Die zweifache Berliner Mutter arbeitet seit 1. Januar im mobilen Impfteam und hat sich an den KURIER gewandt. Ihre volle Identität ist der Redaktion bekannt. Foto: Sabine Gudath

Der Unmut der Mitarbeiter in den Impfzentren reißt nicht ab: Nach KURIER-Berichterstattung meldete sich auch Jana Huber (*Name geändert). Die 50-jährige Berlinerin arbeitet ebenfalls als pharmazeutisch-technische Assistentin in einem mobilen Impfteam und wartet auf ihr Geld und ihren Vertrag. Jetzt gibt es schon wieder neuen Ärger: Wie ein weiterer Mitarbeiter berichtet, sollen nicht nur Dienste kurzfristig abgesagt, sondern auch Stunden spontan gekürzt werden, die dann nicht gezahlt würden.

„Ich habe zwei Kinder, die noch in der Ausbildung sind, und meine Miete zu zahlen. Allmählich wird es eng, da ich noch keinen Cent Geld gesehen habe“, sagt Jana Huber. Die zweifache Mutter ist seit 1. Januar beim Berliner Senat beschäftigt und hat bis zum heutigen Tag Stunden im Wert von rund 8000 Euro geleistet. Gesehen hat sie von dem Honorar noch nichts und auch noch keinen unterschriebenen Arbeitsvertrag zurückerhalten. Als sie im November von der Apotheker-Kammer angeschrieben worden sei, ob sie als PTA Interesse habe, als Impfhelferin zu arbeiten, habe sie sich sehr über das Angebot gefreut. „Das hat gerade gut gepasst, da ich ohnehin auf der Suche nach einer Veränderung gewesen war“, betont sie. Sie habe geglaubt, dass der Berliner Senat ein zuverlässiger Auftraggeber ist, aber gerade erlebe sie das Gegenteil.

Neuer Ärger bei Abrechnung der Arbeitsstunden

Die Organisation sei total chaotisch. Schon mehrfach seien ihr Einsätze noch nicht einmal 48 Stunden vorher abgesagt worden, obwohl sie vier Wochen im Voraus ihren Dienstplan für den neuen Monat bekomme. Begründet werde es damit, dass sie zu viele Dienste im Vergleich zu anderen Kollegen habe, die wesentlich weniger hätten. „Ich kann überhaupt nicht planen, noch nicht einmal mit dem Verdienst. Eigentlich müsste ich noch woanders arbeiten, um finanziell zurechtzukommen. Das kann ich aber nicht, weil ich ausschließlich dem Impfteam zur Verfügung stehen muss.“ Sie habe versucht, das Problem bei ihrer Teamleitung anzusprechen, aber die säße im Homeoffice und sei gar nicht erreichbar. 

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Der Unmut wächst unter den Mitarbeitern der Impfzentren. Wie bereits ausführlich berichtet, warten viele Beschäftigte seit zwei Monaten auf ihr Geld und ihre Verträge. Nun steht auch schon das nächste Problem an. PTA Tobias Wohlers (*Name geändert), über den der KURIER bereits berichtet hat, da ihm der Senat noch immer 10.000 Euro schuldet, schildert nun neuen Ärger mit der Abrechnung der Arbeitsstunden. Bislang seien sie immer für die eingetragenen Stunden im Dienstplan honoriert worden. „Wenn wir nun spontan nach Hause geschickt werden, weil weniger zu tun ist, was in der letzten Zeit häufiger vorkommt, sollen wir kein Geld bekommen“, sagt der 39-Jährige empört. Das habe ihm heute einer der leitenden Ärzte mitgeteilt und das ist auch in den neuen Verträgen zum 1. März so geregelt. 

Foto:  Gerd Engelsmann
In den Impfzentren gibt es seit Wochen Zoff wegen der Abrechnung und ungültiger Verträge.

„Die lassen uns einfach verhungern“, so Jana Huber. Sie habe sich ihren neuen Job anders vorgestellt und sei wütend. Ständig werde der Bevölkerung von der Bundesregierung eingetrichtert, wie wichtig die Impfungen seien und dann würden gerade die Impfhelfer derart im Regen stehen gelassen. Sie sagt: „Wenn ich von der Arbeit nicht leben kann, muss ich mir wohl bald etwas Neues suchen.“