Nadege Renda (links) wurde beim Anschlag von Nizza im Juli 2016 verletzt und spricht mit anderen Betroffenen nach der Urteilsverkündung.
Nadege Renda (links) wurde beim Anschlag von Nizza im Juli 2016 verletzt und spricht mit anderen Betroffenen nach der Urteilsverkündung. AP/Francois Mori

Es war eine der schlimmsten Terroranschläge in Europa und kostete 86 Menschen das Leben, Hunderte wurden verletzt. Nun sind in Frankreich Beteiligte vor Gericht zu Haftstrafen zwischen zwei und 18 Jahren verurteilt worden. Zu wenig, wie die Mutter einer bei dem Terrorangriff getöteten Berlinerin findet!

„Ich hätte mir härtere Strafen gewünscht“, sagte Barbara Bielfeldt der AFP am Dienstag in Paris. Ihre 29 Jahre alte Tochter war als Lehrerin mit ihren Schülerinnen und Schülern auf Klassenfahrt in Nizza gewesen. Besonders schmerzt Bielfeldt die Verurteilung der beiden Hauptangeklagten zu jeweils 18 Jahren Haft.

Schlimme Erinnerungen an Nizza-Anschlag kommen wieder hoch

Der Prozess habe die Erinnerung an die schlimme Zeit nach dem Anschlag aufgewühlt, als sie in Nizza nach ihrer Tochter gesucht habe. „Das kann man nicht vergessen“, sagte sie. Auch nach drei Monaten des Prozesses seien Fragen offen geblieben, sie wisse noch immer nicht genau, wie ihre Tochter ums Leben gekommen sei.

Die Anwältin Alexandre de Brossin de Méré, die die Mutter einer der getöteten Schülerinnen aus Berlin vertreten hatte, zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. „Es entspricht dem Ergebnis der dreimonatigen Verhandlungen“, sagte sie. „Das Gericht hat keine Ausreden zugelassen. Die Nähe der Angeklagten zum Täter und seinen Planungen sind dokumentiert und mit dem Urteil bewertet worden“, sagte sie. Die Staatsanwaltschaft hatte für die beiden Hauptangeklagten nur 15 Jahre Haft gefordert.

Zuschauer applaudieren bei der Urteilsverkündung gegen Terrorhelfer

Die Ansicht der Anwältin teilten Berichten zufolge auch andere Zuschauer des Gerichtsprozesses. So sei im Gerichtssaal Applaus ertönt, als der Vorsitzende Richter die 18 Jahre Haftstrafe für einen der Angeklagten im Prozess um den wohl islamistisch motivierten Terroranschlag von Nizza mit 86 Toten verkündet.

Der Attentäter war mit diesem Lkw in die Menschenmenge gerast.
Der Attentäter war mit diesem Lkw in die Menschenmenge gerast. AP/Sasha Goldsmith

Das Gericht hat ihn am Dienstagabend in Paris wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verurteilt, ebenso einen weiteren der acht als Handlanger und Unterstützer geltenden Angeklagten. Die Terrorhelfer waren Freunde des mörderischen LKW-Attentäters. Beide hätten ihn laut Gericht moralisch und materiell unterstützt und ihn inspiriert. 

Die beiden zu 18 Jahren Haft verurteilten Angeklagten wussten laut Staatsanwaltschaft um die Gesinnung des Mannes und dass er in der Lage sei, einen Anschlag zu begehen. Auch sollen sie in die Suche nach einer Waffe eingebunden gewesen sein.

Angerhörige berichteten vor Gericht über das die Terrorattacke

Das Gericht verhängte zudem zwölf Jahre Haft für den Mann, der dem Attentäter die Schusswaffe besorgt hatte, die dieser beim Anschlag benutzte. Die weiteren fünf Beschuldigten in dem Prozess, die laut Urteil ebenfalls in die Beschaffung der Pistole oder einer weiteren Waffe involviert waren, sollen zwischen zwei und acht Jahre in Haft. Die Angeklagten können noch Berufung gegen die Entscheidung des Gerichts einlegen.

Bei dem Lkw-Anschlag in Nizza kamen im Jahr 2016 insgesamt 86 Menschen ums Leben. Bilder des LKWs, der in eine Menge an einer Promenade in Nizza raste, schockierten die Welt. Mehr als 2000 Angehörige und Opfer traten als Nebenklägerinnen und Nebenkläger in dem Prozess auf.

Über mehrere Wochen hinweg berichteten sie vor Gericht von ihren Erinnerungen an die Attacke und den Spuren, die der Terrorakt bei ihnen hinterlassen hat. Auch die Mutter einer der getöteten Berliner Schülerinnen sprach unter Tränen vor Gericht. De Brossin de Méré sagte, das habe ihrer Mandantin sehr gut getan.