Die Grund- und Oberschule in Burg (Spreewald). Nachdem der Kurort Burg politische Aktionen im Umkreis der Grund- und Oberschule untersagt hatte, endet am Freitag das Verbot.
Die Grund- und Oberschule in Burg (Spreewald). Nachdem der Kurort Burg politische Aktionen im Umkreis der Grund- und Oberschule untersagt hatte, endet am Freitag das Verbot. dpa

Es ist einer der Touristen-Magneten im Spreewald, rund 100 Kilometer südöstlich von Berlin: das Städtchen Burg mit seinen Fließen, Spreewald-Kähnen und der Spreewald-Therme. Zugleich ist es eine Hochburg von Neonazis, die in der Region Oder-Spree seit Jahrzehnten ihr Unwesen treiben. Gerade einmal 4500 Einwohner hat der Ort, doch hat er bundesweite Schlagzeilen geschrieben: Es geht um eine Schule, in der Neonazis offenbar erfolgreich um Nachwuchs werben. Zumindest offene Anwerbe-Aktionen sollten untersagt sein. Doch selbst dieses zeitlich begrenzte Verbot läuft nun aus.

Nachdem der Kurort Burg politische Aktionen im Umkreis der Grund- und Oberschule untersagt hatte, endet an diesem Freitag das Verbot. Eine entsprechende Allgemeinverfügung werde nicht verlängert, teilte eine Sprecherin des Amtes Burg mit. Anhänger der rechtsextremistischen Kleinstpartei Der Dritte Weg hatten am 5. Mai vor der Schule Handzettel verteilt und daraufhin Platzverweise erhalten. Der Spreewald-Ort erließ eine Allgemeinverfügung, um weitere „Störungen des Schulfriedens“ zu verhindern. Lehrkräfte der Schule hatten bundesweit für Aufsehen gesorgt, weil sie in einem anonym verfassten Brief rechtsextreme Vorfälle an der Schule schilderten.

Burg will Nazi-Werbeaktion nicht länger verbieten: Verlängerung nicht erforderlich

„Aktuell liegen keine Anhaltspunkte vor, die eine Verlängerung erforderlich machen würden“, teilte die Sprecherin des Amtes Burg mit. Sollte sich die Situation ändern, werde kurzfristig reagiert. Mit der Allgemeinverfügung durften in einem Umkreis der Schule und der Kindertagesstätten Parteien, Gruppierungen und Verbände bis zum 19. Mai beispielsweise keine Werbung verteilen, keine Plakate aufhängen und keine Infostände aufstellen.

Die Kleinstpartei Der Dritte Weg, die der Verfassungsschutz als rechtsextremistisch einstuft, hatte selbst geschrieben, dass Mitglieder ihrer Jugendorganisation Nationalrevolutionäre Jugend in Burg aktiv gewesen seien.

Lehrkräfte an Schule in Burg schrieben Brandbrief: täglich Rechtsextremismus, Sexismus und Homophobie

Die Lehrkräfte aus der Burger Schule beschrieben in einem anonymen Brief die Zustände an ihrer Einrichtung. Sie seien täglich mit Rechtsextremismus, Sexismus und Homophobie konfrontiert.

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Nach Angaben der Sprecherin hat es seit Bekanntwerden der Vorfälle bereits mehrere Gespräche zwischen Schule und Amt gegeben. Mit Polizei und Verfassungsschutz stehe man in Kontakt – nicht erst seit den aktuellen Vorfällen. „Die Ermittlungen laufen und werden von uns unterstützt. Es müssen Sanktionen folgen, denn solche Taten sind nicht zu tolerieren“, machte sie deutlich.

Nach Ansicht von Amtsdirektor Tobias Hentschel schauten leider zu viele Menschen weg – aus verschiedenen Ängsten heraus. „Ich möchte hier appellieren, künftig mehr Zivilcourage und Solidarität zu zeigen“, so Hentschel.