Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg besucht am Checkpoint Charlie das Mauermuseum, wird von Museumschefin Alexandra Hildebrandt begrüßt.
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg besucht am Checkpoint Charlie das Mauermuseum, wird von Museumschefin Alexandra Hildebrandt begrüßt. Imago/Mauersberger

Für Touristen ist das Mauermuseum am Checkpoint Charlie ein Muss. Doch 2020 wurde das Haus an der trubeligen Kreuzung, auf der man Selfies vor dem Checkpoint mitten auf der Straße machen kann, zum schlechtesten Museum Deutschlands gewählt. Ausgerechnet dort machte jetzt NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg seine Visite. Aus gutem Grund. 

Jens Stoltenberg zeigt auf ein Fotos von der Berliner Mauer. 
Jens Stoltenberg zeigt auf ein Fotos von der Berliner Mauer.  AP Photo/Michael Sohn

Am Rande der Berliner Sicherheitskonferenz stattet Stoltenberg dem Berliner Mauermuseum am Checkpoint Charlie einen Besuch ab. Museumchefin Alexandra Hildebrandt, die selbst in der Ukraine geboren wurde, führte ihn durch die Räume voller Geschichte. 

Mauermuseum am Checkpint Charlie 

Zu lange Erklärtexte, kein roter Faden, seit 20 Jahren habe sich hier nichts verändert, hatten 2020 Besucher über das Museum geurteilt. Das Mauermuseum am Checkpoint Charlie wurde damals laut dem Verbraucherportal Testberichte.de zu einem der schlechtesten Museen Deutschlands gewählt. Grundlage für die Auflistung von 450 Museen mit je über 100 Besuchern waren 640.000 Google-Bewertungen. 

Ausstellung zur Nato im Mauermuseum 

Gleich zu Beginn des Rundgangs erwartete den Norweger Stoltenberg eine Würdigung Raoul Wallenbergs. Der schwedische Diplomat wurde durch seinen Einsatz zur Rettung ungarischer Juden während des Holocaust berühmt. Was das mit der Mauer zu tun hat? Einiges. Noch lange nach dem Bau der Mauer bleibt bis heute unklar, was mit Wallenberg nach Kriegsende in der Sowjetunion wirklich geschah. Auch zur Nato gibt es im Museum einen extra Ausstellungsteil. 

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Der Rundgang erfordert Konzentration, dieses Museum will nicht gefällig daherkommen. Es trage vielmehr einen Geist weiter: „Nicht zurückzuschrecken, wo andere schweigen“, sagte ein Mitarbeiter  bei einem Besuch 2020. „Wissen Sie, Google-Bewertungen sind käuflich. Sie sind keine glaubwürdige Grundlage für so eine Auflistung“, so Alexandra Hildebrandt damals. Und weiter: „Dieses Museum ist ein politisches Statement, das gefällt vielleicht nicht jedem.“ Stoltenberg dürfte zumindest die klare Ansage an Wladimir Putin an der Fassade des Museums gefallen haben. 

Jens Stoltenberg in der Ausstellung 
Jens Stoltenberg in der Ausstellung  Imago/Mauersberger

Auch hier bezieht das Museum heute Stellung gegen Putins Angriffskrieg. Ein großes Plakat in den Farben gelb und blau mahnt Putin, die Unabhängigkeit der Ukraine zu wahren. Im Mauermuseum am Checkpoint Charlie in Berlin können Besucher auch ein beschossenes Auto aus dem ukrainischen Butscha besichtigen. Ebenso sind Socken, die mit dem Satz eines ukrainischen Soldaten „Russisches Kriegsschiff, fick dich“ bestickt sind, ausgestellt. „Das ist auch die Linie unseres Museums – wir zeigen wenig Leid, sondern Widerstand, Hoffnung und den Mut der Menschen“, sagte Alexandra Hildebrandt im Oktober der Berliner Zeitung. 

Nato-Chef in Berlin: wir brauchen starke Bundeswehr  

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte zuvor auf der Berliner Sicherheitskonferenz dazu aufgefordert, den Weg einer Stärkung seiner Streitkräfte konsequent weiterzugehen. Die Investitionen in neue Kampfflugzeuge, Hubschrauber, Schiffe und U-Boote seien historisch und wahrlich ein Wendepunkt, mit dem auf die geänderte Sicherheitslage nach dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine reagiert werde, sagte Stoltenberg auf der Berliner Sicherheitskonferenz. „Wir brauchen eine starke und bereite Bundeswehr“, sagt er.

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Stoltenberg rief dazu auf, sich autoritären Regimen in den Weg zu stellen. Alle würden sonst einen hohen Preis zahlen, wenn Aggressoren gewännen oder Autokratien über Freiheit und Demokratie siegten. So sei Unterstützung der Ukraine der beste Weg, um einen dauerhaften Frieden zu unterstützen», sagte er. Aus der gefährlichen Abhängigkeit von russischem Gas müssten auch Konsequenzen für den Umgang mit China gezogen werden. Stoltenberg: „Wir werden natürlich weiter mit China Handel haben und uns wirtschaftlich engagieren, müssen uns aber über Abhängigkeiten und Verletzlichkeit klar werden und diese reduzieren - und die Risiken managen.“