Protest gegen den Mietenwahnsinn in Berlin imago/Sabine Gudath

Mehr Kriegsflüchtlinge, mehr Nachfrage gleich höhere Preise. Viele Berliner fürchten, dass Mieten und Lebenshaltungskosten durch den Krieg in der Ukraine und die anschwellenden Flüchtlingsströme weiter anziehen. Aber ist das wirklich so? Eine neue Studie hat die Daten untersucht.

Tatsächlich könnten der Ukraine-Krieg und seine Folgen Mieten und Preise schneller steigen lassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von ImmoScout24. Das WohnBarometer „stellt die Entwicklung der Angebotsmieten für das erste Quartal 2022 in Gesamtdeutschland und den sieben größten Metropolen dar“, so das Portal.

Analysegrundlage seien die Inserate für Mietwohnungen im Bestand und Neubau auf Deutschlands größtem Online-Marktplatz für Immobilien. Ergänzt würden die Mietpreisdaten durch Angaben zur Nachfrage im Verhältnis zum Angebot sowie Preisprognosen für die nächsten zwölf Monate.

28 Euro pro Monat mehr zahlen Berliner für die Energieversorgung

Fest steht: Auch wenn Berlin die zweitgünstigste deutsche Metropole bei den Bestands-Mietwohnungen bleibt, die Angebotsmieten in der Hauptstadt vor allem für bestehende Mietwohnungen ziehen deutlich an. Und daran ist vor allem der Preisschub bei den Energiekosten verantwortlich.

So müssten Mieterhaushalte schon jetzt rund 28 Euro pro Monat mehr für ihre Energieversorgung aufbringen. Und: Bei weiter steigenden Energiepreisen könnte sich die Nebenkostenbelastung um bis zu 92 Euro pro Monat erhöhen, heißt es.

„Der Krieg in der Ukraine hat bislang keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Entwicklung der Nachfrage sowie der Kauf- und Mietpreise gehabt. Mit seinen Folgewirkungen markiert er dennoch einen Wendepunkt für den Immobilienmarkt, weil er Entwicklungen, die sich vorher schon abgezeichnet haben, beschleunigt und verstärkt“, glaubt ImmoScout24-Chef Thomas Schroeter. „Preistreiber für Miethaushalte war in den letzten Monaten weniger die Entwicklung der Kaltmieten als vielmehr die enorm gestiegenen Energiekosten. Sie haben sich für Verbraucher innerhalb eines Jahres um rund 23 Prozent verteuert.“

44 Kontaktanfragen pro Neubau-Wohnung in Berlin pro Woche

Für eine typische Bestands-Mietwohnung mit Gasheizung hätten sich die Kosten für Heizung und Warmwasser von Februar 2021 zu Februar 2022 laut Daten des statistischen Bundesamts um 35,7 Prozent erhöht. Die Kosten für Strom stiegen ebenfalls, und zwar im gleichen Zeitraum um stolze 13 Prozent.

Alles in allem müssen Mieter einer typischen Wohnung mit 70 Quadratmetern annähernd 31 Euro pro Monat mehr für ihre Warmmiete aufbringen als noch vor einem Jahr (Strom inklusive). In der Neuvermietung bedeutet das für Mieterhaushalte in Berlin inklusive des Anstiegs der Mietpreise eine Mehrbelastung von bis zu 11 Prozent im Vergleich zur Anmietung im vergangenen Jahr.

Das Wichtigste im Zusammenhang mit der neuen Welle von Kriegsflüchtlingen: „In allen Metropolen stieg die Nachfrage nach Mietwohnungen aus dem Bestand im Verhältnis zu den Angeboten deutlich an“, so ImmoScout24. „Insbesondere neugebaute Mietwohnungen mit einem Baualter von bis zu zwei Jahren haben in den Metropolen ein deutliches Nachfrageplus im Verhältnis zum Angebot erlebt. In der Bundeshauptstadt gingen bei Anbieter:innen im Durchschnitt 44 Kontaktanfragen pro Neubau-Wohnung pro Woche ein.“

Lesen Sie auch: Kabinett will Entlastungen beschließen – DAS ist für SIE drin im Paket>>

Und das dürfte eher nicht weniger werden. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs gibt es über 50.000 Menschen mehr in Berlin. Sie alle suchen günstigen Wohnraum und eine Bleibe für ihre Familien.

ImmoScout24 erwartet für die gesamtdeutsche Entwicklung ein Preiswachstum von sechs Prozent für Bestands- und sieben Prozent für Neubau-Mietwohnungen innerhalb der nächsten zwölf Monate. Die Prognose stütze sich auf die Annahme, dass sich die Nachfrage nach Immobilien zur Miete auf dem aktuell hohen Niveau hält, hieß es.