Tausende demonstrierten gegen die Corona-Regeln. Foto: Eric Richard

In zahlreiche Neuköllner Briefkästen werden derzeit Flyer eingeworfen, die die Existenz der Corona-Pandemie leugnen und aus Sicht des Bezirksamtes Verschwörungstheorien bedienen. Neukölln ist in den vergangenen Tagen ein Corona-Hotspot geworden. Allein an mehr als 30 Schulen sind Corona-Fälle dokumentiert. Die Angst vor der Krankheit ist groß.

Auf den doppelseitigen A5-Zetteln warnt eine Gruppierung namens „Ärzte für Aufklärung“ vor einem angeblichen „Zwang zur Impfung“. Diese Gruppe um die Hamburger Initiatoren Walter Weber, Heiko Schöning und Olav Müller-Liebenau ist bereits bei den Corona-Demonstrationen in Berlin aufgetreten. Sie sprachen dort von der Coronakrise als einer „kriminellen Inszenierung“.

In dem Flyer heißt es nun, es werde 80.000 Tote und vier Millionen Impfgeschädigte „durch eine Corona-Zwangsimpfung in Deutschland“ geben. Auf den Zetteln werden außerdem Hinweise gegeben, wie man eine „echte Pandemie“ von einer „Fake Pandemie“ erkennen könne: etwa dass es bei einer echten Pandemie keine organisierten Profiteure gebe. Bei einer „Fake-Pandemie“ würde dagegen Gewinne durch vorbereitete Absprachen und Deals angestrebt.

„Dabei ignorieren die Verfasser bewusst, dass eine Impfpflicht gegen die Erkrankung COVID-19 von Seiten der Bundesregierung bereits mehrfach ausgeschlossen wurde“, so Liecke. „Ein möglicher Impfstoff wird zudem erst nach ausreichender Überprüfung auf den Markt gebracht.“ Das Robert-Koch-Institut gebe eine Möglichkeit von Nebenwirkungen bei einem von 10.000 Fällen an. „Das sind 0,01 Prozent statt wie von „Ärzte für Aufklärung“ behaupteten 0,1 Prozent.“ Das Sterben von 0,1 Prozent aller Geimpften entbehre jeglicher Grundlage. „Diese Art von Desinformation hat eine neue Qualität“, so der Gesundheitsstadtrat. „Bisher kursierten solche Irreführungen in den Sozialen Medien. Jetzt kommen sie ungebeten in die Neuköllner Briefkästen.“

Mehrere Ärztekammern, etwa die von Schleswig-Holstein, haben sich bereits von den „Ärzten für Aufklärung“ distanziert. Gleichwohl stoßen Aussagen, wie sie von den „Ärzten für Aufklärung“ getroffen werden, auf große Resonanz. Am Wochenende hatten sich mehrere Tausend Gegner der Corona-Maßnahmen der Bundesregierung zu einem Schweigemarsch von Charlottenburg zum Großen Stern versammelt.