Die beiden Angeklagten saßen am Mittwoch in Berlin vor Gericht. Das Urteil: Sieben Monate Haft auf Bewährung.
Die beiden Angeklagten saßen am Mittwoch in Berlin vor Gericht. Das Urteil: Sieben Monate Haft auf Bewährung. Pressefoto Wagner

Bei drei Polizisten blieb nach einem Einsatz ein mulmiges Gefühl: „Da war was falsch.“ Sie brachten zwei andere Kollegen vor Gericht.

Gab es grundlose Gewalt? Und wollte das ein anderer Beamter vertuschen? Eineinhalb Jahre später der Prozess gegen Daniel M. (32) und Benjamin S. (25). Vorwurf: Im Fall von M. Körperverletzung im Amt. Bei S. Verdacht auf versuchte Strafvereitelung im Amt – war es falsch verstandener Korpsgeist?

Der 7. Juli 2021. Ein Verdächtiger sollte wegen einer „Bedrohung mit Messer“ gefasst werden. Der rannte los. S. habe den Mann (22) ordnungsgemäß zu Boden gebracht. Doch dann kam M., verpasste dem Gefesselten laut Anklage eine Ohrfeige, zog ihn hoch, drückte ihn gegen den Einsatzwagen – der Kopf sei auf die Motorhaube geschlagen.

Auch drei Beamte von der Bereitschaftspolizei trafen ein. Erste Zeugin (34): „Ein Mann lag auf dem Boden, dann kam M., machte einen Ausfallschritt, kniete sich hin und schlug dem Verdächtigen mit der flachen Hand ins Gesicht.“

Der Richter: „Es gab keine Veranlassung, ihm ins Gesicht zu schlagen“

Zweite Polizistin (30): „Der Gefesselte wurde am Arm hochgerissen, auf die Motorhaube gehauen.“ Der Mann rief: „Aua, ich habe nichts getan!“ Der Azubi wurde später auch nicht dafür verurteilt.

Die drei Beamten von der Bereitschaftspolizei sprachen in ihrer Dienststelle darüber, die Zugführerin erstattete Strafanzeige. Damals bestritten M. und S. – M. sprach von einer Ohrfeige, um „Fremd- und Eigengefährdung zu vermeiden“, S. versuchte zu rechtfertigen –, es „gab massiven Widerstand“. Freispruch verlangten nun die Verteidiger.

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Der Richter folgte dem Staatsanwalt: „Es gab keine Veranlassung, ihm ins Gesicht zu schlagen, der Mann war gefesselt mit beiden Händen auf dem Rücken.“ S. habe M. decken wollen. Urteil: Schuldig im Sinne der Anklage. Jeweils sieben Monate Haft auf Bewährung. Mit Berufung wird gerechnet.