Sommerbad Neukölln – seit neuestem mit einer mobilen Wache der Polizei vor dem Eingang.
Sommerbad Neukölln – seit neuestem mit einer mobilen Wache der Polizei vor dem Eingang. Volkmar Otto

Kann man in Berlin nur noch unter Polizeischutz baden? An manchen Tagen und in manchen Bädern hat es fast den Anschein. Die letzte gewaltsame Auseinandersetzung im Columbiabad hat eine neue Qualität erreicht. Das war kein Streit erhitzter Gemüter an einem heißen Tag. Die Täter sind geplant und gezielt mit Waffen an den Ort zurück gekehrt, dessen sie zuvor verwiesen wurden. Es ist höchste Zeit, eine härtere Gangart gegen gewaltbereite, arabisch-stämmige Jugendliche zu fahren. In Berlins Freibädern treffen verschiedene Kulturen aufeinander. Wir alle müssen dafür sorgen, dass Multikulti am Pool nicht scheitert.

Im Columbiabad in Berlin-Neukölln verstärkt die Polizei nun den Schutz für Besucher und Wachpersonal. Am Donnerstag richteten Beamte vor dem Bad eine mobile Wache ein, wie die Pressestelle mitteilte. Auch auf andere Bäder hätten die örtlichen Streifenpolizisten verstärkt ein Auge. Nach mehreren Angreifern vom Columbiabad wird noch gefahndet, heißt es.

Zwölf Schläger im Columbiabad

Wir erinnern uns: Im Columbiabad waren am Dienstagabend bei einem gewaltsamen Konflikt zwischen Badegästen und Beschäftigten elf Menschen verletzt worden. Der Ablauf nach Angaben der Polizei: Eine Gruppe von etwa zwölf Personen wurde wegen einer Schlägerei gegen 18.30 Uhr des Bades verwiesen, kam aber eine Stunde später in etwa gleicher Gruppenstärke mit Schlagwaffen und Reizgas zurück und ging gezielt auf Wachleute des Bades los. Die angegriffenen Security-Mitarbeiter verschanzten sich den Angaben zufolge im Aufsichtsturm des Bads, bis die Polizei kam und die Angreifer flohen.

Krawall im Columbiabad. Polizisten  befragen  einen Badegast.
Krawall im Columbiabad. Polizisten  befragen  einen Badegast. Morris Pudwell

Warum wurden Verdächtige wieder frei gelassen?

Drei junge Männer im Alter von 19, 23 und 24 Jahren wurden anschließend in einem Auto in der Nähe entdeckt und vorläufig festgenommen. Im Wagen fand die Polizei einen Schlagstock, einen Baseball-Schläger und ein Messer. Die drei Tatverdächtigen kamen nach Feststellung der Personalien frei, weitere Beteiligte werden gesucht, wie eine Polizeisprecherin am Donnerstag bekräftigte. Die Ermittlungen wegen besonders schweren Landfriedensbruchs laufen. Die Verletzten – darunter sechs Badegäste, vier Sicherheitsleute und ein Rettungsdienstmitarbeiter – hatten durch Reizgas Augen- und Atemwegsreizungen erlitten.

Polizei zeigt Präsenz am Columbiabad in Neukölln.
Polizei zeigt Präsenz am Columbiabad in Neukölln. Volkmar Otto

Berliner Polizei duldet so ein Verhalten nicht

„Die Polizei Berlin wird ein solches Verhalten nicht dulden und dagegen mit polizeilichen Präsenzmaßnahmen vorgehen – mit Beamten in Uniform und in Zivil“, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik dem „Tagesspiegel“. „Dieser Vorfall hat eine neue Qualität und mit den Auseinandersetzungen, die wir aus den vergangenen Monaten und Jahren kennen, nichts mehr zu tun.“

Der Vorstandsvorsitzende der Berliner Bäder-Betriebe, Johannes Kleinsorg, fiel schon am Mittwoch ein:  „Die Auseinandersetzungen im Sommerbad Neukölln haben gestern ein Ausmaß erreicht, wie wir es bisher nicht kannten.“ Auch die eigenen Sicherheitskräfte sollten noch einmal verstärkt werden. Bereits Ende Juni war der Einsatz von mehr Wachleuten angekündigt worden. Zu dem Zeitpunkt waren in elf Freibädern schon 172 Wachleute unterwegs.

Harmlos wirkende Szenen im Columbiabad: Doch schnell erhitzen sich die Gemüter am Pool.
Harmlos wirkende Szenen im Columbiabad: Doch schnell erhitzen sich die Gemüter am Pool. imago / Schroth

Dass die neue Qualität der Gewalt eine Folge von zu langen laissez faire sein könnte, spricht niemand aus. Wer heute im Bad pöbelt,  steht doch morgen wieder in der Schlange.

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Ein weiteres Problem ist,  überhaupt geeignetes Personal zu finden, das wirklich für Sicherheit sorgen will und kann.

Durchsetzungfähigkeit mangelhaft

Nicht selten sieht man etwa am Eingang von Freibädern ebenso junge und arabischstämmige Männer, die den Sicherheitscheck durchführen sollen. Sie patroullieren auch in Grüppchen, manchmal mit Badegästen abklatschend, durchs Bad. Kumpels werden auch schon mal durchgewinkt, ohne Taschenkontrolle. Manchmal ist das weiße Security- T-Shirt das einzige, was sie von lauten Krawallos unterscheidet. Autoritäten werden hier wie dort angezweifelt. Es ist nicht schwer sich vorzustellen, was passiert, wenn diese Grüppchen einmal im Streit aneinander geraten.

Auch die Durchsetzungsfähigkeit von Jugendlichen im Projekt „Cool am Pool “ darf gegenüber bestimmter Klientel bezweifelt werden. Die Streitschlichter sollen darauf achten, dass Jugendliche ihren Müll richtig wegwerfen, nicht andere Besucher ins Becken schubsen oder über Handtücher rennen – und so verhindern, dass es zu Problemen und Auseinandersetzungen kommt. Im vergangenen Jahr waren den Angaben des Sprechers zufolge 25 Lotsen im Einsatz.

Der gute Wille kommt an seine Grenzen

Doch irgendwann kommt all der gute Wille an seine Grenzen. Wenn es zu Straftaten kommt, muss eindeutig, schnell und konsequent eine Grenze gezogen werden.

Kann Berlin seine Sommerbäder befrieden?

Randale in Freibädern gab es in der Hauptstadt immer wieder. Ende Juni wurden ebenfalls im Columbiabad Polizisten und Wachleute von bis zu 250 Badegästen bedrängt. Ein Streit war nach Spritzen mit einer Wasserpistole entstanden. Nur wenige Tage zuvor war am Steglitzer Bad am Insulaner ebenfalls nach einer Spritzerei mit Wasserpistolen eine Massenschlägerei ausgebrochen.

Wenn es wieder einmal brenzlig wird, ist die Polizei schon vor Ort.
Wenn es wieder einmal brenzlig wird, ist die Polizei schon vor Ort. Volkmar Otto

Auch im Freibad Pankow kam es in den letzten Jahren  schon öfter zu Zwischenfällen. Nicht selten drangen hier Gewalttäter über den Zaun in das Bad ein. Erst die Zugangsbeschränkungen während der Pandemie hatten für Entspannung gesorgt. In den Bädern berichteten Bademeister von entspannten Schichten. Auch andere Badegäste zeigten sich positiv überrascht, dass ein angenehmer Freibadbesuch möglich ist. Es geht, wenn man die Bäder nicht bis zum Anschlag vollstopft. Es geht, wenn geltende Regeln eingehalten werden und wenn die, die sich nicht daran halten wollen, langfristig draußen bleiben müssen.

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„Für mich ist wichtig, dass der Rechtsstaat durchgreift, dass ausreichend Personal vor Ort ist, damit so etwas nicht passiert“, sagte Innenministerin Nancy Faeser als es zur ersten Schlägerei des Sommers kam. „Familien mit Kindern oder auch Jugendliche müssen ja unbeschwert ins Schwimmbad gehen können in Deutschland.“ Wenn solche Vorkommnisse einen migrantischen Hintergrund hätten, wie offenkundig in Berlin, sei es wichtig, das zu benennen, „damit die Menschen sehen, dass wir das ernst nehmen und uns nicht wegducken“, so Faeser weiter. Jetzt wäre Zeit, den Worten endlich Taten folgen zu lassen.