Rund 300 Menschen kamen zu der Solidaritäts-Demo. Markus Wächter/BK

Die Mutter Gabrielle Lebreton sonnt sich oben ohne an einer Kinderplansche in Berlin und erhält von der Polizei einen Platzverweis. Nach dem umstrittenen Einsatz, über den auch der Berliner Kurier mehrfach berichtete, haben sich am Samstagvormittag etwa 300 Menschen zu einer Solidaritäts-Demo am Mariannenplatz in Berlin-Kreuzberg versammelt. Die meisten sind oben ohne und zeigen nackte Brüste. 

Etwa 300 Teilnehmer haben sich am Mariannenplatz versammelt und fordern gleiches Recht für alle. Der Anblick von weiblichen Brüsten sei keine Zumutug.
Markus Wächter / BK

Kurz bevor sich der Zug in Bewegung setzt, schallt Aretha Franklins „Respect“ aus den Boxen des Soundbikes. Und um nichts anderes geht es den hier Versammelten. Die Menschen, haben ihre Oberkörper geschmückt, tragen Federboas, aufgemalte Sprüche. Der Umgang mit Nacktheit müsse im Jahr 21021 normal sei, sagt Rosa, eine der Organisatorinnen. Man könne eigentlich für viel wichtigere Dinge auf die Straßen gehen.

Für ein Recht auf freien Oberkörper für alle 

Organisiert wird die Demo von der „Sektion die wilden Möpse – hedonistische Internationale“. In ihrem Aufruf heißt es: „Für das Recht auf freien Oberkörper – für alle! Gegen die Diskriminierung von Körpern aufgrund von Geschlecht oder sonst was!!!“ Auch Männer sind willkommen. Und tatsächlich haben sich viele mit  BHs, Bikinis und Tops bekleidet eingefunden um ihre Solidarität zu zeigen. 

Beim Start um 12 Uhr am Mariannenplatz wird ein Grußwort von der betroffenen Mutter Gabrielle Lebreton abgespielt, die nicht vor Ort ist. Lebreton bedankt sich bei den Anwesenden für ihre Solidarität. Sie selber wolle aber nicht in der ersten Reihe stehen. Sie hoffe, so Lebreton, dass heute weder Polizei noch sexistische Freiheitsgegner  etwas zu sagen haben. 

Die Botschaft ist klar: Die weibliche Brust darf nicht illegaler sein als die männliche. /BKMarkus Wächter

Rund um den Feuerwehrbrunnen auf dem Mariannenplatz herrscht eine entspannte Stimmung, Paare cremen sich gegenseitig den Rücken ein, die paar männlichen Schaulustigen auf den Bänken am Rand ignorieren die Demonstranten. Jett aus den Niederladen und Tim aus Belgien mussten nicht lange überlegen, ob sie an der Rad-Demo teilnehmen. „Wir hätten es nie für möglich gehalten, dass in einer Stadt wie Berlin nackte Brüste für so eine Aufregung sorgen“, sagen sie. Gegen ein Uhr setzt sich der Zug in Bewegung und fährt in Richtung Tempelhofer Feld. Den Einsatz der Polizei leitet heute eine Frau - ein Zufall, wie die Chefin erklärt. 

Rosa, eine der Organisatorinnen der Demo. „Berlin ist eine Stadt, in der so eine Diskriminierung kein Thema sein sollte. “ Markus Wächter / BK

Organisatorin Rosa: „Frauen müssen im Jahr 2021 ihr Brüste bedecken. Doch oversexed Werbung ist immer noch okay. Der Umgang mit Nacktheit muss in einer Stadt wie Berlin normal und ohne Wertung sein.“ Es dürfe nicht Auslegungssache eines Polizisten oder eines Sicherheitsdienstes sein, ob sich jemand von nackten Brüsten gestört fühlt, so die Demonstrantin. „Wir wollen, dass nie wieder ein Mensch, der in Berlin seine Nippel zeigt, wegen des Paragrafen 118 des Ordnungswidrigkeitsgesetzes belangt wird.“ Und: „Traut euch, widerständig zu sein. “