Auf Abstand achten: Schulkinder der Notbetreuung Foto: dpa/Patrick Pleul

Am 25. Mai, einem Montag, bekamen die Eltern einer Pankower Grundschule die Hiobsbotschaft per Mail: Auch die Hortbetreuung in den Sommerferien findet nur als Notbetreuung statt. Leider dürfe man auch das Schulgelände während der Notbetreuung nicht verlassen, so die Hortleiterin schriftlich. Es falle ihr sehr schwer, kein Programm wie üblich planen zu dürfen. Nur wenige Tage später die Kehrtwende. Per Pressemitteilung lässt Schulsenatorin Sandra Scheeres die Katze aus dem Sack: Alle Kinder, die regulär Anspruch auf Hortbetreuung haben, dürfen in den Sommerferien auch in den Hort gehen. Die Notbetreuung an den Berliner Grundschulen endet damit zum Ferienbeginn. Was Eltern jubeln lässt, erfahren auch die Erzieher an den Schulen zuerst über die Medien. Sie sind enttäuscht über Umgang und Kommunikation der Schulverwaltung mit ihnen.

„Viele Eltern sind in den vergangenen Wochen in eine Ausnahmesituation geraten. Sie mussten in bisher nicht gekanntem Ausmaß Kinderbetreuung zu Hause und Erwerbstätigkeit miteinander verbinden“, schreibt Sandra Scheeres. Sie freue sich, dass Eltern mit der regulären Ferienbetreuung nun wieder stärker unterstützt würden. Damit beschreite man einen weiteren Schritt zurück zur Normalität an den Schulen.

Lesen Sie alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in unserem Coronavirus-Newsblog >>

Hoffnung auf Rückkehr zum Normalbetrieb 

Als sich die Nachricht im Klassenchat der Grundschule verbreitet, macht sich tatsächlich Erleichterung breit. „Was für ein Segen!“, schreibt eine Mutter. Vier Wochen vor Beginn der Sommerferien wird für viele Familien die Planung so etwas leichter. Auch Landeselternsprecher Norman Heise ist positiv überrascht über den Schritt der Schulverwaltung. „Der Urlaub vieler Eltern ist aufgebraucht, sie stehen unter großem Druck.“ Auch für den Schulbetrieb nach den Ferien hat Heise vorsichtig Hoffnung auf eine Rückkehr zum Normalbetrieb.

Bei den Erziehern sorgt die Nachricht von der Ferienöffnung der Schulen hingegen für Sorgen. Wie sich die Ferienbetreuung konkret gestalten soll, müsse jetzt in den Schulen zügig geplant werden. In der Senatsmitteilung heißt es: „Zur Begrenzung des Infektionsgeschehens sind auch in der Ferienbetreuung weiterhin die Hygieneregeln, wie regelmäßiges Händewaschen und Lüften der Räume, zu beachten.“ Von Abstandhalten ist allerdings keine Rede mehr. Vielmehr sollen feste Gruppen von maximal 22 Schülern gebildet werden, denen möglichst feste Erzieher zugeordnet werden.

Ein Vorgehen, welches andere Bundesländer wie etwa Sachsen, Schleswig-Holstein und Baden Württemberg auch für die Öffnung der Schulen nach den Ferien vorsehen. Die meisten öffentlichen Angebote könnten, wenn auch mit pandemiebedingten Einschränkungen, genutzt werden, betont Sandra Scheeres. „Ausflüge in Parks und Bewegung an der frischen Luft werden dazu gehören.“

Bei der kurzfristigen Bereitstellung des kompletten Hortangebots sieht man in der Schulverwaltung keine größeren Probleme. Es sei realistisch, dass ein normaler Hortbetrieb organisiert werden könne. So etwas sei ja in den Vorjahren auch gelungen, sagt Sprecher Martin Klesmann.

„Bis auf ein erhöhtes Reinigungsaufkommen, welches mit den Schulträgern besprochen wurde, sind die Schulen in der Organisation des Ferienangebots geübt und blicken auf jahrelange Praxis“, so Klesmann weiter.

Erzieher fürchten um Hygieneregeln 

Dabei haben die Erzieher durchaus Bedenken. „Den Erziehern ist die schwierige Lage der Familien bewusst, aber wo bleibt der Gesundheitschutz? Hygieneregeln können so nicht mehr eingehalten werden“, berichtet eine Pankower Erzieherin. Sie fürchtet außerdem, dass es eng werden könnte, wenn alle Berechtigten die Ferienbetreuung wirklich in Anspruch nehmen. „In der Notbetreuung haben wir derzeit 60 Kinder, im normalen Ferienhort sind es bei uns 70 bis 80.“ In vielen Schulen ist die Urlaubsplanung der Erzieher abgeschlossen. Dass die Erzieher von der Öffnung der Schulen aus den Medien erfahren, macht sie wütend. „Wir müssen uns doch auch streng an Dienstwege halten“, erklärt die Erzieherin. Zumal sie und ihre  Berliner Kollegen schon seit Januar auf die versprochene Erhöhung ihrer Gehälter warten. „Ein wertschätzender Umgang mit Angestellten sieht anders aus.“

Bei der Gehaltserhöhung  müssen sich die Erzieher wohl noch bis zum Herbst gedulden: „Die neuen Tarifordnungen müssen in einem komplizierten Verfahren angepasst und eingearbeitet werden, was coronabedingt im Herbst abgeschlossen sein dürfte. Daran wird intensiv gearbeitet“, kommntiert Martin Klesmann. Die Tarifsteigerungen würden natürlich komplett rückwirkend erstattet, niemand werde Geld verlieren, so der Sprecher weiter.

Wie es nach den Ferien an den Berliner Schulen weiter geht, darüber will er noch keine Aussagen treffen: „Die Ferienbetreuung ist ein Schritt Richtung Normalität. Zeitnah wird über weitere Maßnahmen befunden.“