterial und private  Filmaufnahmen ermöglichen einen neuen Blick auf die oft geheimen oder vertuschten Fakten. In der DDR wurde über große Katastrophen in den Medien ja kaum berichtet. Jetzt kommen Historiker zu Wort.

Wenn es knallte, war die Staatssicherheit von Erich Mielke mit am Unglücksort. „Sie ermittelte mit eigenem Personal, vertuschte und strengte auch Prozesse gegen politisch unliebsame Personen an, wie gegen den Brückenkonstrukteur Gisbert Rother“, heißt es in der Vorankündigung. „Ausgerechnet zum Mauerbau-Jubiläum am 13. August 1973 stürzte ein Teilstück seiner im Bau befindlichen Brücke in Zeulenroda ab. Vier Bauleute kamen ums Leben. Das MfS hatte den Chefkonstrukteur bereits wegen seiner „politisch negativen Grundeinstellung“ im Visier. Obwohl Gisbert Rother am Einsturz unschuldig war, strengte die Stasi einen Schauprozess gegen ihn an. Doch der hatte unerwartete Folgen.

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Nicht selten sei auch die marode DDR-Wirtschaft Grund für ein Unglück gewesen. „So im Februar 1979, als explosive Dämpfe einer verschlissenen Anlage im Ölwerk Riesa zur Explosion führten. Elf Tote und 51 teilweise schwer Verletzte waren die Folge. Neben der Feuerwehr versuchte ein schlecht ausgerüsteter NVA-Trupp, Überlebende mit bloßen Händen aus den Trümmern zu retten.“

Das MfS ermittelte minutiös die Ursache der Explosion in der DDR

Das MfS ermittelte minutiös die Ursache der Explosion und offenbarte das Versagen der staatlich gelenkten Wirtschaft. Weil das aber nicht sein durfte, seien schließlich Unschuldige verurteilt worden.

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Eine Bahnkatastrophe hatte völlig andere Hintergründe: Angst vor Repressionen und starker Nebel führten am 29. Februar 1984 zu dem Unglück. Im Bahnhof Hohenthurm knallte der Transitzug D354 nach Saarbrücken auf einen stehenden „Schichterzug“ auf. Transitzüge durften wegen möglicher „Republikflucht“ in der DDR nicht langsam fahren oder halten. „So übersah der Zugführer im dichten Nebel ein rotes Signal. Die Bilder der entstellten Opfer verfolgt die Rettungskräfte bis heute. Das MfS versuchte, den Unfallort abzuschirmen, konnte aber Berichte in den Westmedien nicht verhindern.“

Zwei Arbeiterinnen konnten bei dem DDR-Unglück nur tot geborgen werden

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Und was war mit dem gefährlichsten Feuerwehreinsatz in der DDR? Ein Großbrand führte im Juni 1986 zu einem Drama um Leben und Tod. In der Leipziger Wollkämmerei ging hoch brennbarer Kunststoff in Flammen auf. „Zwei Arbeiterinnen konnten nur tot geborgen werden. Auch für die Rettungskräfte entwickelte sich der Einsatz zu einem nie da gewesenen Desaster: 26 Feuerwehrmänner kollabierten, 45 kamen in die Notaufnahme. Giftige Gase und die große Hitze versetzten auch die nachrückenden Einsatzkräfte in Angst und Schrecken. Schnell ermittelte das MfS den Brandstifter.“ Doch warum so viele Feuerwehrleute ausfielen, das blieb am Ende geheim. Und gibt noch heute Betroffenen Rätsel auf.

„Die schwersten Unglücke der DDR“, 29.10.2021, 22.15 Uhr, Phoenix