Zu viel Stau, zu wenig Platz: Pkw, Lkw und Lieferfahrzeuge fahren auf dem Kaiserdamm in der Hauptstadt stadteinwärts.
Zu viel Stau, zu wenig Platz: Pkw, Lkw und Lieferfahrzeuge fahren auf dem Kaiserdamm in der Hauptstadt stadteinwärts. dpa/Kappeler

Parkplätze? Weg! Straßen? Werden auf einmal zu Sackgassen und Fußgängerzonen. Die grüne Verkehrspolitik versucht den Berlinern das Auto madig zu machen. Nach dem Motto: Öffis vor, Auto braucht keiner mehr. Die Berliner selbst sehen das anders. Auch die  Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey hält die Vorstellung einer autofreien Innenstadt in Berlin für unrealistisch.

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Laut der Umfrage im Auftrag der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung geben geben 60 Prozent der Befragten aus Berlin an, Straßen müssten weiter ausgebaut werden, weil das Auto in der Stadt unverzichtbar sei. Nur 30 Prozent stimmten der Aussage zu, die Innenstadt solle autofrei sein, 57 Prozent gaben an, der ÖPNV sei gut, aber zu teuer.

„Die Fläche der Stadt ist einfach so riesig, und es gibt viele Menschen, die auf das Auto angewiesen sind.“

Die Vorstellung einer autofreien Innenstadt hält auch Franziska Giffey für unrealistisch. „Wir leben in einer fast 4-Millionen-Metropole, und wir haben zwölf Großstädte, die jeweils ihre Zentren haben“, sagt sie. „Die Fläche der Stadt ist einfach so riesig, und es gibt viele Menschen, die auf das Auto angewiesen sind.“ Um die Mobilitätswende zu erreichen, sei es die falsche Frage, wie sich aus einer Metropole wie Berlin Autos komplett verbannen ließen. „Das ist nicht wirklichkeitsnah“, sagte Giffey.

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey spricht während der Klausurtagung der SPD.
dpa/Sommer
Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey spricht während der Klausurtagung der SPD.

Berlins Regierende Bürgermeisterin plädiert dafür, den ÖPNV in Berlin deutlich auszubauen und auf diesem Weg den Autoverkehr zu verringern. „Angebote statt Verbote – das muss unser Credo sein“, sagte Giffey am Rande der Klausur der SPD-Fraktion im brandenburgischen Nauen. „Wenn der öffentliche Nahverkehr attraktiv und bezahlbar ist, dann werden die Leute umsteigen“, so die SPD-Landesvorsitzende. „Deswegen ist unser 29-Euro-Ticket auch so wichtig.“

Franziska Giffey: Man kann nicht einfach die Zahl der Parkplätze halbieren

Vor allem wenn Berlin in den kommenden Jahren weiter wachse, sei es sinnvoll, ein berlinweites Ticket für nur einen Euro pro Tag anzubieten. „Dann glaube ich, dass Leute, die neu in die Stadt ziehen sagen: „Super Angebot, dann brauche ich das Auto gar nicht“, sagt Giffey. Und zwar auch diejenigen, die vom Land, wo sie auf das Auto angewiesen waren, nach Berlin kommen.

Genauso wichtig seien gute Carsharing-Angebote und eine gute Ladeinfrastruktur für Elektroautos. „Das muss unser Ziel sein, dass wir so gute Alternativen haben, dass die Leute sagen, ich verzichte aufs Auto.“

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Kritik übte Giffey an Vorschlägen von den Grünen: „Auf jeden Fall kann man es sich nicht so einfach machen, wir halbieren die Zahl der Parkplätze, und dann werden es schon weniger Autos“, sagt sie. „Das ist Wunschdenken, aber keine wirklichkeitsnahe Politik.“ Grünen-Fraktionschef Werner Graf hatte ins Gespräch gebracht, die Zahl der öffentlichen Parkplätze innerhalb von zehn Jahren zu halbieren.