Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf fordert den Straßenumbau rund um den Breitscheidplatz. Berliner Zeitung/Markus Wächter

Nach der Amokfahrt am Breitscheidpplatz werden Rufe nach einem neuen Verkehrskonzept dort laut. Die SPD im Bezirk fordert tiefgreifende Veränderungen. Der Kudamm könnte für den Autoverkehr fast komplett gesperrt werden.

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So fordert die SPD-Fraktion Charlottenburg-Wilmersdorf einen Sicherheitsplan für die City-West. „Der Raum um den Zoo muss endlich sicherer gemacht werden“, teilte der Fraktionsvorsitzende Alexander Sempf mit. Auf beiden Seiten des Platzes mit der Gedächtniskirche sollten Fahrstreifen entfernt werden, um eine direkte, geradlinige Fahrt zum Breitscheidplatz zu verhindern.

Ein 29-jähiger, psychisch kranker Mann war am Mittwoch auf der Tauentzienstraße nahe der Gedächtniskirche in Passanten gefahren. Eine Lehrerin aus Hessen starb, über 30 Menschen wurden verletzt.

Nach Amok-Fahrt: Politik will neue Konzepte für den Kudamm

„Die furchtbare Amoktat macht klar, dass jetzt wirklich was passieren muss“, konkretisierte Sempf. Die Pläne der SPD-Fraktion sehen vor, dass der Breitscheidplatz und dessen nähere Umgebung dauerhaft abgesichert wird. Das Sicherheitskonzept solle auch die umliegenden Straßen, wie die Budapester Straße, den Tauentzien, den Kurfürstendamm, die Hardenbergstraße, die Kantstraße sowie Nebenstraßen einbeziehen.

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Ende Ku'damm Ecke Rankestraße. Hier fuhr der Amokfahrer auf den Bürgersteig. Das soll in Zukunft nicht mehr möglich sein. Berliner Zeitung/Markus Wächter

Kurfürstendamm soll zu Boulevard umgestaltet werden

„Das Gebiet muss als Ganzes gedacht werden“, heißt es in der Mitteilung der SPD. Ziel sei eine Verkehrsberuhigung.

Der Kurfürstendamm soll nach Meinung der SPD zu einem attraktiven Boulevard umgestaltet werden. Geöffnet bleiben solle er nur für den Linienverkehr der BVG, für den Taxiverkehr, für den Wirtschaftsverkehr sowie für Rettungsfahrzeuge.

„Es bestehen bereits mehrere Beschlüsse der Bezirksverordnetenversammlung von Charlottenburg-Wilmersdorf“, heißt es in der SPD-Mitteilung. Deren Umsetzung müsse nun endlich erfolgen. „Der SPD-Fraktion ist es bei allen Entwicklungen wichtig, dass die City-West nicht zu einer Festung wird, sondern ein offener Ort in der Stadt bleibt“, betonte der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Bezirksamt will vorhandene Pläne schnell umsetzen

Auch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf drängt nach dem Vorfall am Mittwoch auf die schnelle Umsetzung der vorhandenen Sicherheits- und Verkehrskonzepte für den Breitscheidplatz. „Die Zeit des Abwägens ist vorbei. Die Konzepte für den Breitscheidplatz und die umliegenden Straßen müssen jetzt sofort umgesetzt werden“, sagte die Bezirksbürgermeisterin Kirstin Bauch (Grüne).

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Bisher liegt ein Konzept des Bezirksamts für den nördlichen Teil des Platzes und die Budapester Straße vor. Es sieht vor, die beiden südlichen Spuren der Budapester Straße dem Platz zuzuschlagen. Jenseits des Mittelstreifens bliebe dann noch Platz für jeweils eine Spur in jede Richtung. Die geradlinige Fahrt auf den Breitscheidplatz wäre dann aus keiner Richtung mehr möglich.

Seit dem Terroranschlag im Dezember 2016 schützen Poller auf einer Straßenseite Passanten. Nun soll weiter umgebaut werden Berliner Zeitung/Markus Wächter

Von der Senatsinnenverwaltung kommt ein Konzept für den Bereich südlich des Platzes. Hier soll der Autoverkehr deutlich ausgebremst werden. Durch einen Umbau des Mittelstreifens könnten Fahrzeuge auf dem Kurfürstendamm in Richtung Breitscheidplatz nicht mehr so beschleunigen wie bisher.

Kritik am Kudamm-Umbau von der CDU

Kritik an den Plänen kommt von der Berliner CDU. Der tödliche Vorfall dürfe von den Grünen „nicht für ihre ideologische Verkehrspolitik missbraucht werden“, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung. „Die Tränen der Opfer sind noch nicht getrocknet, da wollen die Grünen im Bezirk aus der entsetzlichen Amokfahrt politisches Kapital schlagen“, konkretisierte der verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, Oliver Friederici.

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„Mit dem Rückbau weiterer Straßen lassen sich psychisch Kranke nicht stoppen“, ergänzte der CDU-Politiker. Daher sei der Vorschlag der Bezirksbürgermeisterin absurd. „Wir stehen vor der großen Herausforderung, den tödlichen Vorfall gemeinsam aufzuarbeiten. Dazu erwarten wir sachliche Beiträge auch der Grünen, keine Parteipolitik.“

Die Tauentzienstraße war bereits kurzzeitig Fußgängerzone. Auf Betreiben des Bündnisses „Stadt für Menschen“ wurde der Abschnitt an der Gedächtniskirche an einem Sonnabend im Oktober 2020 drei Stunden lang für Kraftfahrzeuge gesperrt. „Es würde dem Platz gerecht werden, den Autoverkehr zu reduzieren und den Fußgängerbereich auszuweiten“, sagte Martin Germer, Pfarrer der Gedächtniskirche, damals.