Mobile Impfteams sollen in Berlin ab nächster Woche in die sozialen Brennpunkte fahren. Achim Duwentäster/imago

In der nächsten Woche sollen mobile Impfteams in soziale Brennpunkte fahren und dort 10.000 Dosen Impfstoff verabreichen. Wie das genau in der Praxis aussieht, wird derzeit beraten, so die Senatsgesundheitsverwaltung.

Geht es nach der Berliner Integrationsbeauftragten Katarina Niewiedzial müssen neben den sozialen Brennpunkten ebenso die etwa 100 Moscheen der Stadt bei den mobilen Impfteams einbezogen werden. Sie hat gerade ein Projekt gemeinsam mit fünf Berliner Moscheegemeinden und dem Gesundheitsträger Albatros initiiert und dafür 1000 Tests zur Verfügung gestellt.

„Das Projekt läuft bis Freitag. Wir konnten während des Ramadan sehr viele Menschen erreichen und mit dem Testangebot den Gang in die Moschee sicherer machen. Mit dem Einsatz mehrsprachiger Ärzteteams haben wir sehr gute Erfahrungen gesammelt“, sagt Niewiedzial. Sie fügt hinzu: „Bei der Bekämpfung der Pandemie können wir nur erfolgreich sein, wenn wir alle Menschen gleichermaßen gut erreichen. Dazu müssen wir gezielt auf die Menschen zugehen und sie auch in ihrer vertrauten Umgebung erreichen. Menschen mit Migrationsgeschichte sind keine Infektionstreiber, sie gehören aber häufig zu den vulnerablen Gruppen unserer Gesellschaft und haben keinen guten Zugang zu unserem Gesundheitssystem.“ Sie sei sicher, dass sich bei einem Einsatz mobiler Impfteams mehr Menschen impfen lassen werden.

Der Psychologe Friedrich Kiesinger ist Geschäftsführer vom Berliner Verein Albatros, der mit rund einem Dutzend Ärzten jeden Freitag vor den Moscheen steht und Menschen zum Testen motivieren möchte. Getestet wurden inzwischen etwa 400 Menschen mit Migrationshintergrund. Kiesinger: „Gerade auch bei dem Testangebot vor den Moscheen haben wir gesehen, dass man aktiv auf die Menschen zugehen muss. Es gibt ja besonders in verschiedenen Kulturen sehr viel Misstrauen gegenüber Impfungen. Ebenso gegenüber dem hiesigen Gesundheitssystem.“ Ganz wichtig sei es, vor Ort Vertrauen aufzubauen. „Die Imame sind dafür bedeutende Multiplikatoren, wenn sie das unterstützen, hat das noch mal einen größeren und nachhaltigen Effekt.“ Kiesinger weiter: „Wenn wir erreichen, dass Menschen mit Zuwanderungshintergrund auch das Impfen als normal empfinden, dann sind wir einen wichtigen Schritt weiter.“ Er fügt hinzu: „Die mobilen Impfteams sollten so früh wie möglich starten.“ Am besten schon im Mai.

Linke: Vielsprachige Informationen sind notwendig

Aus der Politik kommt weitgehend Zustimmung. Aus Sicht der Berliner Linke-Chefin Katina Schubert seien vor allem vielsprachige Informationen für Menschen in „prekären Lebensverhältnissen“ notwendig. „Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten, und das vor allem in allen Sprachen“, sagte die Linke-Chefin. Mit Informationen in vielen unterschiedlichen Sprachen in die einzelnen Communitys zu gehen, könne helfen, sagt ebenso die SPD-Abgeordnete Nicola Böcker-Giannini.

Auch die CDU-Politikerin Cornelia Seibeld findet das Impfen in sozialen Brennpunkten „prinzipiell gut“, sieht aber gleichzeitig ein großes Versäumnis beim Senat. Leider sei es bis heute unmöglich festzustellen, wo genau die Infektionen herkommen. „Wir wissen es einfach nicht, weil das in Berlin nie gezielt untersucht wurde“, sagte Seibeld. Anders als etwa in Dänemark oder in Griechenland habe es zum Beispiel keine Abwasseruntersuchungen gegeben, die eine Wohnblock-genaue Analyse ermöglicht hätten. Auch die Gesundheitsämter hätten Infektionsherde und Spreader-Ereignisse nie genau genug im Blick gehabt. Sei es aus Datenschutz- oder aus Kapazitätsgründen.