Die Opfer-Familie tritt in dem Kopfschuss-Killer-Prozess als Nebenklägerin auf.
Die Opfer-Familie tritt in dem Kopfschuss-Killer-Prozess als Nebenklägerin auf. BK

Der Killer trat an die Fahrertür, hob eine Knarre, drückte eiskalt ab. Waren es dubiose Geldgeschäfte, die zum Mord an Abdulcelil B. (47) führten?

Ein Mann im blauen Anzug vor Gericht: Bilal T. (61), Verkäufer, vor neun Monaten verhaftet, der Haarkranz grau und das Gesicht fahl. Ihm gegenüber saßen nun die Ehefrau des Getöteten und zwei seiner vier Kinder.

Der tödliche Kopfschuss am 13. Januar. Gegen 18.32 Uhr sollen sich B. und T. in Reinickendorf getroffen haben. T. sei in den schwarzen BMW X5 von B. gestiegen. Eine kurze Fahrt, dann stoppte der SUV an der Kühnemannstraße. T. soll ausgestiegen sein.

Die Anklage: „Er begab sich auf die Fahrerseite und schoss mit einer scharfen Schusswaffe einmal durch die geöffnete Fahrerscheibe auf B.“ Ein Schuss in die linke Schläfe. B. verstarb kurz nach der Tat in einem Krankenhaus.

Aus Habgier und heimtückisch soll Bilal T. seinen Bekannten umgebracht haben. Die Anklage: „Um die berechtigte Rückforderung aus einem bestehenden Darlehensvertrag zu vereiteln.“

Mutmaßlicher Kopfschuss-Killer schwieg vor Gericht

Während der Angeklagte schwieg, konterte einer seiner beiden Verteidiger: „Die Ermittlungen wurden von vornherein auf den Angeklagten beschränkt.“ Andere Richtungen seien gar nicht verfolgt worden. Auch bei der Aufklärung zu Geldgeschäften des Getöteten hätten die Ermittlungen lediglich durch Abwesenheit geglänzt.

Abdulcelil B. soll in Henningsdorf nördlich von Berlin gelebt, laut Verteidiger Sozialhilfe erhalten haben. Aber: „Sechsstellige Bargeldbeträge wurde bei ihm gefunden.“ 4517 Euro habe er bei der Tat bei sich getragen. 88 700 Euro seien in einem Bank-Schließfach entdeckt worden. Woher stammten die Summen? Für die Verteidigung von T. eine mögliche Geldquelle: „Naheliegend sind wucherische Geldgeschäfte.“

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Was die Anklage zur angeblichen Täterschaft von T. biete, sei mehr als dürftig. Der Anwalt: „Dass er in das Auto des Getöteten gestiegen sein soll, ist reine Spekulation. Im BMW wurden keine DNA, kein Fingerabdruck, keine Faser von T. gefunden.“ Fortsetzung: Donnerstag.