Auch im Velodrom kann man sich bald gegen das Coronavirus impfen lassen. Doch auch hier wird noch auf die Lieferung der Impfdosen gewartet. Foto: Christophe Gateau/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bis Ende März sollen alle Impfwilligen der ersten Priorisierungsgruppe in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft sein. Das hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) versprochen. Das bedeutet, dass alle Menschen über 80, sowie Menschen, die in Pflegeheimen leben, noch vor Ostern immunisiert sein werden. Das Pflegepersonal sowie medizinisches Personal auf Covid19-Stationen gehört ebenfalls zu dieser Personengruppe. In einem Brief an die Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen versicherte Spahn, es stünden im ersten Quartal „wie geplant mindestens knapp zwölf Millionen Dosen der beiden bereits zugelassenen Impfstoffe für Deutschland zur Verfügung“.

Bei näherem Hinsehen ist die Bilanz aber doch eher ernüchternd. So kündigte der Bundesgesundheitsminister an, dass alle Bundesländer bis Mitte Februar wöchentlich eine neue Lieferung des Biontech-Impfstoffes erhalten. Die Dosen von Moderna werden nur aber nur zweiwöchentlich ausgeliefert, in der vierten, sechsten und achten Kalenderwoche. Und insgesamt sind die Lieferungen eher klein.

Soviel Impfstoff kann Berlin erwarten

Von Moderna:

  • 12. Januar: 2400 Dosen
  • 4. Kalenderwoche: 3600 Dosen
  • 6. Kalenderwoche: 9600 Dosen
  • 8. Kalenderwoche: 30.000 Dosen

Von Biontech:

  • 8. Januar: 29.250 Dosen
  • 18.-19. Januar: 29.250 Dosen
  • 1.-2. Februar 29.250 Dosen
  • 8.-9. Februar 29.250 Dosen
  • 15.-16. Februar 29.250 Dosen

Sollten die Lieferungen wie angekündigt kommen, hätte Berlin bis Ende Februar inklusive der bereits im Dezember gelieferten Dosen insgesamt 279.600 Dosen Impfstoff zur Verfügung. Das reicht für die Immunisierung von 139.800 Menschen. Das heißt: Ende Februar könnten gerade mal  3,7 Prozent der Berliner geimpft sein.

Spahn: „2021 kann das Jahr werden, in dem wir die Pandemie besiegen“

In seinem Schreiben an die Abgeordneten verteidigte der Gesundheitsminister erneut das gemeinsame Vorgehen der Europäischen Union bei der Bestellung der Impfdosen. Weil andere Länder, unter anderem die USA, Israel und Großbritannien, wesentlich größere Lieferungen des ersten zugelassenen Impfstoffes von Biontech/Pfizer erhalten hatten, waren die Bundesregierung und Spahn in die Kritik geraten. Der gemeinsame Weg sei nicht nur ein Gebot europäischer Solidarität, sondern „er ist in unserem ureigenen, wohlverstandenen deutschen Interesse“, so Spahn. Man käme schon angesichts des Personenverkehrs in der EU nur gemeinsam aus der Pandemie heraus. „Das Jahr 2021 kann das Jahr werden, in dem wir die Pandemie besiegen – in Deutschland, in Europa und weltweit“, so Spahn weiter. „Das ist Anlass zur Zuversicht.“

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In den Fraktionen will man ihm da nicht durchgängig folgen. Es gebe nach wie vor zu wenig Impfstoff in Deutschland, meint der Fraktionsvorsitzende der Linken, Dietmar Bartsch. „Das liegt daran, dass vor Monaten zu wenig und zu spät bestellt wurde“, sagte er der Berliner Zeitung am Dienstag. Die EU habe bei Biontech erst nur 200 statt mögliche 500 Millionen Dosen bestellt, bei Moderna nur 80 statt mögliche 300 Millionen. „Dass im ersten Quartal nur etwa sieben Millionen Bürger in Deutschland geimpft werden können, ist kein Erfolg, wie Jens Spahn schreibt. Die Impfungen werden sich wie ein Kaugummi hinziehen und den Lockdown weiter verlängern.“