Der Streik, Teil 2.  Foto: dpa/Soeder

Nach dem Warnstreik ist vor dem Warnstreik: Das hatte die Gewerkschaft Verdi angekündigt, als am 29. September rund 4000 Beschäftigte der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Arbeit niederlegten. Es war kein leeres Versprechen.

Am Dienstag kündigte Verdi an, dass U- und Straßenbahnen sowie die meisten Linienbusse am kommenden Freitag erneut in den Betriebshöfen bleiben werden. Von drei Uhr morgens an soll sich bei der BVG 24 Stunden lang kein Rad bewegen, heißt es! Erst am Sonnabendmorgen werde der Betrieb wieder anlaufen. Mit dem Ausstand legt die Gewerkschaft im bundesweiten Tarifkonflikt um bessere Arbeitsbedingungen nach. Der erste Warnstreik in dieser Auseinandersetzung hatte in Berlin anders als in anderen deutschen Städten lediglich neun Stunden gedauert. Nun liegt die BVG länger lahm.

Wie am 29. September werden auch im Land Brandenburg öffentliche Verkehrsunternehmen bestreikt – diesmal allerdings nicht 24 Stunden lang, sondern bis Freitag gegen 12 Uhr. Laut Verdi sind beim kommenden Warnstreik folgende Betriebe betroffen: ViP Verkehrsbetriebe Potsdam GmbH, Regiobus Potsdam Mittelmark GmbH, Havelbus Verkehrsgesellschaft mbH und die Verkehrsbetriebe Brandenburg an der Havel GmbH. Bei allen anderen brandenburgischen Verkehrsunternehmen wird der Betrieb voraussichtlich normal laufen, teilte die Gewerkschaft mit.

S-Bahnen und Regionalzüge verkehren am Freitag regulär, sie gehören nicht der landeseigenen BVG und sind von der Tarifauseinandersetzung nicht betroffen. Diese Bahnen können Fahrgästen als Alternative dienen. Das gilt auch für die Buslinien in Berlin, die im Auftrag der BVG von privaten Busfirmen betrieben werden. Insgesamt geht es um rund acht Prozent des Linienbusverkehrs in der Hauptstadt.

Beim Warnstreik am Dienstag vergangener Woche wurden folgende BVG-Routen fahrplanmäßig ohne Einschränkungen bedient: 106, 112, 140, 161, 163, 168, 175, 179, 184, 234, 275, 284, 334, 341, 349, 363, 369, 370, 371, 380, 399, 740, 744, N12, N23, N34, N35, N39, N40, N52, N53, N56, N58, N60, N61, N62, N67, N68, N69, N77, N84, N88, N90, N91, N95 und N97. Auf den folgenden Buslinien gab es Einschränkungen: 218, 283, 395 und 398. Es ist damit zu rechnen, dass es beim Warnstreik am Freitag ähnlich ablaufen wird.

Nach dem Warnstreik der ÖPNV-Beschäftigten am 29. September sei die Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) weiterhin nicht zu Verhandlungen über einen bundesweiten Tarifvertrag bereit, hieß es bei Verdi. Im Tarifkonflikt im Nahverkehr geht es um die Arbeitsbedingungen. Verdi fordert bundesweit einheitliche Regelungen in Fragen wie Nachwuchsförderung, Entlastung sowie den Ausgleich von Überstunden und Zulagen für Schichtdienste.

„Die Verkehrswende und der demografische Wandel sind weiterhin die großen Herausforderungen für den öffentlichen Nahverkehr in Berlin und Brandenburg“, sagte Jeremy Arndt, Verdi-Fachbereichsleiter Verkehr in Berlin und Brandenburg. „Um den anstehenden Bedarf an Personal zu bewältigen und sich nicht gegenseitig Konkurrenz zu machen, sind einheitliche Regelungen bei den Arbeitsbedingungen nötig. Nur so können benötigte Fachkräfte rekrutiert und das bestehende Personal gehalten werden. Derzeit führen die schlechten Arbeitsbedingungen regelmäßig zu hohen Krankenständen. Diese haben auch Auswirkungen auf die Linienleistung und führen zu Fahrausfällen“, so Jeremy Arndt.

Im Vergleich zum Jahr 2000 ist die Zahl der Beschäftigten um 18 Prozent geschrumpft, während die Anzahl der Fahrgäste im gleichen Zeitraum um ein Viertel zugenommen hat, so Verdi. Aufgrund der Belastungen komme es zu überdurchschnittlich hohen Krankenständen und der Anhäufung von Überstunden. Die Situation drohe sich weiter zu verschärfen, denn der Altersdurchschnitt in den Unternehmen beträgt 49 Jahre, somit gehe bis 2030 jeder zweite Beschäftigte in den Ruhestand.