In den Serviced Apartments im Aeronaut stehen Sicherheit und Hygiene im Vordergrund.
Foto: Benjamin Pritzkuleit

„36,5 Grad“, ruft Stefan Küter von seinem Platz hinter der Rezeption hervor und gewährt Zutritt zur Lobby des Aeronaut. Zuvor hatte ein an der Decke angebrachter Thermoscanner vor dem Eingang des Apartmenthotels die Körpertemperatur gemessen. Ein Fieberscreening als Eintrittskarte zu einem Gebäude – was seit Beginn der Corona-Pandemie an einigen Orten längst nicht mehr wegzudenken ist, markiert im Aeronaut nur die erste von vielen Sicherheits- und Hygienestandards.

Die Idee hinter dem neuen Apartmenthotel in der Neuköllner Herrmannstraße/Ecke Flughafenstraße, ist es, möbliertes Wohnen auf Zeit besonders sicher zu gestalten. „Safer than home“ lautet der Slogan des Aeronaut. „Um das zu gewährleisten, nutzen wir möglichst viele digitale Features und Technologien“, erklärt Küter, der der Manager des Hotelprojekts ist. Wobei er das Wort Hotel gerne vermeidet. Zwar gibt es Reinigungskräfte für die Räumlichkeiten, jedoch kein Restaurant, geschweige denn eine Bar. „Vielmehr sind es Serviced Apartments, die wir unseren Gästen hier anbieten“, sagt er.

Ein Fieberscanner misst die Körpertemperatur jedes einzelnen Bewohners.
Foto: Benjamin Pritzkuleit

Diese Form der Apartments beinhalten in der Regel alles, was man auch in der heimischen Wohnung vorfindet. Die Wohnräume im Aeronaut sind mit einem wahlweise abgetrennten oder in den Raum integrierten Schlafzimmer ausgestattet, Tisch, Stühle und Couch im Wohnzimmer offerieren Platz zum Arbeiten oder Relaxen. Eine vollausgestattete Küchenzeile bietet größtmögliche Flexibilität für die Selbstversorgung der Mieter. 62 Serviced Apartments zwischen 22 und 78 Quadratmeter verteilen sich auf sieben Stockwerke. Der Preis pro Nacht liegt je nach Wohnungsgröße zwischen 120 und 150 Euro. Die kürzeste Mietzeit beträgt einen Tag, die höchste Aufenthaltszeit beläuft sich aktuell auf drei Monate. Zum Einzug mitzubringen wäre im Idealfall wohl nur ein Koffer voller Kleidung.

Zu seinen Gästen im Aeronaut zählt Küter in erster Linie „Geschäftsleute, die in Berlin zu tun haben, aber nicht in einem Hotel wohnen möchten". Zudem „Touristen und Familien, die sich die Stadt ein paar Tage länger anschauen wollen". Interessant seien die Apartments aber auch für Berliner, die übergangsweise, bis zur freiwerdenden Wohnung, eine Bleibe suchten oder deren Wohnung renoviert werde. Küter schätzt, dass auch die Künstlerszene in der Stadt auf das Aeronaut aufmerksam werden könnte – zum einen aufgrund der Lage im Szenebezirk Neukölln, zum anderen, weil Lobby, Aufzug und Teile der Wohnräume an ein hippes Design im Streetart-Look angelehnt sind.

Alle Mieter haben zumindest eines gemeinsam: Sie erfahren einen Hygieneservice, der über das Fieberscreening am Eingang weit hinausgeht. An der Rezeption kontrolliert eine Luftmessstation fortlaufend die Luftqualität und filtert sie bei Bedarf. Ebenso werden die Luftfeuchtigkeit und die Konzentration schwebender Partikel überprüft – darin können sich auch Viren befinden. Im Eingangsbereich steht zusätzlich ein Shoe-Wrapping-Gerät bereit, das die Schuhsohle mit einem Plastikschutz überzieht. Keime und Verunreinigungen von der Straße sollen dadurch gar nicht erst ins Gebäude gelangen.

Egal, ob man den Aufzug oder die Treppe nimmt: Wer in sein Apartment will, kommt an der Desinfektionsschleuse nicht vorbei. Im Inneren der Schleuse wird die Kleidung des Mieters sieben Sekunden lang mit einem Aerosol-Gemisch besprüht. „Das sorgt dafür, dass Sie zu 99,9 Prozent virenfrei und desinfiziert sind“, sagt Küter. Um Bakterien, Viren, Pilze und Sporen abzutöten setzt man im Aeronaut auf ein mobiles elektrisch betriebenes Diosol-Gerät, das Kaltnebel zur Reinigung in den Raum sprüht. Wenn es mal schnell gehen muss, desinfiziert ein handliches UV-C-Filtergerät Oberflächen wie Betten oder Regale durch ein blaues UV-Licht.

Diese Desinfektionsschleuse durchlaufen alle Gäste des Aeronaut.

Foto: Benjamin Pritzkuleit

Es ist ein Gesundheitskonzept, das sich gleich doppelt bezahlt machen könnte. Denn neben den auf Sicherheit bedachten Gästen, locken die Geräte, die der Aeronaut für seine Serviced Apartments nutzt, auch andere Wirtschaftsunternehmen an. „Was unser Konzept ‚Safer than home‘ anbelangt, haben wir bereits einige Nachfragen von Einkaufszentren und Bürobetreibern erhalten, die einige der Features auch gerne bei sich installieren würden. Wir wollen das Konzept zudem auch anderen Hotels anbieten“, sagt Küter. Alle Features lassen sich aktuell bereits online erwerben. Die Desinfektionsschleuse ist dabei sogar ein eigens entwickeltes Feature, auf das der Aeronaut ein Patent hat.

Bei all der Progressivität im Aeronaut bleibt die Frage, welcher Bereich sich nicht digital transformieren lässt. „Auch wenn wir mit so wenig Personal wie nötig arbeiten und wir auch einen zusätzlichen automatischen Check-In-Schalter installiert haben: ein persönliches Gespräch können all diese Features nicht ersetzen“, sagt Küter. Die von der dahinterstehenden Investorengruppe BOB vier weiteren in Aussicht gestellten Apartmenthotels in Berlin dürften künftig um diese Sicherheits- und Hygieneelemente kaum herumkommen.