Mit 527 Quadratmeter Fläche liefert die Solaranlage über dem Messe-Eingang Süd eine Leistung von maximal 90 Kilowatt. Foto: Messe Berlin

Die Messe Berlin trumpft umweltfreundlich auf: Das landeseigene Unternehmen nahm an ihrem Südeingang eine neue Solaranlage in Betrieb, die Strom liefert. Antworten aus verschiedenen Senatsverwaltungen auf fünf Anfragen des Linken-Abgeordneten Dr. Michael Efler zeigen jedoch, dass es mit der an Berlins öffentlichen Gebäuden installierten Solaranlagen noch nicht so weit her ist. Insbesondere bei den Bezirken. Dabei will Berlin bis 2050 klimaneutral sein, was konkret eine Verringerung des Ausstoßes des Treibhausgases Kohlendioxid gegenüber 1999 um 85 Prozent bedeutet.

Insgesamt hat der Senat keinen Überblick, wie viele private und öffentliche Anlagen, die mittels Photovoltaik Strom und per Solarthermie Wärme erzeugen, vorhanden sind beziehungsweise im Jahr 2019 installiert wurden. Ein Register für Photovoltaik muss erst bis Frühjahr 2021 von den Betreibern beschickt werden, für Solarthermie ist gar keine Gesamterfassung vorgesehen.

Die aktuellsten Werte der Stromeinspeisung stammen aus dem Jahr 2018. Danach wurden von 6430 Gigawattstunden elektrischer Energie, die ins Netz Berlins flossen, nur 88 per Photovoltaik erzeugt. Das sind 1,37 Prozent. Im Jahr davor waren es 0,91 Prozent.   

Efler, der im dritten Jahr nach den  Fortschritten bei der Nutzung der Sonnenenergie fragte, sagte dem KURIER: „Es ist das erste Mal, dass ich das Gefühl habe, dass sich bei den Berliner Stadtwerken etwas tut.“ 2019 installierten sie Anlagen mit einer Spitzenleistung (die Einheit lautet Kilowatt peak / kWp) von 4375 kWp, insgesamt bis Ende des Jahres waren es 11.644 kWp. Der Senat kündigte an, 2020 sollten über die Stadtwerke Anlagen mit einer Leistung wie 2019 gebaut werden, „mittelfristig“ das Doppelte.

Bezirke ließen 2019 nur zwölf Solaranlagen errichten

Unterschiede sieht Efler bei den verschiedenen öffentlichen Gebäudeeigentümern. Während bei der landeseigenen Immobiliengesellschaft BIM, dem Landesbetrieb Gebäudewirtschaft und öffentlichen Unternehmen, städtischen Wohnungsbaugesellschaften sowie den Hochschulen Fortschritte zu verzeichnen seien, ginge es bei den Bezirken überaus langsam voran. 2019 wurde bei ihnen gerade einmal ein Dutzend Solaranlagen ausnahmslos auf Schulen und Kitas installiert. Jeweils eine in Charlottenburg-Wilmersdorf und Tempelhof-Schöneberg, sechs in Lichtenberg und vier in Marzahn-Hellersdorf. Insgesamt gibt es rund 140 Anlagen, vorwiegend zur Stromerzeugung.

Geplant sind für die Bezirke laut Senat 51 weitere Solaranlagen, viele Ämter sind in Verhandlungen mit den Stadtwerken. Die meisten sollen noch 2020 in Betrieb gehen, bei 15 allerdings ist der Zeitpunkt der Fertigstellung offen.

Der Senat fragte auf Eflers Anfrage hin in den Bezirksämtern nach, warum 2019 auf Neubauten und nach Dachsanierungen gar keine Solaranlagen errichtet wurden. Die Antworten fallen ähnlich aus: Der Denkmalschutz habe den Bau verhindert, das Dach war statisch nicht geeignet, konnte also keine Solaranlage tragen, es war verschattet, die Anlagen seien unwirtschaftlich, oder es fehlten Leute in den Bezirksämtern für die Planung. Reinickendorf schreckte an zwei Standorten aus Angst vor Vandalismus von der Installation zurück. 

Efler interpretiert die Antworten des Senats so: „Das Potenzial für die Nutzung von Sonnenenergie ist deutlich höher, bei Neubauten und Sanierungen wurden Chancen für den Bau von Solaranlagen verpasst. Wir müssen besser werden, die öffentliche Hand wird ihrer Vorbildwirkung beim Einsatz der umweltfreundlichen Energiegewinnung nicht gerecht.“ 

Der Grünen-Abgeordnete und Bauexperte Andreas Otto kommentiert die Ergebnisse der Anfragen des Kollegen noch drastischer: „Es passiert zu wenig in sehr kleinen Schritten. Nicht alle Verwaltungen haben den Kulturwandel noch nicht vollzogen und verstehen nicht, dass Solaranlagen zu einem Gebäude gehören wie ein Klo oder eine Klingel.“