Ein Aktivist der Klimaschutz-Initiative „Letzte Generation“ hat sich mit seiner Hand auf die Straße geklebt.
Ein Aktivist der Klimaschutz-Initiative „Letzte Generation“ hat sich mit seiner Hand auf die Straße geklebt. dpa/Matthias Balk

Es ist ein bekanntes Ritual am Montagmorgen. Mitten im Berufsverkehr kleben sich die Aktivisten von „Letzte Generation“ auf dem Berliner Asphalt fest. Jetzt kam es zu Handgreiflichkeiten. Ein Autofahrer flippte aus.

Ein Video, dass die Klima-Kleber posteten, zeigt, mit welcher Entschlossenheit der Verkehrsteilnehmer die Aktivisten von der Straße zerrt. Die lassen zunächst ein paar Autos passieren, dann blockieren sie schon wieder die Straße.

Die Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ Berlin) meldete um 8.09 Uhr auf Twitter: „Aufgrund einer #Protestaktion ist die Ausfahrt AS Beusselstraße auf der #A100 Ri. Wedding #gesperrt.“ Viele Verkehrsteilnehmer wurden von der Aktion eiskalt erwischt und blieben an der Stelle hängen. Es gab mal wieder einen Megastau.

Lesen Sie auch: Verkehrs-Irrsinn immer schlimmer: So viele Stunden stehen Berlins Autofahrer im Stau - und DAS sind die drei schlimmsten Staufallen der Hauptstadt!>>

Die Klimaaktivisten von „Letzte Generation“ begründeten ihre neuerliche Aktion so: „Wir gehen immer und immer wieder auf die Straße, denn wir sind die #LetzteGeneration vor den Kipppunkten. Es kann so nicht weitergehen, wenn wir überleben wollen. Wir ziehen unsere Entschlossenheit aus der wissenschaftlichen Notwendigkeit und dem Verfassungsbruch der Regierung.“ Dann zeigten sie das Video.

Kurz vor Weihnachten hatten die Klima-Kleber noch gejammert, dass aufgrund einer behördlichen Maßnahme ihr Lieblings-Sekundenkleber in einigen Geschäften zurückgerufen wurde und nicht mehr erhältlich sei. Inzwischen wissen sie sich offenbar zu behelfen.

Lesen Sie auch: Nur noch mit Maulkorb: Berliner Gericht stuft American Bully als gefährlichen Hund ein >>

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte das Vorgehen der Klimaaktivisten gerade erst kritisiert: „Die Damen und Herren, die sich hin und wieder mit dem Hintern auf der Straße festkleben, sind für mich keine Klima-Aktivisten, denn sie tun nichts fürs Klima“, sagte Woidke der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam. „Aktive Klimaschützer sind die, die morgens um fünf (Uhr) das Haus verlassen, um beispielsweise moderne Heizungen, Windkraftanlagen oder Batteriespeicher zu bauen.“

Bei Straßenblockaden und anderen Protesten der Klimagruppe „Letzte Generation“ haben allein Berliner Polizisten inzwischen 233.000 Einsatzstunden geleistet. Die Zahl nannte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Montag im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Es seien 756 Tatverdächtige festgestellt, 2700 Strafanzeigen gestellt und 761 Vorgänge ausermittelt worden.

Lesen Sie auch: Berliner Clan-Gangster in Dresden vor Gericht: Brechen jetzt auch die Remmos ihr Schweigen?>>

Sind Klima-Kleber Straftäter?

Spranger sagte im Ausschuss, pro Einsatz würden 241 Euro als Gebühr erhoben. Inzwischen würden 2000 Euro Zwangsgeld gegen Verdächtige verhängt, die sich mehr als acht Mal in Berlin festgeklebt hätten.

Die Innensenatorin wertete die Protestaktionen als „politisch motivierte Straftaten“, sagte aber auch: „Trotzdem ist es so, dass die Grenze zum Extremismus noch nicht überschritten ist.“ Die Aktionen griffen gleichwohl stark in den Alltag der Berlinerinnen und Berliner ein, fügte sie hinzu. „Das können und werden wir nicht dulden.“

Auf die Frage eines Abgeordneten nach Erkenntnissen zur Bezahlung der Aktivisten durch einen Berliner Verein sagte die Senatorin, die Klima-Kleber hätten selbst öffentlich gemacht, „dass sie bezahlt werden, dass sie Spenden bekommen“. Die Behörden hätten ein scharfes Auge darauf, woher diese Mittel kommen. Dass der Berliner Senat einen Verein fördere, der die Aktivisten bezahle, „ist mir nicht bekannt“.