Viele sorgen sich um die Corona-Mutationen. Foto: Imago/Christian Ohde

Deutschlands Intensiv- und Notfallmediziner haben eine Verlängerung des Lockdowns bis Anfang April gefordert. Drei Wochen mehr Disziplin seien entscheidend, um durch Impfungen eine schwer bis nicht mehr kontrollierbare dritte Welle zu vermeiden, sagte Gernot Marx, Präsident der Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Nach einem neuen Prognosemodell der Divi könnte ein Öffnen am 7. März die Zahlen schwer kranker Corona-Patienten in Kliniken exorbitant in die Höhe treiben, hieß es. Der bisherige Höchststand lag im Januar bei etwa 6000 Corona-Patienten auf Intensivstationen. Im Moment seien es rund 2900, was in etwa dem Höhepunkt der ersten Welle im Frühjahr 2020 entspreche und beherrschbar sei, hieß es.

Auch in Berlin sind die Zahlen erneut gestiegen. Am Donnerstag meldete die Gesundheitsverwaltung 510 neue Fälle. Am Vortag waren 483 neue Infektionen registriert worden. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt nun laut Lagebericht bei 61,6 (Vortag 60,4). Der Wert gibt die Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche an. Nachdem der Wert längere Zeit deutlich sank, kehrte sich der Trend zuletzt wieder um. Die entsprechende Corona-Ampel bleibt damit weiter auf Rot. Auf Gelb würde sie ab einem Wert von 30 springen.

„Wir sind in einer ganz schwierigen Zwischensituation“

Nach mehr als zwei Monaten Lockdown zur Eindämmung der Pandemie wollte der Berliner Senat erst vor Tagen mittelfristige Öffnungsperspektiven etwa für Handel, Gastronomie, Kultur oder Sport aufzeigen. Angesichts der Corona-Infektionslage und neuer Gefahren durch Virus-Mutationen sieht er indes noch nicht die Zeit für rasche Lockerungen gekommen. Das machten die Vize-Regierungschefs Klaus Lederer (Linke) und Ramona Pop (Grüne) am Dienstag nach der Senatssitzung deutlich und verwiesen darauf, dass der wochenlange Rückgang bei den Neuinfektionen gestoppt ist und sich wieder umkehrt.

„Wir sind in einer ganz schwierigen Zwischensituation“, sagte Kultursenator Lederer. „Und die Antworten darauf, wie man mit dieser Situation umgeht, die sind noch nicht gefunden.“ Er wundere sich deshalb, dass manche Bundesländer schon wieder Ankündigungen machten. „Wir werden das nicht tun, sondern wir werden weiterhin versuchen, in einheitlichem Vorgehen mit den anderen Bundesländern zu agieren.“

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Wirtschaftssenatorin Pop sagte, weitere Lockerungen neben der begonnenen Schulöffnung und den Friseuren (ab 1. März) seien nicht diskutiert worden, sondern ein Stufenplan mit Öffnungsperspektiven. Die Vorlage der Senatskanzlei umfasst sechs Stufen für mögliche Lockerungsschritte, die sich über mehrere Wochen oder Monate erstrecken. Gleichzeitig wird in dem Papier zunächst eine Verlängerung des Lockdowns über den 7. März hinaus gefordert.