Nach Krawallen am Reichstag: Der Handwerker wurde am Freitag in Berlin verurteilt.
Nach Krawallen am Reichstag: Der Handwerker wurde am Freitag in Berlin verurteilt. dpa/Jörg Carstensen

Der Handwerker pöbelte als Corona-Protestierer vor dem Reichstagsgebäude. Das kam ihn teuer zu stehen. Dennoch bedankte er sich.

Er muss 2400 Euro Strafe zahlen. Wegen Beleidigung und Widerstands gegen Polizisten. Torsten L. (49), ein Handwerker, selbstständig – „schlage mich so durch“. Nun sind 80 Tagessätze zu je 30 Euro abzustottern.

Der Richter: „Die Ausdrücke waren schon derb.“ Und als L. abgeführt werden sollte, habe er sich widersetzt. Nicht bestätigt haben sich die Vorwürfe tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte und versuchte Körperverletzung. Der Richter: „Schläge oder Tritte in Richtung Polizei wurden nicht festgestellt.“

Der 29. August 2020. Tausende demonstrierten gegen Corona-Maßnahmen. L. war erst auf der Straße des 17. Juni. Der Handwerker: „Da ging rum, dass am Reichstag tüchtig was los ist, wir waren neugierig.“

1000 Menschen beim Sturm auf den Reichstag

Als L. und seine Freundin ankamen, hielten sich vor dem Reichstag etwa 1000 Menschen auf. Einige von ihnen hatten eine Absperrung durchbrochen, stürmten die Treppe hoch. Torsten L. allerdings ist keiner der „Reichstags-Stürmer“, die für Entsetzen sorgen.

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Der Handwerker: „Ich bin beleidigend gewesen, ich hatte eine große Klappe, aber das war nicht persönlich gemeint.“ Als „Versager“, „Idiot“ und „Volksverräter“ betitelte er laut Anklage einen Polizisten.

Erst erhielt L. einen Strafbefehl. 120 Tagessätze zu je 15 Euro wurden verhängt – 1800 Euro. Er legte Einspruch ein, erzwang den Prozess. Jetzt muss er 600 Euro mehr zahlen. Die Anklägerin erklärte ihm: „Das hängt mit Ihrem monatlichen Einkommen zusammen.“

Der Handwerker verteidigte sich vor Gericht selbst

Die Justiz war zunächst von Stütze ausgegangen. Nun ist zwar mehr Geld fällig, doch die Strafe ist geringer: Könnte L. nicht zahlen und müsste die Strafe ersatzweise im Knast absitzen, wären das nun 80 statt zuvor 120 Tage. Außerdem kann sich L. als nicht vorbestraft bezeichnen – da liegt die Grenze bei 90 Tagessätzen.

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Der Handwerker, der keine Vorstrafen hat, verteidigte sich im Prozess selbst – „für einen Anwalt fehlt mir das Geld“. Freundliche Worte am Ende für den Richter: „Vielen Dank, bin erleichtert, ich will keine Berufung.“