Müllberge blieben nach der Demonstration und Party am Landwehrkanal liegen.
Foto: SOS-Landwehrkanal

Ganz Berlin diskutiert über die Mega-Party, die am Sonntag auf dem Landwehrkanal stieg - unzählige Menschen hatten hier auf Booten und an Land für die Rettung der Club-Szene protestiert und anschließend gefeiert - ohne Abstand, ohne Mundschutz. Auch eine Anwohner-Gruppe kritisiert das Event: Die Initiative „SOS Landwehrkanal“ macht sich seit zwei Jahren für das Gebiet stark, ist entsetzt von den Müllbergen der Raver.

Es sind Bilder, die inzwischen auch durch die sozialen Netzwerke geistern: aufgetürmter Müll, Glasflaschen, Urin-Pfützen an den Büschen. Die Überbleibsel der außer Kontrolle geratenen Protestaktion am Sonntag. Sie machen vor allem die Mitglieder der Initiative „SOS Landwehrkanal“ wütend. Auf Twitter schreibt die Anwohner-Gruppe: „Es stinkt zum Himmel, im wahrsten Sinne des Wortes! Wer soll das aufräumen? Wer soll das bezahlen ? Was wohl alles im Wasser gelandet ist? Traurig!“

Zwei Schwäne am Ufer des Landwehrkanals, dazwischen die Alkoholflaschen, die liegen blieben.
Foto: SOS-Landwehrkanal

„Seit zwei Jahren setzen wir uns für das Areal ein“, sagt Hendrikje Ehlers (57), die zur Gruppe gehört. „Wir gießen die Bäume, kämpfen für Toiletten und gegen den Müll.“ Denn der Kanal verkommt immer mehr, weil hier immer wieder Menschen feiern, ihren Müll hinterlassen - an Land und im Wasser. Auch nach der neuen Party blieben Müllberge, „die Entsorger kommen gar nicht in dem Tempo hinterher“, sagt Ehlers.

Das Müllproblem sei auch während der Corona-Zeit gewachsen - durch viele Restaurants, die ihr Essen zum Mitnehmen anbieten. „Manchmal liegen der Kanal und die Uferflächen morgens voller Pizza-Kartons“, sagt sie. Gitterförmige Müllbehälter sorgen dafür, dass Ratten die Abfälle herumtragen. Im Wasser lässt sich der Müll noch weniger beherrschen als an Land. „Glasflaschen sinken auf den Grund.“ Ärgerlich auch: Einige hätten auch am Sonntag in die Büsche uriniert, zurück bleiben stinkende Pfützen. Toiletten seien hier sowieso schon lange ein Problem - „Party-Touristen nutzen, um sich zu erleichtern, oft das Urban-Krankenhaus“, sagt Ehlers.

An den Abfallbehältern türmt sich der Müll.
Foto: SOS-Landwehrkanal

Für sie sei die Veranstaltung am Wochenende ein Schock gewesen. Der Karneval der Kulturen wurde abgesagt, aber dann gab es diese Demo. „Das Event auf dem Kanal hätte grundsätzlich funktionieren können, wenn es eine Begrenzung der Teilnehmerzahl gegeben hätte.“ Sie sieht auch die Sicherheit gefährdet. „Denn in der näheren Umgebung gibt es nur einen Rettungsring. Das ganze hätte, auch fernab von Covid-19, fatale Folgen haben können.“ Die Initiative will nun einen Brief an das Bezirksamt schreiben, eine Stellungnahme einfordern. „Denn die Leute, die so eine Aktion zulassen, müssen zur Verantwortung gezogen werden.“