Altbauwohnungen wie hier in Kreuzberg sind bei Käufern besonders beliebt.  Foto: Imago/Jochen Eckel

Nachdem das Bundesverfassungsgericht den Mietendeckel gekippt hat, verteuern sich in Berlin nicht nur Mietwohnungen, sondern auch Eigentumswohnungen wieder deutlich stärker. So haben die Angebotspreise für sogenannte Bestandswohnungen nach einer Untersuchung des Onlineportals Immowelt vom ersten zum zweiten Quartal erstmals die 4000-Euro-Grenze pro Quadratmeter überschritten. Aktuell wird danach ein Quadratmeter Wohnfläche in der Hauptstadt für 4054 Euro angeboten. Nachdem sich die Angebotspreise für Bestandswohnungen in Berlin im vergangenen Jahr um sieben Prozent erhöht haben, ist laut Immowelt in diesem Jahr mit einem höheren Anstieg zu rechnen. Bereits vom ersten zum zweiten Quartal dieses Jahres hätten die Preise um fünf Prozent zugelegt. Bis Ende 2021 sei mit einem Anstieg um weitere vier Prozent auf dann 4212 Euro pro Quadratmeter zu rechnen.

Eingeflossen in die Untersuchung sind Angebote für freie Wohnungen, die bei Immowelt inseriert wurden. Unter Bestandswohnungen versteht Immowelt Wohnungen, deren Baujahr mehr als vier Jahre zurückliegt. Die anderen Wohnungen gelten als Neubauten.

In elf von 14 Großstädten steigen die Preise

Nicht nur in Berlin ziehen die Preise an. In 11 von 14 untersuchten Großstädten haben sich laut Immowelt die Preise von Eigentumswohnungen vom ersten zum zweiten Quartal verteuert. Die höchsten Preise werden weiter in München verlangt. Dort soll eine Bestandswohnung pro Quadratmeter 8552 Euro kosten – fünf Prozent mehr als im ersten Quartal. Auch in Hamburg und Köln verteuerten sich Eigentumswohnungen. In der Hansestadt kletterten die Preise um sechs Prozent auf 5388 Euro je Quadratmeter, in der Domstadt um acht Prozent auf 4126 Euro je Quadratmeter.

In Frankfurt am Main, der zweitteuersten Stadt, bleiben die Preise dagegen stabil bei 5462 Euro pro Quadratmeter. Gleiches gilt für Stuttgart, wo für den Quadratmeter 4657 Euro verlangt werden. Interessant: Das größte prozentuale Plus weist Hannover auf. In der niedersächsischen Landeshauptstadt sind die Preise um zehn Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen – auf 3577 Euro. Zurückzuführen ist das laut Immowelt darauf, dass aufgrund der hohen Preise in den Top-Städten „immer mehr kleinere, noch preiswertere Städte in den Fokus von Immobilienkäufern“ geraten. Dies treibe die Preise auch dort nach oben.

Speckgürtel wird zunehmend interessanter

Durch die hohen Preise und ein geringes Angebot in den Großstädten rücken laut Immowelt zunehmend die Speckgürtel in den Blick von Käufern. „Besonders durch die Möglichkeit von Home-Office könnten viele Deutsche längere Pendelzeiten in Kauf nehmen und den Umzug raus aus der Stadt oder an den Stadtrand planen“, sagt Jan-Carl Mehles von Immowelt. „In ein paar Jahren könnte dieser Effekt zusammen mit den wahrscheinlich steigenden Zinsen für Baudarlehen für etwas Entspannung in den urbanen Märkten sorgen.“