Der Impfstoff gegen Corona: Da noch nicht genug von dem Serum da ist, müssen Prioritäten festgelegt werden, wer als Erster geimpft werden kann. Foto: imago images/MiS

Die erste Deutsche und die erste Berlinerin, die den Impfstoff gegen Corona bekamen: Beide Frauen waren 101 Jahre alt. Das war kein Zufall. Denn es ist derzeit eine Frage des Alters, wer ganz oben auf die Impfprioritätenliste stehen darf, um als Erste die Spritze gegen den heimtückischen Virus zu bekommen. Es gibt aber auch viele Ausnahmen.

Ein Blick in die Rechtsverordnung bestätigt dies, die vom Bundesgesundheitsministerium kurz vor der EU-Zulassung des Biontech/Pfizer-Serums am 15. Dezember in Kraft trat. Sie basiert auf der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut (RKI). „Eine Priorisierung ist notwendig, weil zunächst nicht ausreichend Impfstoff zu Verfügung steht, um alle Menschen zu impfen, die das wünschen“, heißt es in der Information des Bundesgesundheitsministeriums.

Das älteren Menschen damit der Vorrang gegeben wird, erklärt sich daraus, dass diese Altersgruppen auf Grund ihres Gesundheitszustandes und des schwächeren Immunsystems besonders gefährdet sind, wenn sie sich mit dem Coronavirus anstecken.

Die ausgebrochene Krankheit kann bei ihnen wesentlich schlimmer verlaufen, in vielen Fälle sogar tödlich sein. Laut RKI gab es den höchsten Anteil an allen Todesfällen seit Beginn der Pandemie mit 45,2 Prozent in der Altersgruppe von 80 bis 89 Jahren. Der Anteil der Todesfälle in der Altersspanne von 0 bis 49 Jahren beträgt lediglich 1,2 Prozent.

Die 100-jährige Ruth Heller gehörte auch zu den ersten Berlinern, die gegen Corona geimpft wurden. Foto: Kay Nietfeld/dpa Pool/dpa

Daher stehen in der „Höchsten Priorität“ der zu Impfenden in der Rechtsverordnung die Menschen, die über 80 Jahre alt sind, und die vor allem in Alten- oder Pflegeheimen leben. Daher werden nun auch die Bewohner dieser Heime vorrangig geimpft, um sie vor dem Virus zu schützen.

Unabhängig vom Alter zählen zur höchsten Kategorie auch die Personen, die in stationären Einrichtungen ältere oder pflegebedürftige Menschen behandeln, betreuen oder pflegen. Dazu gehören auch Mitarbeiter in ambulanten Pflegediensten. Im Impfzentrum in der Arena Berlin in Treptow wurde damit am Sonntag schon begonnen. 

Und auch Beschäftigte auf den Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdienste werden vorrangig gegen Corona geimpft. Genau wie die Ärzte der mobilen Impfteams und Impfzentren oder Personal, das auf Stationen mit Krebskranken oder in der Transplantationsmedizin tätig sind.

Danach folgen zu impfende Bevölkerungsgruppen, die in der zweithöchsten Kategorie („Hohe Priorität“)  aufgeführt sind: Das sind die über 70-Jährigen. Unabhängig vom Alter stehen in dieser Kategorie auch Personen mit Down-Syndrom (Trisomie 21), mit Demenz oder geistiger Behinderung oder die eine Organtransplantation erhalten haben. Auch deren enge Kontaktpersonen zählen zu dieser Gruppe.

Ebenso Kontaktpersonen von Schwangeren, so wie Personen, die geistig behinderte Menschen behandeln, betreuen oder pflegen. Zu der Kategorie gehören weiterhin Pfleger und Ärzte mit regelmäßigem Patientenkontakt, Personal der Blut- und Plasmaspendedienste und der Corona-Testzentren, Polizei- und Ordnungskräfte, die im Dienst, etwa bei Demonstrationen, einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Außerdem  Mitarbeiter im öffentlichen Gesundheitsdienst und in relevanten Positionen der Krankenhausinfrastruktur. Zur  zweiten Kategorie zählen auch die Menschen, die in Flüchtlings- und Obdachloseneinrichtungen leben oder arbeiten.

Zu der niedrigsten Kategorie  („Erhöhte Priorität“) gehören an erster Stelle diejenigen, die über 60 Jahre alt sind. Unabhängig vom Alter gehören dazu Personen mit folgenden Krankheiten: Adipositas, chronischen Nieren- und  Lebererkrankungen, Immundefizienz oder HIV-Infektion, Diabetes, Herzerkrankungen, Schlaganfall, Krebs, schwere Lungenerkrankungen oder Asthma, Autoimmunerkrankungen und Rheuma.

Beschäftigte in Laboren gehören zu dieser Gruppe, auch „Personen in relevanter Position in Regierungen, Verwaltungen und den Verfassungsorganen, in Streitkräften, bei der Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und THW, Justiz“. In diese Reihe werden  auch Beschäftigte in relevanter Position in Unternehmen wie Kraftwerken, in Apotheken und Pharmawirtschaft, öffentliche Versorgung und Entsorgung, Ernährungswirtschaft, Transportwesen, Informationstechnik und Telekommunikation eingruppiert. Auch Erzieher und Lehrer sind in dieser Gruppe.

Alle, für die diese Prioritäten nicht gelten, müssen warten, bis genug Impfstoff vorhanden ist. Das könnte Mitte des kommenden Jahres so weit sein. Spätestens im Sommer.  Dann will  Bundesgesundheitsminister Jens Spahn allen Menschen in Deutschland ein Impfangebot machen können, die sich impfen lassen wollen. Die Massenimpfungen sollen dann nicht in Impfzentren, sondern in den Praxen der niedergelassenen Ärzte durchgeführt werden.