Endlich gibt es wieder die Ostpro. Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause startet Messe-Chefin Ramona Oteiza auf der Trabrennbahn Karlshorst neu durch. Gerd Engelsmann

Stände werden aufgebaut, Waren ausgepackt. Es wird gehämmert und gebohrt. Ja, sie sind wieder da, die Händler mit ihren Spezialitäten aus ostdeutschen Landen. Und mit ihnen Veranstalterin Ramona Oteiza (63), die überglücklich über das hektische Treiben ist. Denn nach zweijähriger Corona-Zwangspause kehrt endlich ihre Kultmesse Ostpro zurück. An diesem Freitag öffnet die Ostprodukten-Schau ihre Pforten. Es wird ein Neustart: Wegen der Corona-Regeln werden die beliebten DDR-Produkte nicht mehr im Sport- und Erholungszentrum (SEZ) verkauft, sondern erstmals auf der Trabrennbahn in Karlshorst.

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„Endlich geht es wieder los“, sagt Oteiza, als könnte es sie noch immer nicht glauben. Die letzte Ostpro, die sie in Berlin veranstaltete, fand am ersten Adventswochenende 2019 im SEZ statt. Dann kam Corona. „Im Frühjahr 2020 dachte ich noch, als die erste Ostpro ausfiel, der ganze Spuk hätte schnell ein Ende“, sagt Oteiza. „Ich hätte nie geglaubt, dass es zwei Jahre dauern würde.“

Mit Sicherheit ist auch das Sandmännchen wieder dabei. Denn auf der Ostpro wird es auch wieder einen großen DDR-Laden geben. Imago

Neustart im 30. Ostpro-Jahr

Zwei Jahre ohne Messen und Einnahmen, in denen die Messe-Chefin ihre Firma mit drei Mitarbeitern mit staatlichen Corona-Hilfen mit Ach und Krach über Wasser halten konnte. „Es gab Momente, da wusste ich nicht mehr weiter. Aber alles hinzuschmeißen ist keine Option. Ich bin kein Mensch, der so schnell aufgibt. Zum Glück. Denn jetzt sind wir in dem Jahr, in dem die Ostpro 30 wird, wieder da.“

In der Wetthalle unter der Rennbahn-Tribüne bauen erste Ostpro-Händler ihre Stände auf. Gerd Engelsmann

Auf der Trabrennbahn Karlshorst, auf einer 1200 Quadratmeter großen Wiese zwischen Tribüne und Rennplatz. Dort wird ein Großteil der Ostpro-Händler stehen – mit köstlichen Fleischspezialitäten und Getränken aus der Region, Backwaren aus Annaberg, Zwiebelzöpfen aus Weimar. An Imbissständen werden Thüringer Rostbratwurst und ostdeutsche Biere verkauft. In der Halle unter der Tribüne bieten Händler ebenfalls ihre Ostprodukte an. Zu den großen Ausstellern der Ostpro gehören unter anderem die Schokoladenfirma Rotstern, die Apoldaer Strickwaren und der DDR-Laden.

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Jahrelang fand die Ostpro im SEZ an der Landsberger Allee statt – das letzte Mal am ersten Adventswochenende 2019. dpa

Ostpro auf der Trabrennbahn mit 3G-Regelung und Maskenpflicht

„Da auf der Trabrennbahn die Ostpro überwiegend im Freien stattfindet, können wir die Abstandsregeln bei den Ständen und bei den Besuchern leichter umsetzen als in geschlossenen Räumen wie im SEZ“, sagt Oteiza. Dazu gilt die 3G-Regel. Am Eingang wird kontrolliert, dass nur  Genesene, Geimpfte und Besucher mit einem aktuellen Negativ-Test Eintritt erhalten. Außerdem gilt die Maskenpflicht auf dem Gelände. „Wir wollen auf Nummer sicher gehen“, sagt Oteiza.

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Händler Detlef Krüger aus Werneuchen stimmt mit Schwibbögen aus Thüringen die Ostpro-Besucher schon auf die Adventszeit ein. Gerd Engelsmann

Corona wirkt sich noch immer auf die Ostpro aus. Nur 45 Händler kommen. Bei der letzten Messe vor der Pandemie waren es im SEZ fast 100. „Vielen Firmen ist die Lage noch zu unsicher, wollen erst nächstes Jahr wieder auf Messen gehen. So ist es bei uns nun alles ein wenig kleiner als sonst“, sagt Oteiza. „Die Ostpro-Messe wird zum Ostpro-Markt.“

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Der Riesenflohmarkt auf der Trabrennbahn: Auf der Wiese vor der Tribüne wird auch der größte Teil der Ostpro stattfinden. oldthing.de

Dazu kam, dass die Ostpro recht kurzfristig wieder an den Start geht. Die Veranstalterin war sich selbst vor Wochen nicht ganz sicher, ob es überhaupt in diesem Jahr eine Messe geben wird. „Dann sah ich, wie gut der Antik-Riesenflohmarkt im Freien auf der Trabrennbahn mit den Corona-Regeln läuft“, sagt sie. Da dieses Jahr schon die Oster-Ostpro im SEZ ausfiel, sollte es wenigstens die zweite Messe geben, die eigentlich um den ersten Advent veranstaltet wird, so Oteiza. „So kam die Entscheidung, auch nach Karlshorst auszuweichen, solange das Wetter für Besucher zumutbar ist.“ Daher gibt es erstmals die traditionelle Weihnachts-Ostpro schon Ende Oktober.

Peter Hentze (79) aus Marzahn gehört zu den ältesten Ostpro-Händlern. Sein Stand mit DDR-Haushaltswaren gehört zu den Publikumsmagneten. Gerd Engelsmann

Auf der Ostpro geht es weihnachtlich zu

Die Händler haben sich darauf eingerichtet. Wie Detlef Krüger (64) aus Werneuchen, der jede Menge Schleifenbänder für die Festgeschenke, Räucherkerzen und eine Vielzahl von Schwibbögen aus Thüringen anbietet. „Ich bin froh, dass die Ostpro wieder da ist. Durch die Messeausfälle seit 2020 sind meine Lager voll, alles muss raus“, sagt der Händler. Um in dieser Zeit über die Runden zu kommen, hatte er Corona-Masken und Schnelltests verkauft.

Händler Dirk Baumgarten (63) verkauft auf der Trabrennbahn-Ostpro seine Engel-Arthur-Räuchermännchen, die in der Corona-Zwangspause bastelte.  Gerd Engelsmann

Mit Basteln verbrachte der Chemnitzer Händler Dirk Baumgarten (63) die Zeit, als wegen Corona die Ostpro ausfiel. „Heraus kamen Räuchermännchen-Ensembles mit der ungarischen Zeichentrickfigur Engel Arthur und den in der DDR beliebten Igel-Figur Mecki, die ich nun  verkaufe“, sagt er. In seinem Sortiment finden sich auch die legendären Adventskalenderkerzen aus DDR-Zeiten, die noch immer in einer Manufaktur in Brandenburg hergestellt werden.

Wurstwaren und Stollen aus dem Osten sollen auch auf der Ostpro auf der Trabrennbahn angeboten werden.  Imago

Beim Ostpro-Neustart auf der Trabrennbahn ist auch der Marzahner Peter Hentze dabei, einer der ältesten und beliebtesten Händlern der Messe. Seine DDR-Haushaltswaren, wie Seifenbeutel, Einkaufsnetze, Wäscheklammern oder Zwiebelschneider, sind Publikumsrenner. Doch er denkt ans Aufhören. „Nächstes Jahr werde ich 80, dann werde meine letzte Ostpro mitmachen“, sagt Hentze.

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Dass es zu Ostern 2022 eine Ostpro geben wird, da ist sich Messe-Chefin Oteiza schon ganz sicher. „Eine Option für die Trabrennbahn gibt es schon“, sagt sie.

Die Ostpro auf der Trabrennbahn Karlshorst findet vom 29.–31.10. statt, jeweils von 10–17 Uhr. Eingang: Treskowallee 159. Der Eintritt kostet 1 Euro, für Kinder bis zu zehn Jahren ist der Eintritt frei.