Kalletal: Polizeifahrzeuge parken bei einer Großfahndung an einer Straße. Nach der brutalen Tötung eines 39-Jährigen mit einer Axt in Kalletal im Kreis Lippe hat die Polizei einen gesuchten Tatverdächtigen in Brandenburg gefasst.
Kalletal: Polizeifahrzeuge parken bei einer Großfahndung an einer Straße. Nach der brutalen Tötung eines 39-Jährigen mit einer Axt in Kalletal im Kreis Lippe hat die Polizei einen gesuchten Tatverdächtigen in Brandenburg gefasst. dpa / Christian Müller

Fast fünf Wochen lang war ein 36-Jähriger auf der Flucht. Die Vorwürfe wiegen schwer: Ein Mord mit einer Axt und eine Vergewaltigung. Hunderte Kilometer vom Tatort entfernt hat jetzt in Brandenburg ein Spezialeinsatzkommando zugeschlagen.

Er soll den Liebhaber seiner Ex-Freundin im Bett mit einer Axt erschlagen haben. Die Frau soll er danach vergewaltigt haben. Bei einer Kontrolle rannte er der Polizei den Ermittlern zufolge davon und war fast fünf Wochen lang auf der Flucht. Bis zum Donnerstagabend: Dann griffen Spezialeinsatzkräfte der Polizei zu und stellten den mutmaßlichen Axtmörder von Kalletal - fast 400 Kilometer östlich vom nordrhein-westfälischen Tatort, in einem Örtchen nahe der polnischen Grenze.

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Der 36-Jährige sei im brandenburgischen Brieskow-Finkenheerd in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus festgenommen worden, teilten Polizei Bielefeld und Staatsanwaltschaft Detmold am Freitag mit. In den Tagen zuvor hatte es demnach Hinweise gegeben, dass er sich nahe der polnischen Grenze aufhalte. Als diese konkreter wurden, stürmte schließlich ein Spezialeinsatzkommando das Haus, in dem sich der mutmaßliche Mörder aufhielt.

Mit der Axt im Bett erschlagen

Der 36-Jährige soll in der Nacht auf den 18. Juni einen 39-jährigen Mann mit einer Axt erschlagen haben - wohl aus Eifersucht. Laut den Ermittlern hatte das Opfer ein Verhältnis mit der Ex-Freundin des mutmaßlichen Täters. Die beiden lagen bei den Axthieben im Bett.

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Im Anschluss soll der 36-Jährige die Frau ins Badezimmer gezerrt und dort vergewaltigt haben. Danach zwang er sie und ihre beiden kleinen Kinder aus einer früheren Beziehung in ein Auto und raste davon. Doch weder hatte er einen Führerschein noch konnte er Auto fahren, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärte. Durch seine Fahrweise geriet er in den Fokus der Polizei - die von der blutigen Tat zu diesem Zeitpunkt noch nichts ahnte. Laut Staatsanwaltschaft nutzte der 36-Jährige einen Überraschungsmoment und rannte davon.

Der Mann sei am selben Tag nochmal im niedersächsischen Rinteln gesehen worden, sagte der Sprecher. „Dann verliert sich die Spur.“ Eine Großfahndung in der Gegend blieb erfolglos. Für die Fahndung veröffentlichten die Ermittler den vollen Namen und ein Foto des Mannes, versuchten es mit Plakaten und einer ausgerufenen Belohnung von 5000 Euro für Hinweise.

Flucht in Richtung Osten

Dass es den 36-Jährigen womöglich in Richtung Osten zieht, hatten die Ermittler schon bald nach der Tat geahnt - laut Polizei kommt er aus Aserbaidschan. Welche Staatsbürgerschaft er hat, ist demnach aber noch nicht eindeutig geklärt. Mit Flugblättern, die sie auf Autobahnraststätten verteilten, machten die Ermittler vor allem osteuropäische Fernfahrer auf den Flüchtigen aufmerksam. „Da sieht man sich jetzt bestätigt, dass die Theorie Hand und Fuß hatte“, sagte ein Polizeisprecher am Freitag mit Blick auf die Festnahme in der Nähe der polnischen Grenze.

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Wie genau der 36-Jährige es mehrere Hundert Kilometer weiter schaffte, war zunächst unklar. Eine Hypothese sei, dass er irgendwie über die Autobahn weiter nach Osten gelangt sei, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der Tatort in Kalletal liegt nur wenige Kilometer von der A2 entfernt, die - weiter östlich als die A12 - geradewegs in Richtung Warschau verläuft. Auch der Festnahmeort liegt in der Nähe der Autobahn.

Kooperation mit polnischer Polizei

Wie die Ermittler dem 36-Jährigen in der kleinen Gemeinde Brieskow-Finkenheerd auf die Schliche kamen, sagte der Sprecher nicht. „Da gibt es verschiedene Trickkisten - die wir hier aber nicht offenlegen“, sagte er. Es sei auch für eine Weile nicht klar gewesen, ob er sich dies- oder jenseits der Oder aufhalte. Daher standen die Ermittler auch mit den polnischen Strafverfolgungsbehörden in engem Austausch. Die wären für den Fall einer Flucht nach Polen zum Zugriff bereit gewesen, hieß es.

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Noch am Freitag sollte der mutmaßliche Mörder nach Detmold gebracht und dort einer Haftrichterin vorgeführt werden. Die werde ihm den bereits bestehenden Haftbefehl wegen Mordes verkünden, hieß es von den Ermittlern. Die Ermittlungen zur mutmaßlichen Vergewaltigung seiner Ex-Freundin gehen noch weiter. Es würden etwa DNA-Proben ausgewertet, hieß es.

Elchin A. ist Aserbaidschaner, schreibt die MOZ. Nach Informationen der Zeitung hat er zusammen mit seiner damaligen Freundin und deren zwei Kindern im Osten der Ukraine gelebt, im Donbass an der ukrainisch-russischen Grenze. Nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine hat das spätere Opfer Andrej F. ihn, die Freundin und die Kinder nach Deutschland geholt, nach Rinteln. Einige Wochen vor der blutigen Tat hat Andrej F., der selbst verheiratet ist und mit seiner Frau zwei Kinder hat, dann ein Verhältnis mit der Freundin begonnen, so die MOZ.

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