Katastrophenlage in Tübingen: Hier haben Unwetter Berge von Hagel herabregnen lassen. imago/Dennis Duddek

Eine Trennlinie verläuft mitten durch Deutschland. Bestes Badewetter herrscht an Ostsee, selbst die Wassertemperaturen haben ungewöhnlich früh in diesem Jahr bereits die 20-Grad-Marke geknackt. Im Süden Deutschlands werden örtlich Katastrophen vermeldet. Geradezu sintflutartige Wassermassen sind im rheinland-pfälzischen Bad Dürkheim niedergegangen: „Dort fielen bisher 79,3 Liter Regen pro Quadratmeter. Diese Regenmassen kamen allesamt seit 1 Uhr heute Morgen vom Himmel“, berichtet Wetterexperte Dominik Jung vom Portal wetter.net. Vollgelaufene Keller, unpassierbare Straßen: „Das war eine ganze Monatsmenge, die da binnen nur weniger Stunden vom Himmel gekommen ist.“ Wer das durchwachsene Spiel der deutschen Elf in der Münchner Allianz-Arena mitverfolgt hat, dem sind die Regenmassen nicht entgangen, die auf Spieler und Fans eingeprasselt sind. Nicht nur in Bayern, auch in Baden-Württemberg hat es in der Nacht kräftig weitergeregnet.

Neue Hitzewelle in Berlin und Brandenburg, weitere Unwetter im Süden

Auch in der Region Berlin-Brandenburg regnet es seit dem frühen Donnerstag, Regennachschub kommt vom Süden her, allerdings in bescheidenen Mengen bei angenehmen 21 bis 23 Grad. Bis zum Freitagnachmittag bleibt es laut Deutschem Wetterdienst (DWD) überwiegend stark bewölkt, doch der Regen lässt bereits in der Nacht nach. Am Wochenende kann sich schon wieder die Sonne durchsetzen, bei bis zu 26 Grad am Sonnabend und maximal 29 Grad am Sonntag. Richtig heiß könnte es in unserer Region kommende Woche werden, die 30-Grad-Marke ist wieder zum Greifen nahe. Eine extreme Hitzewelle sei aber nicht zu erwarten, ordnet Wetterexperte Jung dies ein.

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Ein überschwemmtes Impfzentrum in Tübingen

Wer sich zum heutigen Ferienbeginn Richtung Süden aufmacht, dessen Urlaub wird in Bayern, Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz zunächst leider ins Wasser fallen. Dominik Jung: „Ein Wolkenbruch jagt den nächsten. Die Folgen sind heftige Überflutungen. Zudem kommt es immer wieder zu großem Hagel, besonders in Bayern.“ Vor allem die Auswirkungen des Hagelschlags sind örtlich desaströs. „Auf einigen Feldern wurde die gesamte Ernte zerstört. Hagelkörner so groß wie Golfbälle haben den Pflanzen den Garaus gemacht.“ Keller und Häuser sind vollgelaufen und es gab erhebliche Sachschäden. Diplom-Meteorologe rechnet damit, dass die Unwetterlage noch bis Freitag anhalten wird, dann lassen die Gewitter aber erst einmal nach. Doch schon ab Sonntagabend könnten sich neue Unwetter nähern. „Aus Westen ziehen nach einem teils heißen Tag wieder neue Gewitter mit Unwetterpotenzial auf“, so Dominik Jung.

Unwetter mit den Jahren immer intensiver: Steckt der Klimawandel dahinter?

Und leider wird es auch nach dem Wochenende so weitergehen: Es sieht vor allem im Südwesten nach ergiebigen Niederschlägen aus. Dominik Jung erwartet „das ein oder andere Starkregenereignis“, der Ausblick ist auch kein schöner: „Es könnte ein Unwettersommer bevorstehen“, so Jung. Die Frage ist, inwiefern dieses Extremwetter mit dem Klimawandel zu tun hat oder nicht. Jung sieht da einen bedingten Zusammenhang: Was wir aktuell erleben, das sei erstmal Wetter. Wetter über einen langen Zeitraum beobachtet, in der Regel 30 Jahre und mehr, das nennt man Klima. „Doch es fällt schon auf, dass die Intensität der Gewitter und ihre Auswirkungen deutlich zugenommen haben. Seit einigen Jahren hören wir immer wieder von Sturzfluten bei Gewitter“, hält Jung fest. Die Intensität von Gewittern und ihre Auswirkungen haben sich in den vergangenen Jahren offenbar verstärkt. „Der Klimawandel treibt die Temperaturen in der Atmosphäre nach oben. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kühlere Luft. Daher kann dann natürlich bei Gewittern und Unwettern demensprechend auch deutlich mehr Regen runterkommen. Es hängt natürlich irgendwo alles zusammen“, sagt der Diplom-Meteorologe.