Noch ist diese Neuköllner Bar gefüllt, doch hohe Corona-Zahlen und Sperrstunde setzten der Kneipenszene im Szene-Bezirk schwer zu. Foto: imago images

Mit 173,1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche überschreitet der Bezirk Berlin-Neukölln den Wert für ein Risikogebiet von 50 um ein vielfaches. Im Vergleich mit Corona-Hotspots im ganzen Bundesgebiet ist Neukölln laut dem Robert Koch-Institut führend.

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Neuköllns Amtsarzt Nicolai Savaskan vergleicht die Situation in dem Bezirk mit einem Waldbrand: „Wir haben nicht mehr einen Brandherd, sondern multiple Glutnester - nicht Dutzende, sondern Hunderte“, sagte er dem Tagesspiegel. Bei 70 Prozent der Fälle sei der Infektionsherd nicht mehr zu finden. „Wir müssen davon ausgehen, dass wir seit Wochen ein asymptomatisches Infektionsgeschehen hatten, das im Verborgenen lief“, sagte Savaskan. In seinem Bezirk sei aber durchaus sehr proaktiv getestet worden, weshalb man vielleicht auch ein klareres Bild der Lage habe.

Amtsarzt: „Neukölln ist der Sensor für das ganze Land“

Savaskan befürchtet eine Entwicklung wie in seinem Bezirk auch in anderen Metropolen. „Was wir jetzt schon in Neukölln erleben, sind nur die Vorboten von dem, was wir wahrscheinlich in allen Metropolen des Landes erleben werden. Neukölln ist der Sensor für das ganze Land“, sagte er.

Der Amtsarzt spricht sich für eine risikobasierte Pandemiebekämpfung aus - „im Sinne des Schutzes aller vulnerablen Gruppen“. Das heiße, dass man empfehlen würde, „dass Risikogruppen gesondert den öffentlichen Raum betreten und mit Schutzausrüstung ausgestattet werden“. Auch eine neue Informationskampagne hält er für nötig: „Alle neuen Maßnahmen werden nur so erfolgreich sein, wie sie auch verstanden und, wichtiger noch, akzeptiert werden.“ Im Bezirk fange man teilweise bei Beratungen wieder bei Null an, weil etwa Quarantäne-Regeln nicht bekannt seien.