Feuer und Rauch sind am Sprengplatz im Berliner Grunewald zu sehen.
Feuer und Rauch sind am Sprengplatz im Berliner Grunewald zu sehen. dpa/TNN

Die Debatte ist nicht neu, aber durch die Großgefahrenlage im Grunewald, als auf dem Sprengplatz der Polizei Feuerwerk und Sprengmittel explodiert waren, nimmt sie wieder Fahrt auf: Ein Sprengplatz mitten in einem Berliner Wald in Zeiten von Trockenheit, 25 Tonnen Sprengmittel sollen dort einlagern. Ist dieses Risiko für die dichtbesiedelte Hauptstadt noch tragbar?

Schon 2004 hatte die CDU im Berliner Parlament die Sicherheit des Sprengplatzes infrage gestellt. Der damalige SPD-Innensenator Ehrhart Körting verwies in einer Antwort auf eine Parlamentarische Anfrage darauf, der Betrieb des Sprengplatzes „erfolgt im Interesse der Berliner Bevölkerung, da er in seiner Funktion als Zwischenlager für Fundmunition der unverzüglichen Gefahrenabwehr dient“. Auch der spätere CDU-Innensenator Frank Henkel (2011 bis 2016) stellte den Betrieb nicht infrage. Nun kritisiert die CDU, die Anlage sei nicht sicher, das habe der Brand gezeigt. CDU-Fraktionsvizechef Stephan Standfuß fordert, den Sprengplatz zu verlegen.

Brandenburg betreibt einen eigenen Sprengplatz südlich von Berlin

Dafür zeigt sich Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik offen, in deren Verantwortungsbereich der Betrieb des Sprengplatzes fällt. Allerdings habe die Berliner Polizei immer noch täglich Einsätze, bei denen Kampfmittel entfernt werden müssten, sagte Barbara Slowik am Freitag im Inforadio des RBB. Weil Transporte für alte Weltkriegsbomben sehr gefährlich seien, brauche es weiterhin einen nahe gelegenen Sprengplatz.

Der Munitionszerlegebetrieb in Kummersdorf-Gut: Hier werden die zahlreichen noch vorhandenen Kampfmittel des 1. und 2. Weltkrieges vernichtet.
imago (Archivbild)
Der Munitionszerlegebetrieb in Kummersdorf-Gut: Hier werden die zahlreichen noch vorhandenen Kampfmittel des 1. und 2. Weltkrieges vernichtet.

Den Standort nach außerhalb der Stadtgrenzen zu verlegen, würde eine Einigung mit Brandenburg voraussetzen. Entsprechende Gespräche mit Brandenburgs Landesregierung waren in der Vergangenheit ergebnislos verlaufen. Brandenburg betreibt einen eigenen Sprengplatz in Kummersdorf-Gut, etwa 20 Kilometer Luftlinie von Berlins südlicher Stadtgrenze entfernt. Dieser Standort diente im Dritten Reich dem Heer als Versuchswaffenplatz. Auf dem dortigen Sprengplatz werden unter anderem Weltkriegsmunition und andere Sprengmittel unschädlich gemacht, von denen noch etliche Tonnen in den Böden liegen.

Gespräche zu einem gemeinsamen Sprengplatz zwischen Berlin und Brandenburg bislang ergebnislos

Berlins Polizeipräsidentin Slowik bestätigt, dass es Überlegungen für einen gemeinsamen Sprengplatz beider Bundesländer gegeben habe, aber auch Brandenburg habe kaum Ressourcen dafür im Berliner Umland. „Bisher haben wir da keine Möglichkeit gefunden. Nun wird es neue Gespräche geben.“

Mit Blick auf den Sprengplatz mitten im beliebten Naherholungsgebiet sagte Slowik: „Aktuell ist dieser Sprengplatz die einzige genehmigungsfähige Anlage auf Berliner Grund mit 80.000 Quadratmetern, weit weg von Wohnbebauung, was der Feuerwehr auch gestern sehr genützt hat.“

Berlins Regierende Bürgermeisterin Giffey: Ist ein Sprengplatz auf Berliner Stadtgebiet noch tragbar?

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey hatte am Donnerstag bei einem Besuch des Brandorts angekündigt, über den Standort des Sprengplatzes der Berliner Polizei reden zu wollen. Man müsse sich Gedanken machen, wie in Zukunft mit dem Sprengplatz umzugehen sei und ob auf Berliner Stadtgebiet ein solcher Ort der richtige sei.

Slowik betonte zudem im RBB, beim aktuellen Brand im Grunewald habe die Brandbekämpfung Vorrang vor den Ermittlungen zur Brandursache. Der Sprengplatz der Polizei sei gut gesichert, es gebe Zäune, Überwachungstechnik und rund um die Uhr einen Objektschutz mit Personal vor Ort.