In der Ausstellung in Mitte sind viele DDR-Zweiräder zu sehen. Hier: Ausstellungsleiter Sören Marotz (48) mit der MZ ETS 250 Eskort, die bei Staatsbesuchen im Einsatz war. Fotos: Berliner KURIER/Benjamin Pritzkuleit

Das erste eigene Moped – noch heute ist es für viele Jugendliche der Inbegriff von Freiheit. Aber auch zu DDR-Zeiten wurden die Knatterkisten gehegt und gepflegt. Berlin hat seit 2008 sogar ein eigenes DDR-Motorrad-Museum, gut versteckt in den S-Bahn-Bögen zwischen Alexanderplatz und Hackeschem Markt. Hier kehrt nun völlig neues Leben ein: Seit dem 1. September gehört die Schau zum Berliner DDR-Museum, soll nun ausgebaut und erweitert werden.

Für Moped- und Motorrad-Fans ist diese Ausstellung ein Kleinod: Über 130 Maschinen stehen hier, fein säuberlich aufgereiht, der Lack glänzt, als seien sie gerade erst vom Band gelaufen. Willkommen im Paradies der Knatterkisten! Das Museum gibt es bereits seit 2008, doch nun wollte sich der Betreiber zur Ruhe setzen, das DDR-Museum griff zu.

Mehr als 130 Motorräder und Mopeds aus der DDR sind zu sehen

„Zu unserer Sammlung gehören mehr als 300.000 Exponate, die meisten davon können wir in unserer Ausstellung gar nicht zeigen“, sagt Quirin Graf Adelmann von Adelmannsfelden, Geschäftsführer des DDR Museum. „Wir haben schon länger nach einem zweiten Standort gesucht.“ Die Motorrad-Schau in Mitte soll nun umstrukturiert werden.

„Der Bestand ist hier relativ unsortiert, soll chronologisch und thematisch verfeinert werden“, sagt Museumsdirektor Gordon Freiherr von Godin. Noch dazu findet hier vielleicht das eine oder andere Schätzchen aus dem Museumsdepot einen Platz – denn zum riesigen Fundus gehören auch mehrere Zweiräder, die bisher aus Platzgründen nicht gezeigt werden konnten.

Dieses DDR- Feuerwehr- Motorrad ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Foto: Benjamin Pritzkuleit

Schon jetzt ist die Schau aber ein Paradies für Schrauber: Jede Menge Schmuckstücke aus der DDR-Zeit warten hier, zumeist Modelle der Hersteller MZ (VEB Motorradwerk Zschopau) und Simson. Darunter auch einige Besonderheiten, etwa die „MZ ETS 250 Eskort“ von 1973. Von diesem Motorrad gab es nur 60 Exemplare, wovon 30 nach Ungarn geliefert wurden. „Diese Maschinen kamen bei Regierungsempfängen zum Einsatz – etwa als Breschnew 1979 Ostberlin besuchte“, erklärt Ausstellungsleiter Sören Marotz.

Hier versteckt sich sogar ein Detail, das Auto- und Motorrad-Fans auffallen dürfte: „Die vordere Verkleidung wurde extra für die Maschinen angefertigt – und der Scheinwerfer stammt aus dem Wartburg.“ Zuletzt waren die Motorräder im Einsatz, als der damalige französische Präsident Francois Mitterrand 1989 Berlin besuchte. Unklar ist, wie viele der 30 Exemplare heute noch existieren – es hat definitiv Seltenheitswert.

Auch der „SR 59 ,Berlin’“ des Herstellers IWL (VEB Industriewerk  Ludwigsfelde) steht in der Ausstellung. Foto: Berliner KURIER/Benjamin Pritzkuleit

Anders als andere Modelle, die nach und nach immer mehr in Mode kommen. Wie auch DDR-Autos, die heute Oldtimerstatus genießen. „Beim Trabi gibt es sogar noch Neuzulassungen, obwohl ja gar keine Autos mehr hergestellt werden – das liegt daran, dass es immer wieder Scheunenfunde gibt“, erklärt Marotz. Als die Wende kam, ließen Trabi-Besitzer den Sprit ab, parkten ihren Wagen. Und dann, 30 Jahre später, entdecken Kinder oder Enkel die Rennpappe neu. „Und genau so ist es auch bei Motorrädern und Mopeds“, sagt Sören Marotz.

Sören Marotz auf seiner Simson S51-Elektronik im Jahr 1990. Foto: privat

Und manches ist herrlich retro – wie der „SR 59 ,Berlin’“ des Herstellers IWL (VEB Industriewerk Ludwigsfelde), von 1959 bis 1963 lief dieses Modell vom Band – mehr als 114.000 Exemplare machten ihn zum meistgebauten großen Motorroller der DDR. In der Ausstellung steht auch der Campinganhänger „Campi“, ein winziges Ei. „Den Roller hatte meine Mutter auch – sie hat ihn geliebt, ist damit zwischen Erfurt und Dessau gependelt“, verrät Marotz. Eine Besonderheit sind hier auch die Trittbretter zum Abstellen der Füße, gefertigt aus Aluminium. „Damals baute sich in der DDR gerade eine Aluminiumindustrie für den Flugzeugbau auf. Und weil man sie schon hatte, wollte man sie auch dafür nutzen.“

Lesen Sie dazu auch: Erinnern Sie sich? Zehn Dinge aus der DDR, die es heute nicht mehr gibt >>

Wer in der Ausstellung Rost sucht, wird aber trotz des hohen Alters der Ausstellungsstücke nicht fündig. „Alle wurden für das Museum restauriert“, sagt Marotz. Geöffnet ist die Schau von Montag bis Sonntag, 9 bis 21 Uhr, der Eintritt kostet 8/6 Euro, Infos im Netz unter www.ddr-museum.de.