Ab Montag schließt Berlin schrittweise Schulen und Kitas. Foto: dpa/Corinna Schwanhold

Plötzlich geht es ganz schnell: Berlin schließt ab Montag schrittweise seine Schulen und Kitas. Los geht es mit den Oberstufenzentren, Dienstag sind Kitas und die allgemeinbildenden Schulen – Grundschulen, Gemeinschaftsschulen, Integrierte Sekundarschulen, Gymnasien, Förderschulen – dran.

Berlin war damit bis Redaktionsschluss eins von sieben deutschen Bundesländern, das sich zu flächendeckenden Schulschließungen entschlossen hat. Noch am Donnerstagabend hatte Schulsenatorin Sandra Scheeres sich auf die Untersagung von Exkursionen, Ausflügen und Schülerfahrten ins Ausland beschränkt und empfohlen, Konferenzen und Versammlungen an Schulen abzusagen.

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Lehrkräfte müssen an Dienststellen erscheinen

Die Schulen werden bis zum Ende der Osterferien, also bis einschließlich 19. April, geschlossen. Aber nicht für alle. In einem Brief der Schulaufsichtskoordinatorin Marina Hennersdorf an die Schulleitungen, der am Freitag um die Mittagszeit verschickt wurde, hieß es: „Die allgemeinbildenden Schulen werden die Notbetreuung für die Kinder in den Grundstufen 1-6 übernehmen, deren Eltern zu den von der Senatsverwaltung für Gesundheit definierten Berufsgruppen gehören.“ Schulleiter, Lehrkräfte und pädagogisches Personal haben laut dem Schreiben „bis auf weiteres“ an den Dienststellen zu erscheinen.

Die Definition der Berufsgruppen, die Anspruch auf Notfallbetreuung ihrer Kinder haben, blieb die Gesundheitsverwaltung bis zum Abend schuldig; vermutet wird, dass neben medizinischem Personal auch Polizei und Feuerwehr sowie Angestellte in der Gas-, Wasser- und Stromversorgung dazugehören. Und auch Schüler werden nach aktuellem Stand auch während der Schulschließungen in der Schule sein. In dem Schreiben hieß es, die „Durchführung aller Prüfungen“ sei trotz Schulschließungen „sicherzustellen“: „Dies umfasst neben den schriftlichen Prüfungen ausdrücklich auch die mündlichen sowie dezentralen Prüfungen. Die Schülerinnen und Schüler erscheinen zu den Prüfungsterminen in ihrer jeweiligen Schule.“

Ab Dienstag sind alle Schulen in Berlin geschlossen. Die Pankower Schule Eins ist bereits seit Tagen dicht. Foto: dpa/Jörg Carstensen

Prüfungsthemen fallen auch aus

Miguel Góngora, Vorsitzender des Landesschülerausschusses, ist erleichtert: „Festzulegen, ob, wann und in welchem Zeitrahmen die Prüfungen stattfinden, senkt die Hysterie.“ In Berlin beginnen schon in zwei Wochen die ersten Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss und zum Abitur – die fallen jetzt mitten in die Schulschließungen.

Unter Schülern, so Góngora, sorge das für mehr Angst als mögliche Coronavirus-Infektionen. Der Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW Tom Erdmann sagte am Freitag, dass das reine Durchführen von Prüfungen nicht ausreiche: „Der Unterricht wäre noch bis zu den Osterferien gegangen. Wenn er jetzt ausfällt, fallen auch Unterrichtsinhalte weg.“ Dabei könne es auch um Themen gehen, die bei den Prüfungen eine Rolle spielen.

Übers Wochenende werde es nicht mehr möglich sein, alle Schüler mit der notwendigen Technik für großflächigen Onlineunterricht auszustatten, sagte Erdmann. Für Verunsicherung sorgt auch der Umstand, dass die allgemeinbildenden Schulen erst am Dienstag geschlossen werden – dass viele Eltern, die anderweitige Betreuungsmöglichkeiten haben, ihre Kinder trotz Schulpflicht schon am Montag nicht mehr in die Schule bringen werden, ist jetzt schon klar.

Kitaträger organisieren Notbetreuung

Daniela von Hoerschelmann vom Landeselternausschuss hält den einen Tag Verzug aber für wichtig, damit am Montag letzte Absprachen getroffen werden können und die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit haben, Hefte und Bücher mit nach Hause zu nehmen. „Es ist wichtig, dass die Bildung weiterläuft“, sagte sie. Roland Kern, Sprecher des Berliner Dachverbands der Kinder- und Schülerläden, ist ebenfalls erleichtert, dass zwischen der Ankündigung und der kompletten Sperrung noch ein Wochenende liegt.

Die Kitaträger, so Kern, seien gerade dabei, eine Notbetreuung zu organisieren. Die überwiegende Mehrheit der Kitas in Berlin befindet sich in freier Trägerschaft. Genau wie bei den Schulen gelte aber momentan die Devise, dass Angestellte sich verfügbar halten müssen: „Die Kitas sind zu, aber das System arbeitet weiter.“  

Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses, wünscht sich mehr Informationen darüber, wie sinnvoll es angesichts der Ansteckungsgefahr ist, sich in privaten Betreuungsgruppen zusammenzutun. „Dass die Solidarität unter Eltern, was Betreuung betrifft, funktioniert, wissen wir von den Schulstreiks“, sagt Norman Heise. „Die Frage ist: Ist das eine gute Idee?“ Margarethe Gallersdörfer