Die Bockwindmühle in Marzahn hat einen neuen Müller. Foto: Paul Zinken/dpa

Mit einem klassischen Nine-to-five-Job lässt sich die Arbeit des neuen Müllers der Marzahner Mühle nicht beschreiben. Wenn das Wetter wechselt und Winde aufziehen, kann es sein, dass man zur Mühle fahren und sie drehen muss. Es gilt nicht nur, das Handwerk des Mahlens und den Umgang mit der Technik zu beherrschen. Zu den Aufgaben zählen auch Öffentlichkeitsarbeit und Interaktion mit Kindern, die beispielsweise den zur Mühle gehörigen Tierhof Alt-Marzahn besuchen.

25 Jahre lang erfüllte derselbe Müller diese Anforderungen in der Bockwindmühle. Wegen eines sexuellen Übergriffs auf einen Praktikanten musste er Anfang 2020 gehen. Seitdem konnte der Posten nicht nachhaltig besetzt werden. Mit dem gelernten Bootsbauer Simon Rehle und einer Meisterin des Müllerhandwerks versuchten sich in kürzester Zeit zwei Müller an der Aufgabe. Beide verließen die Marzahner Mühle „wegen Differenzen mit der Führung der Agrarbörse“, des Trägers, an den die Müllerstelle angedockt ist. Woran liegt es, dass eines der Marzahner Wahrzeichen zuletzt nicht länger von einem Fachkundigen bewirtschaftet wurde?

Lesen Sie auch: Kathleen Sudrow aus Marzahn-Hellersdorf:„Der Westen ist nach wie vor weit weg“

Björn Tielebein, Fraktionsvorsitzender der Linken in Marzahn-Hellersdorf, stört sich an Gegebenheiten, die den Posten des Müllers in seinen Augen nicht sonderlich attraktiv erscheinen lassen. In der Bezirksverordnetenversammlung forderte er eine angemessene Bezahlung der Stelle, die Bereitstellung der früheren Dienstwohnung sowie die Klärung der Frage, ob nicht besser wieder der Bezirk anstelle der Agrarbörse Dienstherrin eines Müllers oder einer Müllerin sein sollte.

Gegenüber dem KURIER bemängelt Tielebein zudem eine wenig flüssige Informationsdichte seitens der Bezirksregierung. „Wir kennen die Gründe, warum ein Müller und eine Müllerin innerhalb kürzester Zeit gegangen sind, nicht wirklich“, sagt Tielebein. Bei der Müllerin habe es Gerüchte gegeben, dass es etwas mit der weiten Fahrtstrecke zu tun hatte. Für Tielebein einmal mehr ein Grund zu erfahren, warum es keine Dienstwohnung mehr gibt.

Im Bezirksamt zuständig für die Marzahner Mühle ist Nadja Zivkovic, CDU, Bezirksstadträtin für Wirtschaft, Straßen und Grünflächen. Die Dienstwohnung habe man aufgelöst, „weil sie nicht den Standards entspricht, die man sich wünscht“, sagte Zivkovic dem KURIER. Die Wohnung werde aktuell als Büro genutzt, als Dienstwohnung sei sie dagegen nicht mehr vorgesehen. Was die Bezahlung betrifft, sei die neue Stelle mit einer E8-Vergütung ausgeschrieben worden. Angestellte können dabei zwischen 2800 und 3600 Euro brutto verdienen. „Das ist die äußerste Grenze, die man für einen Handwerker nehmen kann“, sagt Zivkovic.

Nadja Zivkovic, Stadträtin für Wirtschaft, Straßen und Grünflächen in Marzahn-Hellersdorf. Foto: Ole Bader/sandwichpicker.c

Dass die Stelle an die Agrarbörse angebunden ist, begründet Zivkovic damit, dass der Müller schon immer eng mit dem Tierhof verbunden sei, dessen Träger die Börse ebenfalls ist. Warum hat Zivkovic diese Infos bis dato in Marzahn zurückgehalten? Bei dem Bootsbauer habe es ein großes Medieninteresse gegeben. Bei der Müllerin habe man sich dann darauf geeinigt, erst mal eine Weile stillzuhalten und zu schauen, ob das alles funktioniert. „So wollen wir es nun auch bei dem neuen Müller handhaben“, sagt Zivkovic. „Er soll erst mal ankommen und sich einarbeiten.“ Deshalb sei sie ein wenig verhalten in der Kommunikation.

Wie Zivkovic dem KURIER bestätigte, ist die Stelle zum 1. April neu besetzt worden. Man habe sich auf einen Kandidaten geeinigt, der die Marzahner Mühle fortan bewirtschafte. „Dieser hat einen Hintergrund aus Marzahn-Hellersdorf“, ließ sich Zivkovic entlocken.