Ein Waschbär reicht laut Rezept-Seiten für vier Personen. Foto: imago images

Sie haben schwarz-weißes Fell, sind ziemlich drollig – und immer häufiger auch in Berlin zu sehen: Waschbären. Die putzigen Wesen kommen zum Ärger von Tierfreunden auch in einer neuen Statistik des Deutschen Jagdverbandes vor: Mehr als 202.000 der Bärchen seien in der vergangenen Jagdsaison in Deutschland erlegt wurden, hieß es in einer Mitteilung. Das sei „ein Plus von 22 Prozent innerhalb eines Jahres und Allzeitrekord“. Doch ein Satz lässt aufhorchen.

„Das Potenzial ist groß, dass die aus Nordamerika stammende Art künftig die heimische Wildbretpalette erweitert“, heißt es seitens des Jagdverbandes. Kommen auch in Berlin und Brandenburg bald Waschbären auf den Teller? Es ist nur schwer vorstellbar. Anlass gebe aber eine Untersuchung des Fleisches der Bären.

In Amerika gehört Waschbären-Fleisch auf die Speisekarte

„Die Keimbelastung war in einer Pilotstudie teilweise sogar deutlich niedriger als die Grenzwerte für herkömmliche Schlachttiere. Gefährliche Lebensmittelkeime wie Salmonellen oder Listerien ließen sich überhaupt nicht nachweisen“, heißt es. Zu Einschätzungen seien Mitarbeiter vom Institut für Lebensmittelhygiene der Uni Leipzig gekommen, die fünf frisch erlegte Waschbären untersuchten.

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In Amerika hat Waschbären-Fleisch sogar einen festen Platz auf der Speisekarte – tausende Waschbären werden hier jedes Jahr gegessen. In Deutschland hat sich der Verzehr der Tierchen allerdings noch nicht durchgesetzt. Trotzdem werden sie bejagt, denn: Die Bären stehen auf der Liste der sogenannten invasiven Arten – Tierarten, die hier eigentlich nicht heimisch sind, die sich negativ auf die heimische Tierwelt auswirken. Sie werden also aus Artenschutzgründen erschossen.

Doch Tierschutzverbände wie PETA widersprechen. „In keiner wissenschaftlichen Untersuchung wurde bislang nachgewiesen, dass von einer grundsätzlichen ökologischen Gefahr durch den Waschbären in Deutschland auszugehen ist“, heißt es dort. „Im Gegenteil: Langjährige Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass der Waschbär keine wesentliche Gefahr für die Natur und Artenvielfalt darstellt.“

Ein Blogger empfiehlt „Waschbär-Gulasch“, würzig zubereitet.

Wer im Netz sucht, findet aber auch in einigen deutschen Blogs bereits Rezepte für die Zubereitung des Waschbärenfleisches. Ein Jäger schreibt etwa, dass auch in seinem Revier die Anzahl der Waschbären steige. „Aus den USA kenne ich viele Jäger und Landwirte, die den Waschbären essen“, heißt es.

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„Da ich generell ein Freund bin zu essen was ich erlege, sofern dies möglich ist, wollte ich mich mit dem Thema Waschbär im Kochtopf auseinandersetzen und habe diverse Freunde in den USA nach Rezepten gefragt.“ Er empfiehlt einen „Waschbär-Gulasch“ aus Texas, würzig zubereitet. Auch ein anderer Blogger meint: „Grundsätzlich bin ich ja der Meinung, dass wenn man ein Tier schon tötet, es unmoralisch ist, das Fleisch wegzuwerfen. Wieso also nicht das Raubwild in eine Delikatesse verwandeln?“ Er schlägt ein eigenes Rezept für den Gulasch vor. Ein Waschbär reiche für vier Personen.