In die eigene Tasche gepflegt: Ex-Pflegedienst-Chefin Ekaterina S. (46, links, blond), in der Mitte ihre Mutter Zinaida K. (72) und rechts ihre Schwester Karina N. (41, dunkelhaarig). Berliner Kurier

Pflegebetrug war ihr Geschäftsmodell: Ekaterina S. (46) soll bei ihrem Pflegedienst ein „System der Falschabrechnungen“ etabliert haben. Schaden: Fast 700.000 Euro.

Die Ex-Chefin eines ambulanten Pflegedienstes nun vor Gericht. Mitangeklagt ihre Mutter und ihre Schwester: Zinaida K. (72) und Karina N. (41). Sie sollen mit weiteren Angestellten der Firma mit Sitz in Spandau als Bande agiert haben.

39 Taten sind angeklagt, die sich auf 20 Patienten beziehen. Ziel der Schummel-Pflege: „Leistungen gegenüber Pflegekassen und Bezirksämtern abrechnen, die nicht oder nicht in vollem Umfang erbracht worden sind.“

Eine miese Abzocke, die von 2013 bis April 2016 lief. Eingebunden laut Anklage auch Patienten: „Es wurden zunächst Patienten angeworben, bei denen die Erlangung einer Pflegestufe erfolgversprechend war.“

Auch Patienten übers Ohr gehauen

Die Frauen und Männer – etwa 55 bis 90 Jahre alt – seien „instruiert“ worden für die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) beziehungsweise die Bezirksämter. Um mehr Hilfe zu bekommen, als nötig gewesen wäre. Die Anklage: „Auch Atteste von Ärzten wurden besorgt.“

Leistungen wie Körperpflege, Waschen, Füttern, Blutdruckmessen wurden abgerechnet. Doch mit der Mehrzahl der Patienten wurde laut Anklage abgesprochen, dass sie nur einen Bruchteil der verschriebenen und abgerechneten Leistungen erhalten. Stattdessen habe es hauswirtschaftliche Leistungen wie Putzen oder Fahrdienste gegeben, auch Bargeld – „Kick-Back-Zahlungen“ – sei als Lohn geflossen.

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Den krummen Pflegedienst hatten Ermittler nach einer Anzeige eines gefeuerten Mitarbeiters unter die Lupe genommen. Die Chefin mit schickem Auto und Haus am See. Hinweise erhärteten den Verdacht. So soll ein Rentner, der angeblich bettlägerig war, flott durch seinen Kiez geradelt sein.

Anzeige eines gefeuerten Mitarbeiters

Jede Abrechnung wurde geprüft – genau 687.347 Euro Schaden errechneten Ermittler. Der Anwalt der Ex-Chefin nun: „Im Kernbereich treffen die Vorwürfe zu. Sie hatte den Hut auf, war Dreh- und Angelpunkt des Pflegedienstes.“

Die Mutter half bei der Pflege, die Schwester habe sich im Büro um Post gekümmert oder sei als Pflegehilfskraft eingesetzt worden. Für Mutter und Schwester erklärten ihre Verteidiger: „Sie waren in die Abrechnungspraxis nicht eingeweiht, bemerkten aber Unregelmäßigkeiten.“

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Ekaterina S., gelernte Kauffrau, zur Richterin: „Als ich den Pflegedienst 2008 gründete, hatte ich nicht vor, falsch abzurechnen.“ Schleichend habe es sich entwickelt. Sie beteuerte: „Die Abrechnungen habe ich immer allein gemacht.“

Die Richterin: „Was war mit Kick-Back-Zahlungen?“ Ekaterina S.: „Acht bis zehn Patienten bekamen Geld.“ Und Instruktionen vor einer Begutachtung? „Stimmt nicht, das waren Beratungen.“ Fortsetzung: 7. Dezember.