CSD-Parade in Berlin: Dieses Jahr soll es wieder richtig krachen auf Berlins Straßen. imago/Lambert

Das Timing ist schon etwas seltsam, aber irgendwann muss es ja mal gesagt werden: Während in der Ukraine die Bomben fallen, bereitet sich Berlin auf die Party des Jahres vor. Ist das nun geschmacklos oder schlicht Ausdruck überschäumender Lebensfreude im Kriegschaos?

Die Lockerungen der Corona-Maßnahmen lassen die Berliner Stadtfest-Veranstalter hoffnungsvoll auf den Sommer blicken. Unklar war jedoch, ob der Krieg in der Ukraine die Veranstaltungen beeinflusst. Egal, angesagt und geplant wird der Party-Sommer in Berlin trotzdem. Und zwar richtig fett.

Der Christopher Street Day (CSD) soll sogar so groß werden wie vor der Pandemie – mit einer Million Feiernden im Zentrum der Stadt. „Wir rechnen mit so vielen Menschen wie 2019“, sagte CSD-Vorstandsmitglied Nasser El-Ahmad der Deutschen Presse-Agentur. Auch Organisatoren der Fête de la Musique und des lesbisch-schwulen Stadtfestes wollen an die Zeiten vor der Pandemie anknüpfen. Der Schaustellerverband plant mehrere Feste. Vorausgesetzt, wir bekommen nicht doch noch einen schlimmen Pandemie-Sommer, wie manche Virologen befürchten.

CSD-Parade mit mehr als einer Million Menschen

Die CSD-Parade soll am 23. Juli mit Bühnen, Musik-Trucks und vielen politischen und aktivistischen Redebeiträgen stattfinden und in der Leipziger Straße starten. Endpunkt sei wieder das Brandenburger Tor. Die Organisatoren gehen davon aus, dass bis dahin alle Corona-Regeln aufgehoben sind – auch die Maskenpflicht für Veranstaltungen, sagte El-Ahmad weiter. Sie stünden in regelmäßigem Austausch mit Verwaltung und Polizei. Sollte es erforderlich sein, sei ein Hygienekonzept ausgearbeitet worden. Angemeldet sind bei der Polizei bislang rund 500.000 Menschen.

Im Jahr 2019 hatten die Veranstalter eine Million Teilnehmer gezählt. 2020 wurde der Protest wegen der Corona-Pandemie ins Internet verlegt. 2021 gab es dann wieder eine Demo mit Zehntausenden Menschen. Die Polizei sprach von etwa 65.000 Teilnehmenden, die Veranstalter von 80.000. Mit dem CSD – international oft „Pride“ (engl. für Stolz) genannt – wird vielerorts an Ereignisse im Jahr 1969 in New York erinnert: Polizisten stürmten damals die Bar Stonewall Inn in der Christopher Street und lösten einen mehrtägigen Aufstand von Schwulen, Lesben und Transsexuellen aus.

Ob dieses Mal auch der Brüder und Schwestern in der Ukraine gedacht wird, wurde nicht mitgeteilt. Ebenso wenig, ob Einnahmen aus den Mega-Veranstaltungen an Kriegsopfer gehen.

Partys in der Kulturbrauerei, im Roten Rathaus und in der Gropiusstadt

Die Fête de la Musique fand 2020 und 2021 bedingt durch die Pandemie im Internet statt. Pünktlich zum 40. Jubiläum des ersten Festivals in Frankreich soll in diesem Jahr wieder unter freiem Himmel und im Club getanzt und gefeiert werden. Als Termin angedacht ist der 21. Juni. Als Orte seien unter anderem die Kulturbrauerei, das Rote Rathaus und die Gropiusstadt im Gespräch, sagte Festivalleiter Björn Döring. Er gehe davon aus, dass es diesen Sommer leichter sein werde, etwas zu organisieren. Bands und Konzerträume, die mitmachen wollen, könnten sich online bewerben.

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Positiv gestimmt zeigen sich auch die Veranstalter des lesbisch-schwulen Stadtfestes am Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg. Das Fest soll nach zwei Jahren Corona-Pause am 16. und 17. Juli wieder im vollen Umfang mit Bühnen und Ständen stattfinden, sagte ein Sprecher. Der Schaustellerverband Berlin plant ebenfalls mehrere Feste, unter anderem vom 23. März bis 24. April das Frühlingsfest auf dem Zentralen Festplatz am Kurt-Schumacher-Damm, ab Mai die Steglitzer Woche und ab Juni den Volksfestsommer ebenfalls auf dem Zentralen Festplatz. Auch für den Herbst und den Winter gebe es Pläne.

Unklar, welche Auswirkungen der Ukraine-Krieg haben wird

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Die Tourismusgesellschaft des Landes gab sich ebenfalls optimistisch. „Alle sind sehr ungeduldig, an die Pandemie endlich einen Haken zu machen“, sagte Geschäftsführer Burkhard Kieker. Die Stadt plant diesen Sommer einen mehrwöchigen Kultursommer an Orten, die sonst keine Kulturorte sind. Die Tourismusgesellschaft hält es weiterhin für möglich, dass bei den Übernachtungen ein Niveau von 75 bis 80 Prozent des Vor-Corona-Jahres erreicht wird. 2019 habe es rund 34,1 Millionen Übernachtungen in Berlin gegeben. Unklar sei noch, welche Auswirkungen der Ukraine-Krieg haben werde, sagte Kieker.

Schön wäre es allerdings auch gewesen, Berlins Tourismus-Chef hätte sich ein bisschen mehr Gedanken um die Gefühle der Kriegsversehrten und der vielen Tausend Flüchtlinge gemacht, die momentan verzweifelt in Berlin landen. Für sie gibt es sicher wenig Grund zum Feiern.

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