Die geplante achtgeschossige Blockbebauung an der Fischerinsel/Ecke Mühlendamm in Mitte nach dem Entwurf des Architekturbüros Blauraum. Simulation: Blauraum

Der Streit über das Projekt zog sich lange hin, doch jetzt hat der Bau begonnen. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) hat auf der Fischerinsel/Ecke Mühlendamm die Arbeiten für 210 neue Wohnungen gestartet. Nicht weit vom neuen Berliner Schloss entfernt sollen bei dem Vorhaben laut WBM bis Dezember 2023 „bezahlbare Mietwohnungen für alle Generationen“ entstehen.

Der Entwurf für den Neubau stammt vom Architekturbüro Blauraum. Das kam allerdings erst im zweiten Anlauf zum Zuge – nach einer breiten Bürgerbeteiligung, die nach Protesten am ursprünglichen Entwurf durchgeführt worden war. Den eigentlichen Wettbewerb für den Bau der Wohnungen im Jahr 2015 hatte zunächst das Architekturbüro DMSW mit dem Plan für einen 58 Meter hohen Wohnturm gewonnen. Doch dagegen regte sich schnell Widerstand: bei Mietern aus der Nachbarschaft, Bezirkspolitikern und Vereinen, die sich mit der Stadtgeschichte befassen.

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Als prominentester Kritiker wandte sich der frühere Senatsbaudirektor Hans Stimmann gegen das Hochhaus. „Damit werden die Planungen der 70er-Jahre für ein sozialistisches Stadtzentrum mit Wohnen in Hochhäusern weitergeführt als existiere die DDR noch“, sagte Stimmann in der Berliner Zeitung. Und empfahl, dass sich die neue Bebauung mit vier bis sechs Geschossen stärker am früheren Stadtgrundriss orientieren sollte. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung verteidigte zunächst die Planung, schwenkte später aber um und unterstützte die Bürgerbeteiligung, die zum neuen Konzept führte.

Der ursprüngliche Entwurf sah ein 58 Meter hohes Wohnhaus (Bildmitte) vor, das aus einer U-förmigen Randbebauung emporragt. Simulation: DMSW-BBZ

Statt des 19-geschossigen Wohnturms entsteht nun eine achtgeschossige Bebauung. Die Zahl der Wohnungen hat sich dabei nicht verringert. Während die Hochhausplanung den Bau von 208 Wohnungen vorsah, sollen nun 210 Wohnungen errichtet werden. Die Wohnfläche liegt mit 10.800 Quadratmetern im neuen Entwurf allerdings etwas unter den 12.010 Quadratmetern, die mit dem Wohnhochhaus entstanden wären.

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Neben Ein- bis Vierzimmerwohnungen sind 49 möblierte Apartments geplant, von denen sieben als Studenten-WGs angeboten werden. Im Erdgeschoss sind fünf Gewerbeeinheiten und eine Kita vorgesehen. Auch an einen Concierge-Service für die Bewohner ist gedacht. 50 Prozent der Wohnungen sollen mit Förderung des Landes als Sozialwohnungen entstehen und für eine Kaltmiete ab 6,50 Euro je Quadratmeter angeboten werden. Die frei finanzierten Wohnungen werden laut WBM zu 9,99 Euro je Quadratmeter vermietet, die möblierten Apartments zu stattlichen 16 Euro je Quadratmeter. Die Studenten-WGs sind für je sechs Personen konzipiert und sollen für eine Nettokaltmiete von circa 290 Euro je Student vermietet werden. Sechs Monate vor Fertigstellung des Projekts, also voraussichtlich Mitte 2023, beginnt laut WBM die Vermietung beziehungsweise die Registrierung von Miet-Interessenten.

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„Das Projekt zeigt, dass es auch in der bereits dicht bebauten Berliner Innenstadt möglich ist, zusätzliche Wohnungen für breite Bevölkerungsschichten zu errichten“, sagte Stadtentwicklungssenator Sebastian Scheel (Linke). Bis Mitte kommenden Jahres soll zunächst die Baugrube fertiggestellt werden. In dieser Zeit werden laut WBM auch die archäologischen Grabungen fortgesetzt, die bereits im Vorfeld der Planungen 2016/17 stattgefunden hatten.

Die WBM und die anderen fünf landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften haben im Jahr 2019 einen Überschuss in Höhe von rund 259 Millionen Euro erwirtschaftet. Das geht aus einem am Donnerstag präsentierten Bericht der Wohnraumversorgung Berlin hervor, die die Leitlinien für die Arbeit der landeseigenen Wohnungsunternehmen entwickelt. Die Wohnungsbaugesellschaften sind dem Bericht zufolge aktuell in der Lage, sowohl Bestandserweiterungen zu finanzieren als auch in den Bestandserhalt zu investieren. Mögliche Auswirkungen für die Zeiträume nach 2019, zum Beispiel aufgrund des Mietendeckels und der Corona-Pandemie, seien aber noch nicht abgebildet.