Schauspieler Daniel Donskoy bei einer Aufzeichnung der MDR-Talkshow Riverboat. Imago/Star-Media

In den Postfächern der von ihm genutzten sozialen Medien landen Anfeindungen – weil er sich gegen den Krieg ausgesprochen hat. „Mein Instagram ist voll mit diesem ‚Z‘-Symbol von Leuten, die für Putin sind“, sagt Daniel Donskoy (32). „Und es kommt auch noch viel Schlimmeres.“

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Der Berliner Schauspieler („Tatort“, „Saint Maik“), Sänger und Moderator („Freitagnacht Jews“ im WDR) ist besonders von diesen Krieg betroffen. Er stammt aus einer ukrainisch-russischen jüdischen Familie. Seine Mutter ist Ukrainerin, sein Vater Russe. Er selbst ist in Moskau geboren, spricht auch die Sprache,  kurz nach seiner Geburt aber zogen seine Eltern mit ihm nach Berlin.

Mit jeder neuen Nachricht verstehe er gerade mehr, warum seine Eltern damals die Sowjetunion verließen

Daniel Donskoy sitzt in einer Hotellobby, das Smartphone griffbereit. Er ist unterwegs, das sieht man, aber er hat sich etwas Zeit genommen. Er bekommt momentan viele Nachrichten. Und mit jeder neuen Nachricht verstehe er gerade mehr, warum seine Eltern damals gegangen seien, sagt Donskoy. „Sie wollten nicht in einem restriktiven Land bleiben, sie wollten frei denken und leben“, sagt der 32-Jährige. „Das totale Einschränken aller freien Meinungsäußerungen und der Möglichkeiten zur Meinungsbildung, ist genau das, was wir gerade in Russland beobachten.“

In der Rolle des charmanten Trickbetrügers Maik Schäfer, der ungewollt Priester wird, feierte Daniel Donskoy in der RTL-Serie „Saint Maik“ Erfolge. TV Now/Hempel

Aus seiner Familie ist ihm die Unterscheidung zwischen Ukraine und Russland eigentlich fremd. „Ich habe mir in meiner Familie nie darüber Gedanken gemacht, ob wir aus der Ukraine kommen oder aus Russland“, sagt er. „Wir kamen aus der Sowjetunion. Auf familiärer Ebene wurde vor 1990 da überhaupt kein Unterschied gemacht.“

Die Sanktionen isolieren auch ein ganzes Volk

Dennoch sieht er sich nun in der Situation, dass ihn Menschen fragen, wie der Konflikt zu verstehen ist. Das Leiden der ukrainischen Zivilbevölkerung gehe ihm sehr nah. „Sie werden gerade mit Bomben überschüttet“, sagt Donskoy.

Auf der anderen Seite besorge es ihn, was mit den Russen passiere. „Die Sanktionen sind richtig, um Putin und seine unmittelbare Umgebung, Oligarchen und Nutznießer des diktatorischen Systems zu treffen“, sagt er. „Aber sie isolieren auch ein ganzes Volk.“ Es sei in Russland kaum noch möglich, internationale Stimmen zu hören.

2021 war Daniel Donskoy auch in der ZDF-Produktion „KI - Die letzte Erfindung“ zu sehen. Als Anwalt, sich einen Chip ins Hirn implantieren lassen, um wieder konkurrenzfähig zu werden. ZDF/Oliver Ziebe

„Ich frage mich, wenn ein Land komplett isoliert wird von innen aber halt auch von außen, nährt das nicht auch das Narrativ eines Diktators?“, sagt Donskoy. Das beschäftige ihn gerade. „Auch wenn es darum gerade nicht geht. Es geht natürlich darum, dass Putin Raketen auf unschuldige Menschen schießt. Und das ist ein Verbrechen.“

Donskoy, den viele auch aus der RTL-Serie „Sankt Maik“ kennen, hat in den sozialen Medien viele Follower aus Russland. Er versucht, sie mit Informationen zu versorgen, wie er sagt. Aber das werde von Tag zu Tag schwerer. „Das Narrativ, dass angeblich Faschisten und Nazis die Ukraine regieren, greift immer stärker“, sagt er. „Ich kriege jetzt Nachrichten wie: Wie kann es sein, dass ein Jude Nazis unterstützt?“

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Den Geburtsort, die Wurzeln, die bekommt man einfach mit, die sucht man sich nicht aus. Donskoy will die Lage, in die er durch Zufall gerutscht ist, aber auch gerne positiv nutzen. Sein Wunsch sei es, Brücken zu schlagen zwischen Menschen, die die Realität voneinander trenne. „Das Gute daran ist: Ich kann mehr machen als nur eine Ukraine-Flagge auf Instagram zu posten“, sagt er.