Lutz Melchior (56) vom Heimatverein. Dass der Bauantrag für die Gasdruckstation genehmigt wurde, findet er einen Skandal. Foto: Sabine Gudath

Über dieses kleine, neue Häuschen wird Gas heruntergeregelt und an die umliegenden Haushalte im Ortsteil Müggelheim weitergeleitet. Dass es nun ausgerechnet auf dem Müggelheimer Dorfanger steht, lässt Anwohner und auch einige Bezirkspolitiker in Treptow-Köpenick in die Luft gehen.

Denn der Dorfanger steht seit fast 100 Jahren unter Denkmalschutz, der Blick auf die alte Dorfschule und die Kirche ist versperrt. Schuld ist eben die Gasdruckregelanlage, wie das Haus fachmännisch richtig heißt. Lutz Melchior (56) vom Müggelheimer Heimatverein spricht sogar von einem „Skandal“.  Er sagt dem KURIER: „Gleich wenn man in den Ort reinfährt, sieht man jetzt dieses Ding. Wenn Anwohner am Anger ihre Fenster austauschen oder den Vorgarten verändern, müssen sie das mit der Unteren Denkmalschutzbehörde abstimmen.  Hier zählte eben die Versorgungssicherheit.“ Der Heimatverein hat bereits 400 Unterschriften gegen das Häuschen gesammelt. Eine Demo gab es auch schon.

Die neue Gasdruckstation steht seit dem 8. Juli mitten auf dem denkmalgeschützten Dorfanger. Foto: Sabine Gudath

 Wie Bezirksbürgermeister Oliver Igel und Baustadtrat Rainer Hölmer (beide SPD) auf Anfrage bestätigen, brauchte  Müggelheim eine neue Anlage für die Gasversorgung. Die alte Anlage, gut versteckt am Rande des Angers, war in die Jahre gekommen. Als die Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg  (NBB) den Bauantrag für den Neubau stellte, habe die Untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks auch große Bedenken gehabt. Der Antrag wurde nach einem Abwägungsprozess trotzdem genehmigt, weil die Versorgungssicherheit erstmal Vorrang  habe, erklärt Stadtrat Rainer Hölmer dem KURIER.  „Ich möchte aber auch nicht erleben, dass die Gasversorgung zusammenbricht und die Leute deswegen auf die Straße gehen“, rechtfertigt er.

Mit dem Ergebnis scheint nun aber weder Rainer Hölmer, noch Bezirksbürgermeister Oliver Igel zufrieden zu sein. „Das sieht jetzt wirklich nicht gut aus. Vielleicht hätte man bei der Standortwahl etwas flexibler sein können und hätte die Bedenken der Denkmalschutzbehörde freiwillig ernster nehmen sollen“, so der Bezirksbürgermeister. „Das Ding ist im denkmalgeschützten Bereich wirklich keine Bereicherung, und wir wollen auch niemanden verprellen oder Denkmäler verschandeln“, meint der Baustadtrat.

Beide sprechen sich jetzt dafür aus, dass die Gasdruckregelanlage mittelfristig woanders hinkommt. Dazu wird es am 11. August ein Gespräch mit der Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg (NBB) im Köpenicker Rathaus geben. Igel, Hölmer  und der Müggelheimer Heimatverein werden dabei sein.

Das Ziel ist eine Lösung: Eine Versetzung brauche etwas Vorlaufzeit und gehe sicherlich nicht von heute auf morgen,  kündigt Hölmer schon mal an und bittet die Anwohner um Geduld. 

Die Fraktion der Linkspartei im Bezirksparlament versteht diese Umständlichkeit nicht. Fraktionschef Philipp Wohlfeil hat jetzt das Bezirksamt noch mal um eine Stellungnahme gebeten.

Lutz Melchior vom Heimatverein lebt sein 1967 in Müggelheim. Er sagt: „Das ist einer der letzten erhaltenen Dorfanger mitten in Berlin. Und er muss erhalten bleiben.“